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Die Angst vor den Transformationsfolgen ist größer als die vor dem Klimawandel!

Immer öfter scheinen sich auch die ansonsten sehr pragmatischen und der allgemeinen Aufgeregtheit mancher Klimaapokalyptiker unbeeindruckt gegenüberstehenden Deutschen massive Sorge über die Zukunft zu machen. Allerdings nicht wegen einer Erderhitzung und möglichen Kipppunkten, sondern aufgrund der ruinösen Auswirkungen einer Transformation mit der Brechstange, die international ihresgleichen sucht. Dass die Ampel-Regierung den Menschen in Deutschland deutlich zu viel zumutet und sie über Gebühr strapaziert, merken die Bürger nicht nur am Jahresanfang, wenn weitere Steuern und Abgaben steigen.

Viel eher sind es auch die Auswirkungen der künstlich angeheizte Geldentwertung durch steigende Strompreise für Bevölkerung und Industrie, die dadurch unnötig gepushten Erzeugerkosten infolge einer unüberdachten Energiewende, aber ebenso immense Zusatzausgaben durch staatlich aufoktroyierte Regulierung – beispielsweise in Form von Vorschriften zu Heizungen oder Automobilen. Mittlerweile wurde ein Teuerungsniveau erreicht, das mit einer üblichen Kostendruckinflation nicht mehr erklärt werden kann. Der Verweis auf gestörte Lieferketten und endliche Ressourcen allein genügt bei weitem nicht mehr, um die Dimension der mittlerweile in weite Teile des Mittelstands hineinreichenden Verarmung des Bürgertums zu erklären.

Deshalb kann es niemanden erstaunen, dass sich Furcht ausbreitet – vor dem Wegschmelzen der Altersvorsorge, dem mühsam erwirtschafteten Wohlstand und manch hart erarbeiteter Existenzen, wie derzeit bei den Bauern. Scholz und sein Kabinett haben die Republik in eine beispiellose Verunsicherung und Pessimismus vor dem Morgen getrieben. Bilder vom Unterhaken oder dem Zusammenhalt sind ebenso wie die Versprechen, dass niemand allein gelassen werde, nichts als Schall und Rauch. Die Verbitterung und die Entrüstung über die an vielen Stellen schamlos betriebene Enteignung von Menschen sind nunmehr soweit angewachsen, dass die Proteste der Landwirte lediglich eine von zahlreichen Kanalisierungen des immer breiter werdenden Stimmungsbildes des Unmuts darstellen, welcher sich in der Volksseele anstaut.

Das Regierungsviertel kann eigentlich nur froh darüber sein, dass eine Berufsgruppe nun die Flucht nach vorne antritt und damit den Deckel des Dampfdrucktopfs ein Stück weit anhebt. So besteht zumindest die Chance, dass er sich nicht in einer ruckartigen Überraschung entlädt, sondern maßvoll nach und nach in weiteren Demonstrationen und eindeutigen Abstimmungsergebnissen bei den zahlreichen Richtungsentscheidungen in diesem Jahr den Zorn abbaut. Eine Verschiebung der Machtverhältnisse ist keine Frage des „Ob“ mehr, sondern nur noch des „Wann“. Die Verantwortlichen haben durch die momentan auf den Straßen gezeigten Warnschilder die Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten. Sie können beim Blick auf die Balken am Wahlabend dann nicht mehr von unerwarteten Ereignissen sprechen, sondern hatten lange genug Zeit, sich auf eine längere Phase der Abstinenz einzustellen.

Offenbar haben aber noch nicht alle Journalisten in dieser Nation die Beweggründe eruieren können, welche tatsächlich zu den momentanen Protesten führen. Dass es manchen Bauern in diesem Land nicht an Wohlstand mangeln mag, dürfte wie in jeder anderen Berufsgruppe kein Geheimnis sein. Aber es stellt mit Sicherheit eine Ausnahme dar, dass ein Landwirt in einem Übermaß an Einkommen und Vermögen schwelgt. Letztendlich sollte man sich die Tatsache bewusst machen, dass kaum eine andere Branche derart von einem Strukturwandel betroffen ist wie der Agrarbereich.

Massive Umbrüche in den letzten Jahren und Jahrzehnten kosten Unsummen an Investitionen. Die von der Politik massiv vorangetriebene und aufoktroyierte Transformation hin in Richtung mehr „Bio“ und „Öko“ verlangt nicht nur eine erhebliche Anpassungsbereitschaft ab, um sich brechstangenartig von den über Jahrhunderte bewährten konventionellen Methoden zu verabschieden. Sondern sie bedarf eines massiven monetären Einsatzes. Ganze Betriebe umzustellen, das gelingt nicht aus der Portokasse heraus. Diejenigen, die den Wandel bereits geschafft haben, können sich glücklich schätzen – dürften aber eher in der Minderheit sein.

Dass die Abschaffung der Subventionen für den Diesel besonders hart trifft, hängt auch mit dem Umstand zusammen, dass eine Alternative in diesem Bereich bislang kaum erschwinglich ist. Zwar hat es auf dem Markt einen Durchbruch von emissionsfreien und auf fossile Energien verzichtenden Traktoren – beispielsweise mit hybriden Antrieben – gegeben. Doch auch sie sind wiederum zumindest im Augenblick noch ein derart teures Unterfangen, dass man es gerade dem kleinen Selbstständigen vor Ort kaum zumuten kann. Und was soll ihm letztlich bleiben, wenn der Treibstoff unerschwinglich ist? Den Tank mit veganem Apfelsaft befüllen?

Außerdem wird auch die Rolle des oftmals noch mit vielen hämischen, abwertenden und diffamierenden Kommentierungen versehene Beruf des Bauern erheblich unterschätzt. Auch wenn wir in unseren Breiten immer mehr Agrarprodukte aus dem Ausland importieren, so können und dürfen wir schon allein aus Nachhaltigkeitsgründen nicht auf die Landwirtschaft im eigenen Land verzichten. Diese Tatsache scheint auch vielen Grünen-Politikern nicht wirklich bewusst, die in diesen Tagen schamlos mit ihren verbalen Entgleisungen auf die Protestierenden eindreschen.

Und letztlich geht es bei den Demonstration der Landwirte auch um die einfache Gegebenheit, dass sich hinter jedem von ihnen ein ganz normaler Bürger verbirgt, der zusätzlich mit all den Widersinnigkeiten und Zumutungen der momentanen Ampel konfrontiert ist. Wer ihnen also Vorhaltungen macht, kritisiert das gesamte Volk für die Inanspruchnahme demokratischer Rechte. Denn sie gehen stellvertretend für eine laut Umfragen überwältigende, sie unterstützende Mehrheit aus der breiten Bevölkerung auf die Straße. Da geht es nicht nur um einen Streik einer Sparte, sondern um das Artikulieren und Kanalisieren der Stimmung in der gesamten Republik.

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