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Wir sollten den Reformationstag nicht für unterschwelligen Aktivismus zweckentfremden!

Philosophischer Laienarbeitskreis kritisiert Ausführungen der EKD-Ratsvorsitzenden Kurschus

Als Erwiderung zu den Einlassungen der Theologin und EKD-Vertreterin Kurschus zum 31.10.2023 veröffentlicht der Sprecher des Philosophischen Laienarbeitskreises, Dennis Riehle (Konstanz), folgende Stellungnahme:

Wir sollten es vermeiden, den Reformationstag als Deckmantel für die Verbreitung von ideologisch motivierten und durch bestimmte politische Kreise zweckentfremdeten Werte zu nutzen. Gerade aufgrund der Äußerungen der EKD-Ratsvorsitzenden in den vergangenen Tagen zur Aufnahme von Flüchtlingen, aber auch aufgrund des Einsatzes der evangelischen Kirche für die Seenotrettung und die Letzte Generation sind die Worte aus ihrem Mund mit Vorsicht zu genießen.  Schlussendlich dürfen wir uns guten Gewissens auf die Botschaft zurückbesinnen, die Luther ausgegeben hat. In einer Leistungsgesellschaft ist es wichtiger denn je, dass wir uns vergegenwärtigen: Für die Annahme und Liebe durch Gott braucht es keine besonderen Verdienste. Sie ist bedingungslos. Weder religiöser Rituale noch dogmatische Kasteiung wird vom Einzelnen abverlangt, um Zugang zum Herrn zu bekommen. Allein durch die Spiritualität der Heiligen Schrift sind wir befähigt, mit dem Schöpfer in Kontakt zu treten. Ja, der Mönch hat uns durch seine Verdienste um die Bibelübersetzung in die Lage versetzt, dass wir alle lesen und verstehen können, was dort geschrieben steht. Sein Engagement war für die Bildung von großer Bedeutung. Denn nur so ist es auch dem Laien möglich geworden, seine eigene Exegese vorzunehmen und damit eine Interpretation zu wagen, die im Zweifel auch der Moral der Institution widerspricht. Bereitschaft zum Widerspruch und Rückgrat für die eigene Haltung – wir können es in diesen Zeiten gebrauchen.

Die Freiheit des Christenmenschen, zu einer eigenen und selbstbestimmten Überzeugung zu kommen und sich nicht durch den Klerus und den erhobenen Zeigefinger von der Kanzel herab eine bestimmte Doktrin aufdrängen zu lassen, ist gerade dieser Tage von größerer Bedeutung denn je. Wir brauchen keine Belehrung oder Bevormundung durch Aktivisten oder Politiker. Wir sind mündig und eigenverantwortlich. Lange haben wir uns von den vermeintlichen Instanzen den richtigen Weg predigen lassen. Er hat oftmals ins Verderben geführt. Und selbstredend soll jeder von uns die gleichen Chancen bekommen. Das ist allerdings nicht gleichzusetzen mit dem Ansinnen, eine Willkommenskultur zu praktizieren, die ohne jede Regeln die Arme für alle offen hält. Es braucht Solidarität mit den tatsächlich Schutzsuchenden – und die Einhaltung von Gesetzen und Vereinbarungen gegenüber denjenigen, die lediglich einen Fluchtgrund vorgeben, welcher aber gleichzeitig nicht international anerkannt ist und auch nicht zu einem Status bei uns führen kann.  Mitmenschlichkeit und Humanität ist nur dann möglich und gegeben, wenn wir uns eingestehen, die endlichen Ressourcen lediglich für die zugänglich zu machen, die tatsächlich verfolgt sind. Auch das Alte Testament geht nicht anders vor: Es erkennt den Unterstützungsbedarf für den Fremden, aber nicht die pauschale Barmherzigkeit gegenüber allen Begehrenden. Ein Vorrangigkeitsprinzip lässt sich auch mit dem Gedanken der Gleichheit des Menschen vereinbaren. Entscheidend bleibt die Bedürftigkeit, nicht die lauteste Stimme.

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