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Der aktuelle Generationen-Konflikt verläuft entlang von Antiautoritarismus und Lebenserfahrenheit

Politikberater: „Man kann sich des Eindrucks manchen DDR 2.0-Wunschgedankens nicht verwehren!“

Angesichts aufeinanderprallen der Positionen bezüglich der Zukunft von Arbeit, einer ökologistischen Transformation und des gesellschaftlichen Wertes von Bewährtem kommentiert der Konstanzer Politik- und Kommunikationsberater Dennis Riehle wie folgt:

Für mein Verständnis erleben wir eine Zeit des Antiautoritarismus, in der sich eine falsch verstandene Progressivität bahnbricht, die durchaus den Anspruch hat, das repräsentative System zu überwinden und in eine oligarchisch anmutende Herrschaftsform zu überführen, in der eine Minderheit der Gutmenschen das Ruder übernimmt und in Parallelparlamenten über die Zukunft des Landes entscheidet. Der reflexartige Reaktionismus gegen alles, was sich bisher bewährt und traditionell wie konventionell in unserer Gesellschaft wichtige Übereinkunft gefunden hat, ist letztlich mit einem Aufbegehren einer über bestimmte Altersgrenzen hinweggehenden Generation des obsessiv Andersmachenwollens zu erklären. Schlussendlich trägt sie einen neidischen Konflikt zu denjenigen aus, die unser Land in wirtschaftliche Prosperität und sozialen Wohlstand gebracht haben – was in der Bequemlichkeit des Laissez-Faire heute verpönt ist. Der dringende Wunsch nach Moralisierung, Belehrung und Bevormundung hat durchaus Züge einer DDR 2.0. Er ist letztlich aber auch ein Ausdruck von vollkommener Verunsicherung, sich der eigenen Ziele nicht mehr bewusst zu sein – und um Einflussverlust zu fürchten, welcher nicht nur zum Scheitern der eigenen Ambitionen, sondern gar ganzer Visionen über eine steuerbare Zukunft der Verlässlichkeit führen könnte. Denn das größte Risiko für ein planwirtschaftliches Funktionieren ist die Aufklärung der Menschen durch die Vernunft. Gerade, weil Politik vermittelt, dass ihr Menschenverstand abhandengekommen ist, bleiben vor allem Lebenserfahrene eine Hoffnung.

Schlussendlich trägt die Abschottung des hauptstädtischen Elfenbeinturms und die elitäre Dekadenz einer überbehüteten Klientel zum Eindruck bei vielen in Selbstwirksamkeit und Erfolgsstreben erzogenen Menschen bei, wonach das Ziel von bestimmten Jahrgängen allein die histrionische Verwirklichung von zeitgeistiger Ideologie um jeden Preis ist, der es weniger um einen Sinn, sondern vielmehr um prinzipiellen Oppositionismus zum Bestehenden geht.  Dass damit zwei Welten aufeinanderprallen und die Polarisierung in unserem Land immer weiter zunimmt, ist entsprechend keine besondere Überraschung. Allerdings sind wir mittlerweile doch an einem Punkt angelangt, an dem es tatsächlich um einen Identitäts- und Kulturkampf geht, der ohne Zweifel existentielle Fragen berührt. Denn die Vorstellungen darüber, wie wir morgen leben wollen, waren selten unterschiedlicher als im Moment. Entsprechend ist die Lagerbildung nachvollziehbar – und Wechsel zwischen den politischen Extremen erwartbar. In diesen Stunden braucht es aber Garanten der Mitte, die Rückgrat haben, nicht der Versuchung der Aufspaltung zu erliegen. Denn Haltung zeigt sich nicht dadurch, dass man sich kontrastierend an das andere Ende der Messlatte begibt, sondern dem Gebläse aus unterschiedlichen Richtungen standhält. Farbe auch dann zu bekennen, wenn sich eine partielle Sozietät für ein kategorisierendes Schwarz-Schweiß-Denken entschieden hat, braucht sicherlich Mut. Aber die Leuchttürme in der Brandung sind oftmals die letztmögliche Gegenleiten der Orientierung vor dem Untergang. Insofern sollten wir sie schützen.

Weitere Informationen unter www.dennis-riehle.de.

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