Dennis Riehle

Journalist Dennis Riehle mit dem Medienpreis der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. geehrt

Auszeichnung für langjähriges Engagement zur Bekanntmachung und Entistigmatisierung des psychischen Leidens

Der Konstanzer Journalist und Autor Dennis Riehle ist von der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. mit dem Medienpreis ausgezeichnet worden. Der 38-Jährige war vor rund 20 Jahren einer der ersten Betroffenen des psychischen Leidens, der mit dem Antrieb zur Entstigmatisierung des damals noch recht unbekannten Beschwerdebildes an die Öffentlichkeit ging, um dort darüber aufzuklären, was hinter den für den Außenstehenden oftmals schwer nachvollziehbaren Zwangshandlungen und Zwangsgedanken tatsächlich steckt. Mittlerweile ist die Erkrankung auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung, bei Psychotherapeuten und Fachärzten zu einer häufig im Alltag auftretenden mentalen Störung geworden, die sich unter anderem durch übermäßig häufiges Waschen, Kontrollieren, Sortieren, Putzen oder Zählen beziehungsweise sich dem Betroffenen permanent aufdrängende Gedankenspiralen mit aggressiven, sexuellen oder religiösen Inhalte auszeichnet. Die Patienten verfallen in einen Kreislauf eines Neutralisationsverhaltens, sie wollen durch ihr übertriebenes Handeln und Denken den in ihnen aufkommenden Ängsten und Gefühlen begegnen – fallen damit aber immer weiter in ein Zweifeln und verstärken somit die Symptomatik. Sie nehmen diese sich aufdrängenden Sorgen und Befürchtungen als ihrer Person widersprechend wahr und fühlen sich dadurch massiv belastet. Oftmals kommt es zu einer Erwerbsunfähigkeit und Schwerbehinderung, da Erkrankte nicht mehr in der Lage sind, am Berufs- oder Privatleben adäquat teilzunehmen. Die Ursachen sind in neurobiologischen Prozessen, aber auch in antrainierten Reaktionsmustern, verzerrten Assoziationen und psychodynamischen Prozessen der Persönlichkeit und der Vergangenheitsbewältigung zu suchen. Die Behandlung erfolgt zumeist mit kognitiver Verhaltenstherapie, nicht selten kombiniert mit einer medikamentösen Ergänzung.

Dennis Riehle hat zeitweise bis zu 16 Stunden am Tag mit Zwängen verbracht. Trotzdem hat er das Abitur bewältigt und anschließend verschiedene Ausbildungen absolviert. Früh engagierte er sich im Aufbau einer Selbsthilfegruppe zum Thema bei ihm vor Ort – und ist nunmehr seit 19 Jahren für die DGZ e.V. ehrenamtlich aktiv, unter anderem als Kuratoriumsmitglied und Landesbeauftragter für Baden-Württemberg. Zudem hat er die Psychosoziale Mailberatung des Vereins angestoßen und beantwortet dort regelmäßig Anfragen von Betroffenen und Angehörigen. Da er seine eigene Erkrankung mittlerweile um bis zu 60 bis 70 Prozent zurückdrängen konnte und sich selbst zur Erkundung von Kausalitäten jahrzehntelang beobachtet hat, kann er mit viel Erfahrung anderen Patienten zur Seite stehen. Riehle ist mit seiner Krankheitsgeschichte in über 10 Fernsehformaten von Reportagen und Live-Sendungen wie „stern TV“, „Explosiv“ oder dem „Sat.1-Frühstücksfernsehen“ über Talkrunden wie dem „Nachtcafé“ bis hin zu Interviews bei „Aeschbacher“ aufgetreten, wurde unter anderem von Zeitschriften wie der „BRAVO“ und für zahlreiche Studienarbeiten interviewt und hat selbst mehrere Bücher zum Thema geschrieben. Darüber hinaus hat er mittlerweile einige Dutzend Artikel für die „z-aktuell“, die Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen, verfasst – und fungiert mittlerweile auch als Pressereferent der Selbsthilfeorganisation. Für all diesen Einsatz wurde er nunmehr auf der Jahrestagung geehrt. Aufgrund seiner mittlerweile vorherrschenden Parkinson-Erkrankung konnte er den dotierten Preis in Tübingen zwar nicht selbst in Empfang nehmen, übermittelte aber in einer Grußbotschaft die Bereitschaft, sich auch weiterhin mit Vehemenz dafür einzusetzen, dass die Versorgung der Betroffenen verbessert wird und die Sensibilisierung für die komplexe psychiatrische Erkrankung voranschreitet. „Dies gelingt aus meiner Sicht nur durch eine offenherzige und authentische Darstellung von Patientengeschichten, aus denen man am besten ablesen kann, unter welchem großen Leidensdruck sie stehen. Aber auch durch eine breitflächige Information über das Erscheinungsbild, die Zusammenhänge und die Möglichkeiten der Behandlung. Selbst wenn ich mittlerweile meine eigenen Zwänge gut im Griff habe und nahezu ein alter Hase in dieser Sache bin, werde ich mit viel Leidenschaft und Vitalität so lange wie möglich daran arbeiten, dieses Störungsbild bekannt zu machen. Denn die Zahl der Patienten ist zuletzt deutlich gestiegen. Sie haben Anspruch auf mehr Verständnis, wozu ich mit Medienarbeit auch künftig beitragen will“, so Riehle in einem Statement.

Dennis Riehle ist für Betroffene, Angehörige und Medienvertreter unter der Mail-Adresse: DGZ@Riehle-Dennis.de erreichbar. Weitere Informationen auf www.zwaenge.de.

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