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Eine Depression ist nicht gleich eine Depression!

Ursachen und Symptome sind sehr unterschiedlich

Noch immer wird in der Öffentlichkeit oftmals davon ausgegangen, dass es sich bei einer Depression um eine vorübergehende Gemütsstörung mit Traurigkeit und Niedergeschlagenheit handelt. Dass diese Sichtweise viel zu kurz greift, darauf möchte die Selbsthilfeinitiative zu Zwängen, Phobien und Depressionen aufmerksam machen. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle (Konstanz), in einer aktuellen Aussendung mitteilt, litten viele Betroffene darunter, dass ihre Symptome nicht ernstgenommen würden und eine Behandlung oftmals nicht an den variierenden Ursachen der Erkrankung ansetzt: „Zunächst einmal sind bereits die Frühwarnzeichen für eine bevorstehende depressive Episode überaus mannigfaltig. Meist geht es in diesem Stadium noch nicht um Perspektivlosigkeit und lähmende Gedanken. Stattdessen sind sozialer Rückzug, Anzeichen von Erschöpfung und Überforderung sowie Veränderungen an der Persönlichkeit nicht selten die ersten Hinweise auf eine nahende psychische Erkrankung. Aggressivität, Verbitterung oder Ernüchterung sind klassische Gefühle und Emotionsausbrüche, die für den Patienten bislang untypisch waren. Entsprechend kommt auch der Beobachtungsgabe und der Wahrnehmung von Angehörigen, Freunden und Kollegen eines Betroffenen eine hohe Bedeutung zu, denn der Erkrankte selbst verdrängt solche Warnhinweise, obwohl er sie eindeutig spürt und eine Wandlung im eigenen Denken, Fühlen und Handeln erkennt. Oftmals wird diese aber nicht richtig zugeordnet, weshalb es der ruhigen Ansprache durch Bezugspersonen bedarf, die den Patienten besonnen und ohne Vorwürfe, Mutmaßungen und Bevormundung aufmerksam machen“.

Befindet sich ein Betroffener bereits in einer depressiven Phase, kommen Schwermut, Hoffnungslosigkeit, Mutlosigkeit und ein Schwarz-Weiß-Denken zu den Empfindungen und der mentalen Flexibilität hinzu: „Der Erkrankte ist dann nicht mehr in der Lage, auf äußere Reize wie Ereignisse, Stimmungen und Ansprache adäquat schwingungsfähig zu reagieren. Er verharrt im Zustand der Hilflosigkeit, Pessimismus und Antriebslosigkeit, gepaart mit Selbstzweifeln und fehlenden Visionen für die Zukunft. Gleichsam äußert sich die Depression auch in Eigenvorwürfen und einem Gedankenkarussell, das sich durch Destruktivität und überzogene, manchmal sogar wahnhafte Vorstellungen über die Sinnlosigkeit des Lebens auszeichnet“, erklärt der Sozialberater, der seit 25 Jahren selbst betroffen ist und aus Erfahrung weiß, dass nicht selten auch körperliche Ausdrucksformen der Depression dominieren: „Neben Schmerzen können dies auch Bewegungsstarre, Magen-Darm-Probleme, Atemstörungen, Schwindel und Missempfindungen sein, auch Taubheitsgefühle und motorische wie kognitive Verlangsamung sind möglich“, so Riehle. Und auch bei der Ursache der Depression muss differentialdiagnostisch unterschieden werden: „Während meist angenommen wird, dass allein eine psychische Ursache zugrunde liegt, sind nicht selten hormonelle Schwankungen bei Fehlfunktionen von Schilddrüse, Nebennierenrinde oder im Hirnstoffwechsel beteiligt. Daneben muss an Vitamin-Mangel-Syndrome und Erkrankungen von Leber, Niere, Herz oder Lunge gedacht werden. Seelische Faktoren sind systemische Probleme in der Familie, im Beruf, durch Verlust oder Trauer, Existenznot, Zukunftssorgen, Traumata und Stressbelastungen. Je nach Ätiologie ist dann auch die Wahl der passenden Behandlung zu treffen – zumeist eine Kombination aus medikamentöser und Psychotherapie“, so Dennis Riehle abschließend.

Hinweis: Menschen mit akuten Suizidgedanken und -absichten finden Hilfe unter der Notrufnummer 112 oder über die „Telefonseelsorge“ unter Tel.: 0800/1110111. Darüber hinaus stehen auch die örtlichen Sozialpsychiatrischen Dienste, psychiatrische Krankenhäuser und Ambulanzen zur Verfügung. Sprechen Sie gegebenenfalls auch den Hausarzt an.

Die kostenlose Beratung der Selbsthilfeinitiative ist überregional unter www.selbsthilfe-riehle.de erreichbar.

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