Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „AfD-Bürgerdialog in Charlottenburg: Gibt es Rassismus gegen Weiße?“ (aus: „Berliner Zeitung“ vom 28.03.2026)
Wer dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuhört, der hat es schon mehrmals vernommen. „Black lives matter“, schwarze Leben zählen. Zu uns geschwappt aus den USA, macht sich regelmäßig Empörung breit, dass Sicherheitsbehörden offenbar willkürlich jene schlechter behandeln, die eine dunkle Hautfarbe tragen. In der Spätfolge des Kolonialismus wird uns allen bewusst gemacht, dass wir Schuld haben an der sukzessiven Unterdrückung von Menschen des afrikanischen oder südamerikanischen Kontinents, die anders koloriert geboren wurden als wir. Man könnte sagen, wir tragen eine Erblast in uns, müssen damit klarkommen, in Sippenhaft genommen zu werden für die Verbrechen, die im Namen der Ethnie begangen wurden. Doch während vor allem von linker Seite die Erzählung aufgefrischt wird, wir seien im Zeitalter der Springerstiefel zurück, es werde wieder Jagd gemacht, das „N“-Wort erlebe ein Revival, werfen kritische Beobachter die berechtigte Frage auf, ob es um der Fairness willen nicht auch angemessen scheint, mittlerweile ebenbürtig von einem „Rassismus gegen Weiße“ zu sprechen.
Wer auf Schulhöfe, in Hörsäle und zur U-Bahn blickt, der kennt den „Reverse Racism“…
Natürlich wollen ARD und ZDF von solch einer Prämisse nichts wissen, denn sie würde ein Weltbild ins Wanken bringen, dass die Verantwortung für jedes Übel deshalb stets auf der Seite der Deutschen sieht, weil unsere Geschichte auf einen prägenden, aber nicht die Gänze widerspiegelnden Ausschnitt des Nationalsozialismus reduziert wird. Die AfD-Fraktion in Charlottenburg-Wilmersdorf hat in einem Bürgerdialog den Finger in die Wunde gelegt. Denn sie thematisierte genau das, was sonst verschwiegen wird. Eingeladen hatte sie sich den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Umstritten, weil ihm immer wieder eine sarkastisch-ironische Selbstzuschreibung aus der Vergangenheit in den Mund gelegt wird, ganze Rufmordkampagnen gewisser Medien ein Bild über ihn zeichnen, das jenem eines fundamentalen Fremdenhassers gleichkommt. Die Kollegen der „Ostdeutschen Allgemeinen“ griffen den Termin auf, um völlig an der Sache vorbei zu schreiben. Im Unterricht hätte man dem Aufsatz die Note „mangelhaft“ erteilt, denn er windet sich um die eigentlich notwendige Auseinandersetzung.
Da arbeitet man sich an einem Mandatar ab, statt die Frage zu stellen, wie wahrhaftig die Behauptung sei, dass der Mitteleuropäer im 21. Jahrhundert in seinen Gefilden Diskriminierung erlebt, allein auf Grundlage seiner Herkunft. Seitdem uns die Pflicht zu Vielfalt und Toleranz um die Ohren gehauen wird, da verläuft kaum noch eine Debatte faktenbasiert, sondern ideologisch indoktriniert. Auch im vorliegenden Fall erweist sich der gesamte Text als peinliches Lavieren um die Tatsache. Weil die Wissenschaft definiert, dass Rassismus ein Zusammenspiel aus Vorurteil und Macht ist, argumentieren sogenannte Experten, es könne dieses Phänomen in einer Gesellschaft von überproportionalen „Weißen“ nur in eine Richtung geben. Dabei sind die Beispiele von Beleidigung und Abwertung aufgrund farbloser Wurzeln ellenlang. In urbanen Gebieten wie Neukölln oder Dortmund vernimmt man Begrifflichkeiten wie „Kartoffel“ oder „Köterrasse“ mittlerweile täglich. Weil sie situativ statt systematisch Anwendung finden, gelten sie bei vermeintlich Sachverständigen als Schicksal.
Wer heutzutage gegen Weiße agitiert, erhält aus politisch linken Lagern lautstarken Applaus!
Da wird kein strukturelles Problem gesehen, sondern relativiert und verharmlost. Als Grünen-Jugend-Bundessprecherin Sarah-Lee Heinrich 2021 von einer „eklig weißen Mehrheitsgesellschaft“ sprach, darüber hinaus forderte, „alle weißen Menschen aus Afrika raus[zu]kehren“, wurde sie von prominenten Politikern verteidigt. Aber nein, natürlich stellt diese Haltung nur eine Einzelmeinung dar, solange man sich nicht in Schulen und Kitas umhört, die von Kindern mit Migrationshintergrund dominiert werden. Mobbing und Ausgrenzung sind dort keine Seltenheit, sondern die Regel. Da drohen Prügel, weil man der einzige „Scheißdeutsche“ in der Klasse ist. Die Opfer dieser Angriffe schweigen nicht selten aus den gleichen Gründen wie die Verantwortlichen in einem Berliner Jugendzentrum. Dort kam es zur Gruppenvergewaltigung durch Migranten. Von einer Weitergabe der Information an die Behörden sah man ab, weil man keine Ressentiments schüren wollte. Wer traut sich im Angesicht dieser Schandmale, weiterhin ohne Skrupel davon zu reden, die Menschen würde sei universell und unantastbar?
Die Schweigespirale eines naiven Pluralismus, die Tabuisierung durch das Gutmenschentum, die woke Rücksichtnahme aus politischer Korrektheit, all diese Befunde sind Ergebnis von blinder Unterwerfung und einer entglittenen Erinnerungskultur. Ob bei der Bewerbung im Job, bei der Suche nach einer Wohnung oder bei der Auswahl einer neuen Schule berichten die „Unpigmentierten“ dieser Republik, dass sie immer häufiger im Nachteil sind. Obwohl alle vor dem Gesetz als gleich gelten, machen Quoten die Runde. Hinter vorgehaltener Hand wird die Terminvergabe beim Arzt zu einer Sache des Kulturkreises. Der Ramadan wird angestrahlt, beim Christbaum gehen die Lichter aus. Im Supermarkt, in der U-Bahn oder im Hörsaal betreffen Schmähung und Demütigung immer häufiger die „Richtigen“, denn sie hätten es verdient, aufgrund der Historie. In gewissen Vierteln im Ruhrgebiet, der Hauptstadt oder der Rhein-Main-Region werden Konflikte vom Zaun gebrochen, wenn der „Alman“ aufmuckt. Die Ghettoisierung der Einheimischen führt zu latentem Unmut. So sollte nicht verwundern, dass die AfD Rekorde bricht.








