Zum Endspurt des Advents: Wie sollen wir ihn denn nun empfangen?

Gedankenimpuls von Prädikant Dennis Riehle

Es gehört zu den eher unbekannten Adventsliedern, dabei gibt es doch eigentlich die zentrale Frage mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest wieder: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir“? Das von Paul Gerhardt geschriebene Stück findet sich unter anderem im Evangelischen Gesangbuch (EG 11) – und passt für mein Verständnis gut zum Endspurt des Advents. Es richtet den Fokus auf eine wesentliche Auseinandersetzung für Christen: Wenn wir davon überzeugt sind, dass in der Heiligen Nacht in Jesus Gott Mensch wurde und sich der Vater im Himmel dadurch seinen Ebenbildern auf der Erde als sein Sohn offenbarte, wie sollen wir uns dann vorbereiten auf diesen Moment, in dem wir mit der schöpferischen Ursprungskraft und einer nur schwer greifbaren spirituellen Weite konfrontiert werden?

Damit es uns in unserem Verstand zu begreifen möglich ist, kam Christus wie jeder von uns zur Welt. In einer ganz üblichen Geburt, allerdings nicht dort, wo man es normalerweise gewohnt war. Schlussendlich mag es die Fügung gewesen sein, dass sich die Schrift erfüllte. Es kann aber auch lediglich der Umstand gewesen sein, dass die Herberge tatsächlich belegt war. Und so blieb allein der Stall mit einer Krippe übrig. Da hatte man eigentlich die unfassbare Größe von Gott erwartet, die uns erschlägt, doch es ist stattdessen dieses kleine Geschöpf, welches uns anrührt, statt vor Ehrfurcht erstarren lässt. Es wirkt so klein und hilflos. Und doch soll sich in ihm die Unendlichkeit zeigen? Letztendlich bricht es der Allmächtige für uns auf dieses fassbare und doch so zerbrechliche Baby herab, damit wir uns gewahr werden können, wie wir seine Heiligkeit am Weihnachtstag empfangen sollen.

Da geht es nicht darum, dass wir uns schick kleiden oder edles Essen vorbereiten. Auch wenn es die Heiligen drei Könige sind, die mit großen Geschenken kamen: Zunächst waren da die einfachen Hirten, die neben Maria und Josef wachten. Und genau das ist die Antwort: Wir nehmen Gott in Empfang, indem wir uns nicht verbiegen und verändern. Sondern indem wir authentisch sind. Indem wir beten und bitten, dass gerade in diesen Tagen das bisweilen unsichtbare Wirken des Herrn der Welt Frieden und Versöhnung bringen möge. Wir haben es bitter nötig, dass wir uns für einen Moment aus diesem Alltagstrott von Krieg und Krisen herausnehmen und uns wieder auf das Elementare besinnen: Nicht Pomp und Protz, nicht Macht und Gier, nicht Wortgewalt und Lautstärke. Sondern Einfachheit und Bescheidenheit, Brückenbauen und Händereichen, Stille und Andacht. Dass wir wachen Auges nicht die kleinen Dinge übersehen und mit gespitzten Ohren den Jubelgesang der Engelschöre nicht überhören.

Wir sollen Jesus in Empfang nehmen, indem wir uns im Bewusstsein und in Achtsamkeit für einen Augenblick auf das Unspektakuläre fokussieren. Dankbarkeit zeigen für Selbstverständliches, Zufriedenheit mit Gegebenem. Einmal nicht sehnsüchtig Ausschau halten nach dem vermeintlich Besseren. Offenherzigkeit praktizieren gegenüber der in unserer Gesellschaft oftmals fremd gewordenen Armseligkeit. Schlussendlich bereiten wir uns auf Weihnachten vor, wenn wir uns vielleicht an manche Erzählung erinnern, was uns unsere Eltern über uns berichtet haben. Als wir noch nicht so abgeklärt und vermeintlich souverän waren, sondern kindlich naiv – und rundum ehrlich.

Weitere Informationen auf www.dennis-riehle.de.

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