Quelle: Clipdealer.de, A28230948 - Erworbene Standardlizenz

Ob bei Krieg oder Klima: Auch der westliche Hochmut kommt vor dem Fall!

Politikberater kritisiert einen wachsenden transatlantischen Belehrungseifer

Angesichts der westlichen Bemühungen um ein Mitmischen in den aktuellen Kriegen und Konflikten in der Welt und des vor allem deutschen Versuchs zum Import seiner klimapolitischen Ideale kommentiert der Politikberater Dennis Riehle (Konstanz) wie folgt:

Der sogenannte „Westen“ hat sich allzu lange als Weltpolizei überheblich aufgespielt und den Anspruch erhoben, mit seinem Wertegerüst ein Vorbild für alle Kontinente zu sein. Er wollte sein Konzept der freiheitlichen Volksherrschaft anderen Kulturkreisen aufoktroyieren – und ist dabei mit seinem Elitarismus vorgegangen, der besonders in den Nationen auf Ablehnung gestoßen ist, die sich von dieser Expansionspolitik bedrängt und gefährdet gefühlt haben. Allzu oft hat man aus der Perspektive von Washington, Brüssel oder Berlin gedacht, man könne es sich als „lupenreine Demokraten“ anmaßen, eine Staatsform zu exportieren, die im Augenblick sogar in den hiesigen Bevölkerungen massiv unter Beschuss geraten ist. Nicht zuletzt die eigene Doppelmoral hat dieses Projekt allerdings zu Recht in Misskredit gebracht.  Das politische und ideologische Gefüge auf unserem Planeten ist zuletzt auch deshalb in Bedrängnis gekommen, weil einerseits der globale Süden erkannt hat, dass er massiv benachteiligt und ausgegrenzt wird – obwohl er viele Lasten zu tragen hat, Ursachen der Norden verantwortlich ist. Andererseits sind es die Player im Osten, die sich von den USA oder Europa gegängelt fühlen – und nun die Chance bekommen sehen, aufbegehren zu können. Dabei bedienen sie sich ihrer imperialistischen Ideen und Visionen aus der Vergangenheit, die im 21. Jahrhundert zwar nicht mehr zeitgemäß und unter dem Aspekt vom Völkerrecht zurückzuweisen sind. Jedoch darf es uns insgesamt nicht wundern, dass wir mit unserer bevormundenden Art irgendwann an Grenzen und Widerstände stoßen. Schlussendlich steht es allen Akteuren in der internationalen Gemeinschaft zu, ihre Ansprüche, Rechte und Integrität einzufordern. Wenngleich wir Autokraten und Diktatoren keinen Spielraum für ihre Provokationen lassen dürfen, gebietet es gerade unsere freiheitliche Meinungsvielfalt, zu respektieren, dass andernorts abweichende Herrschaftsformen priorisiert und von Bürgern bevorzugt werden.

Auch mit Blick auf die Transformation verrennt sich Europa in dem Irrglauben, Vorbild für die ganze Welt sein zu können. Gerade Deutschland scheint sich mit seiner Energie- und Wärmewende vollkommen vom internationalen Parkett zu verabschieden. Eingebogen in eine Einbahnstraße, als Geisterfahrer mit Scheuklappen unterwegs, sind wir doch tatsächlich der Auffassung, wir könnten mit dem Unterton der Moralisierung irgendjemanden davon überzeugen, dass unser Modell einer Kasteiung bis zur Unendlichkeit, einer ökosozialistischen Plangesellschaft aus Verboten und Diktaten, nachahmungswürdig sei. Wir machen unsere Ideen auch gegenüber Despoten nicht schmackhafter, wenn wir sie hierzulande mit der Brechstange durchsetzen und uns in unserem oligarchischen Politikstil den Antidemokraten anbiedern. Schlussendlich haben doch gerade die letzten Monate gezeigt, wonach es die Bundesrepublik nicht schafft, das Ideal der „Klimaneutralität“ ohne einen massiven Verlust an Wirtschaftlichkeit und Wohlstand verwirklichen zu können. Und ehrlicherweise interessiert es auch die Erderwärmung kaum, ob wir nun bei uns auf Wärmepumpen umstellen oder das E-Auto noch früher einführen. Schlussendlich haben wir falsche Prioritäten gesetzt. Denn wir wissen bis heute nicht genau, welche Kausalitäten an der Veränderung des perspektivischen Wetters beteiligt sind. Und doch investieren wir blindlings Unsummen in einen Kampf für das 1,5 Grad-Ziel – ohne aber tatsächlich zu wissen, ob wir mit diesem krampfhaften ideologischen Engagement einen signifikanten Effekt erzielen werden. Innovation, Prävention und Anpassung wären das Gebot der Stunde. Kluge und vernünftige Staaten werden diesem Prinzip der Akklimatisierung folgen, sich sicherlich aber nicht am erhobenen Zeigefinger eines doppelzüngigen Besserwissers orientieren wollen. Letztendlich täten wir gut daran, von unserem hohen Ross möglichst bald herabzusteigen, ehe nach unserem Hochmut der Fall kommt.

Weitere Informationen unter www.dennis-riehle.de.

Beitrag teilen