Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „‚Unvereinbarkeit mit den Grundprinzipien‘: TSG Hoffenheim will AfD-Mitglied ausschließen“ (aus: „Apollo News“ vom 26.07.2025)
Wenn ich in diesen Tagen auf manche Schlagzeilen aus unserem Land blicke, dann kommen mir Worte meiner Großmutter in Erinnerung, die sich selbst Dekaden nach Ende des Zweiten Weltkriegs einigermaßen selbstkritisch, gezeichnet und erschüttert darüber zeigte, wie rasant und reflexartig im Dritten Reich die Welle der kollektiven Bereitschaft zur Ausgrenzung und Separierung von Andersdenkenden voranschritt. Ihre Brandmarkung und Etikettierung fiel derart leicht, dass die Zeitzeugen von damals ohne Unterlass warnten, man möge nicht noch einmal so leichtfertigt in eine Mentalität des Anprangerns, des Beschuldigens oder des Verfolgens von Menschen verfallen. Und dann höre ich im Jahr 2025, wie wir Bürger aus Sportvereinen ausschließen, von Dorffesten ausladen, ihnen die Bankkonten kündigen, sie in Geschäften und Restaurants zu ungebetenen Gäste deklarieren, sie bei ihrem Arbeitgeber anschwärzen, ihre Wohnadresse öffentlich machen, sie auf der Straße beschimpfen, ihre Familien bedrohen, sie von politischen Ämtern fernhalten oder ihnen eine anrüchige Gesinnung unterstellen, weil sie die AfD wählen – und sich nach einer strikten Richtungsänderung in unserer Gesellschaft sehnen, die nichts damit zu tun hat, rassistische oder gewaltverherrlichende Überzeugungen in sich zu tragen, sondern mancher Realität vernunftorientiert zu begegnen. Doch wo kognitive Schwingungsfähigkeit auf assoziativen Zement trifft, muss es zwangsläufig krachen.
Jede Sachdebatte wird mit Totschlagargumenten und Superlativen verunmöglicht!
Wo sind wir also hingelangt, verweigern wir sogar das Gespräch mit unserem Nächsten, weil die politische Meinung des Gegenübers dem eigenen Weltbild diametral widerspricht? Was erlauben sich „Omas gegen Rechts“, „Correctiv“ oder ein „Zentrum für politische Schönheit“, mit plumpem Vokabular, schnöder Verunglimpfung oder infantiler Hetze rund um „Nazis“ und „Faschisten“ für Demagogie und Agitation zu sorgen, weil man offenbar inhaltlich wie argumentativ einigermaßen blank ist? Wieso gelingt es kaum noch, für die Unzufriedenheit der Mehrheit Verständnis aufzubringen, die angesichts gleich mehrerer Tabubrüche der Verantwortlichen in Berlin bei Rationalität und Sorge um die Zukunft eine logische Antwort darauf sein sollte, dass Folgeschäden des „Wir schaffen das“ nunmehr blutend und verletzt in unseren Fußgängerzonen und den nächtlichen Parks auf dem Boden liegen? Natürlich kann man das Bild einer heilen Welt zaubern, um sich unter dem bunten Regenbogen zu versammeln, während alles Blaue zum Schandmal illustriert und die Opposition für vogelfrei erklärt wird. Doch war es nicht gerade die Verzerrung der Wirklichkeit, welche unsere Vorfahren hineingleiten ließ in eine subtile Doktrin, wahllos Sündenböcke zu erfinden, statt sich eines Scheiterns bewusst zu werden, aus dem man lernt und es als Chance für Umkehr oder Reifung nutzt, aber nicht die Schuld auf völlig Unbeteiligte, Reformbefürworter oder Weitsichtige projiziert?
Pranger und Hetze sind Instrumente des Warmhaltens von Ideologie und Stupidität!
Wenn man im Nachgang an die momentane Epoche kritisch zurückblickt, so werden nicht nur Wunden heilen müssen, weil ganze Krater davon zeugen, wie wir uns auseinanderdividiert haben. Schon während Corona sind wir dazu übergegangen, Lager zwischen Richtig und Falsch, zwischen Gut und Böse, zwischen Angepassten und Aufrühren zu bilden, um uns damit auf der korrekten Seite der Geschichte zu wähnen, die es allerdings dann nicht geben wird, manövriert sich eine Gemeinschaft an den existenziellen Abgrund, bevor sie die Möglichkeit hat, wenigstens um eine nahezu aussichtslose Versöhnung zu bitten. Wie primitiv und verschroben muss es sein, neben der eigenen Sicht keine anderen Perspektiven zuzulassen, würde die Konfrontation mit dem Gegenteil manch festgefahrene Ideologie irritieren? Fixe Geisteshaltungen sind auch das Fundament für eine Agenda, mit der im Augenblick vor allem Grüne und Sozialisten geradewegs durch die Wand wollen, koste es im Zweifel nicht nur ein Vermögen an Steuergeldern, sondern unsere gesamte Identität, Kultur und Orientierung. Wer die Hybris jener jetzt nicht stoppt, die für ihre Theorie eines Multikulturalismus, von Geschlechterlosigkeit, Ökotransformation, Globalismus, Vielfalt oder Bequemlichkeit normative wie sittliche Absolutheit beanspruchen, muss im Zweifel dabei zusehen, wie Spaltung und Verrohung neuerlich in ein hoch gefährliches wie schnell brennbares Extreme wachsen.