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Psychosoziale Beratungsstelle verzeichnet ein Plus an Nachfragen von 170 %

„Insbesondere die Inflation und Zukunftssorgen bringen die Menschen zu uns!“

In den ersten drei Quartalen 2022 hatten noch 107 Personen die „Psychosoziale Sprechstunde“ kontaktiert. Im Vergleichszeitrum für 2023 waren es 292 Anfragen an die Beratungsstelle, die bundesweit für Menschen in schwierigen Lebenslagen per E-Mail kostenlos erreichbar ist und vom Konstanzer Dennis Riehle ehrenamtlich geleitet wird. „Das hat hauptsächlich mit einer Überforderung vieler Bürger aus den vielen Krisen der letzten Jahre und Existenzsorgen zu tun, die nun auch für viele Haushalte in der Mittelschicht offenbar werden“, so der Psychologische und Sozialberater, der mittlerweile weit über 3.000 Hilfesuchende unterstützt hat und über die Zeit hinweg eine Veränderung der Probleme beobachten kann, mit denen sich die Bevölkerung befasst: „Neben Fragen zu sozialen Leistungen, die mittlerweile auch oft von in Vollzeit arbeitenden Berufstätigen in Anspruch genommen werden müssen, geht es wesentlich um Tipps für die Alltagsbewältigung, denn immer mehr Bevölkerungsteile sind mit den Nachrichten schlichtweg alleingelassen und fürchten um die Zukunft. Die komplexer werdende Welt in all ihren Belangen trifft auf eine psychisch wenig resiliente Gesellschaft, die über viele Jahrzehnte in weitgehendem Wohlstand leben und sich nicht vorstellen konnte, innerhalb kürzester Zeit mit einer Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen auf das gesamte soziale Dasein, den unmittelbaren Folgen eines Krieges in Europa, Teuerung und anstehenden Herausforderungen aus einer Transformationspolitik der ‚Ampel‘-Regierung konfrontiert zu sein. Da stellen sich ein Ohnmachtsgefühl, Rückzug und Ängste um die Altersvorsorge ein, die man auch nicht einfach von der Hand wischen kann. Denn selbst mit rationalen Argumenten und kognitiver Arbeit kann man den Befund von einer immensen Phase der Veränderung nicht leugnen, die bei einem Gewohnheitstier wie dem Menschen zu Anpassungsschwierigkeiten führt“.

Riehle beobachtet gleichsam, dass es immer schwieriger wird, die vielen Baustellen zu überblicken: „Da ist die Familie, in der es wegen der Inflation knirscht und Verzicht geübt werden muss. Da ist das Home-Schooling und das Home-Office, die auch nur sehr bedingt unter einen Hut gebracht werden können. Die ausufernden Kosten für die Dinge des täglichen Bedarfs, aber auch ins Eigenheim, die ja fast galoppieren. Mobbing der Kinder, demenzkranke und zu pflegende Eltern, Arbeitslosigkeit – und bei all dem nicht so rosige Aussichten, wenn uns Bilder von Gewalt in der Ukraine oder Horrorszenarien einer Klimakatastrophe gezeichnet werden. Die Flut an Informationen und die mangelnde Medienkompetenz in deutschen Haushalten trägt auch dazu bei, dass Schlagzeilen nicht mehr gefiltert oder hinterfragt werden und man ihnen kaum noch entkommt, wenn man sich wesentlich über soziale Netzwerke unterrichten lässt und mit einer Verlagerung des Lebens in den virtuellen Raum an Lösungsfertigkeiten verliert, die Schwierigkeiten im Realen zu beheben – mit denen krisenerprobtere Generationen zuvor noch gut umgehen konnten. Es fehlt an Widerstandskraft, Flexibilität und Innovation, mit Umbrüchen fertig zu werden und sich nicht ausgebrannt, ernüchtert und perspektivlos den Gegebenheiten hinzugeben. Schlussendlich ging auch ein Stück Leidensfähigkeit verloren, was nicht zuletzt auf den zunehmenden Egozentrismus und die Verschiebung des Sinns aus dem Ideellen ins Materielle zurückzuführen ist. Überdies haben sich die Erwartungshaltungen an das Selbst und die Anderen verschärft, oftmals sind sie derart utopisch geworden, dass sie kaum noch zu erreichen sind und die Enttäuschung erwartbar ist. Wenngleich sich ein Wandel in unserem Leistungsverständnis anbahnt, brauchen Menschen oftmals Ideen, ihre eigenen Glaubenssätze zu relativieren. Und auch dabei wollen wir ihnen unter die Arme greifen!“.

Die kostenlose Familien-, Psychologische und Sozialberatung ist unter www.beratung-riehle.de erreichbar.

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