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Leistung und Gewinn sollten sich künftig an einem Ökosozialen Mehrwertindex bemessen

Beratungsstelle für Nachhaltige Entwicklung fordert Umdenken bei der Wachstumsdefinition

Die deutsche Wirtschaft ist angesichts der aktuellen Konjunkturkrise weiterhin in Stagnation verhaftet. Ökonomen warten auf die Trendumkehr und erhoffen sich eine baldige Steigerung der Leistungsfähigkeit. Gleichsam bewegen sich seit einiger Zeit immer mehr philosophische und ethische Debatten um die Frage, inwieweit es im 21. Jahrhundert noch angemessen erscheint, das Ziel eines ständigen Wachstums auszugeben. Immerhin ist es angesichts der Ausbeutung der Ressourcen sinnvoll und notwendig, über eine neue Definition von Fortschritt nachzudenken. Progressivität kann nicht mehr allein in monetären Erfolgen und immer weiteren Steigerungen von Produktivität oder Ertrag gemessen werden. Dieser Überzeugung ist auch der Leiter der Beratungsstelle für Nachhaltige Entwicklung und Change Management, Dennis Riehle (Konstanz): „Schlussendlich müssen wir mit Blick auf die Endlichkeit der Schöpfung, aber auch die in der Vergangenheit und Gegenwart schändlich betriebene Ausnutzung der Natur, zu einer neuen Genügsamkeit zurückkehren und uns animieren, Profit nicht mehr mit Expansion gleichzusetzen. Gerade über die Maße hinausgehender Luxus und der rücksichtslose Verbrauch von Gütern zum alleinigen Selbstzweck der Bereicherung sind heute unangebracht und verantwortungslos. Stattdessen bedarf es eines strengen Paradigmenwechsels, der Demut und Zufriedenheit mit dem lehrt, was man für ein solides und auskömmliches Leben benötigt – ohne dabei in Dekadenz zu verfallen und über Gebühr zu konsumieren. Denn wenngleich ich die Proteste der ‚Letzten Generation‘ oder von ‚Friday for Future‘ als destruktiv und ungeeignet für den Klimaschutz empfinde, so teile ich prinzipiell die Auffassung, dass wir uns alle selbst an der Nase packen müssen und ehrlich sein sollten, wie weit wir unseren Egozentrismus noch treiben wollen. Allerdings empfehle ich einigen Aktivisten, entsprechend beim eigenen Lebensstil einen Wandel einzuläuten und nicht nur andere Menschen zu belehren“.

Der Coach vom Bodensee führt weiter aus: „Ich fordere keinen Verzicht auf sämtliche Annehmlichkeiten. Jedoch dürfte jedem von uns, der morgens authentisch in den Spiegel schaut und sich über die Zerstörung der Umwelt bewusst wird, allein aus dem Aspekt der Verpflichtung gegenüber des Nachwuchses und der Zukunft mit mancher Beschämtheit auf das eigene Verhalten klar sein, dass es nicht so weitergehen kann wie aktuell. In unserer transhumanistischen Überzeugung maßen wir uns an, uns als Einzelne den Globus untertan machen und die Lebensgrundlagen schröpfen zu können – obwohl nicht nur gläubigen Menschen doch einleuchten sollte, dass uns die Erde zur Pflege und Bewahrung überlassen wurde. Nicht mehr an das Morgen, sondern allein an den sofortigen Genuss zu denken – das ist eine elitäre Grundhaltung der Arroganz, die sich die Weltgemeinschaft nicht mehr leisten kann. Überall dort, wo ein Umstieg auf alternative Produkte, Dienstleistungen und Energiequellen niederschwellig möglich, leistbar und zumutbar ist, sollte dieser auch mit ordnungspolitischen Maßnahmen vorangetrieben werden. Allerdings bedeutet dies keinesfalls eine verordnete Transformation mit der Brechstange, die alleine auf Verbote und Überregulierung setzt. Viel eher muss sie gezielt bei denjenigen greifen, die sich über die Normen und Vereinbarungen einer Solidargemeinschaft in reinem Selbstinteresse hinwegsetzen. Deshalb scheint es auch plausibel, die Vermehrung von Wohlstand und Aufschwung nicht mehr am Bruttoinlandsprodukt, sondern an einem Ökosozialen Mehrwertindex festzumachen. Schlussendlich bedeutet dies eine Abkehr von dem Credo des ‚Höher, Schneller, Weiter‘ – und eine Hinwendung zu Respekt vor nicht-materiellem Gewinn. So muss auch der wirtschaftlich weniger stark verwertbaren Arbeit ein höherer Stellenwert zukommen“.

Riehle meint weiter: „Mehr Anerkennung braucht es zudem für Kreativität und Innovation, welche nicht vorrangig auf einen in Cash erkennbaren Output ausgerichtet ist, sondern einen ideellen und zivilisatorischen Zusatzbeitrag leistet. Eine Bilanz ist eben nicht nur dann positiv, wenn schwarze Zahlen geschrieben werden, sondern auch sogenannte weiche Faktoren bedient sind. Was trägt also ein bestimmter Ertrag zur langfristigen Kostenersparnis bei? Welche perspektivische Bereicherung ist durch ihn möglich – auch wenn er heute noch zu einem Soll führt? Und wie kann er trotz momentan notwendiger geldlicher Investitionen beispielsweise Humankapital und Lebensraum schonen, welche dauerhaft Ausgaben verkleinern? Zusammenfassend wird es darum gehen, nicht mehr allein im Hier und Jetzt zu verweilen, sondern die Leistungsfähigkeit und das Resultat von Produktivität an sukzessive offenbar werdenden, abstrakten Wertzuwächsen zu graduieren und entsprechend der nicht umgehend sichtbaren Auswirkungen einzuordnen. Denn dass angesichts einer prekären Ausgangslage – in der wir uns weniger aufgrund der Erderwärmung panisch in Aufgeregtheit versetzen müssen, sondern wegen der selbstverständlichen Aufbrauchung von menschlicher Kraft und ursprünglicher Grundlagen um viele Existenzen sorgen sollten – eine gewisse Opferbereitschaft von uns allen abverlangt werden kann, ist mit Blick auf die aus Gier angerichteten Schäden an unserem Planeten mittlerweile kaum noch zu leugnen. Jetzt ist die Zeit der Schwächeren gekommen, für die die Stärkeren einstehen und entbehren müssen. Andernfalls ist auch das demokratische Gefüge durch wachsende Spaltung in Gefahr“, so der 38-jährige Journalist abschließend.

Die Beratungsstelle für Nachhaltige Entwicklung ist kostenlos unter www.beratung-riehle.de erreichbar.

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