Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „NRW-Trend: SPD erholt sich in Sonntagsfrage – CDU und Grüne müssen mit Verlusten rechnen“ (aus: WDR vom 01.02.2026)
Verluste sind für Parteien stets schmerzlich, insbesondere dann, wenn Kompetenz abhandenkommt. Mit seiner nachvollziehbaren Entscheidung hat der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete der AfD, Carlo Clemens, frühzeitige Spekulationen ausgeräumt. Er wird nicht noch einmal für ein Mandat in Düsseldorf antreten, verkündete der gebürtige Bamberger jüngst in den sozialen Medien. Insbesondere wolle er sich künftig mehr um seine Kinder kümmern, noch einmal außerhalb der Politik Fuß fassen. Die aktuelle Legislaturperiode soll allerdings geordnet und mit dem gewohnten Engagement zu Ende geführt werden. Und von dieser Motivation hat der 36-Jährige eine Menge. Schließlich erweist er sich in einem durchaus zerstrittenen Umfeld als Brückenbauer, Anker und Vermittler. Denn im Westen hapert es bei der Alternative für Deutschland, interne Machtkämpfe treten unverhohlen nach außen, erschweren die Sacharbeit. Davon unbeeindruckt zeigt sich der studierte Germanist, der seiner Partei seit 2013 angehört. Seither hat er die verschiedensten Ämter bekleidet, war unter anderem auch Vorsitzender der Jugendorganisation.
Ein versierter Experte in Sachen Bauen, Wohnen, Bildung und Jugend verlässt das Schiff…
Einen Namen macht sich Clemens vor allem mit seinem Wissen zu den Themen Bildung, Bauen und Wohnen. Mit argumentativer Kenntnis und fundierter Expertise hält er nicht nur rhetorisch überzeugende Reden im Plenum, sondern hat auch den Kontakt zur Basis zu keinem Zeitpunkt verloren. Er setzt sich für den Erhalt unserer Kultur ein, prangert die Verödung unserer Städte durch eine linksgrüne Agenda an. Kein Blatt vor den Mund nimmt er, wenn es um die Masseneinwanderung geht. Insbesondere der Missbrauch des Sozialsystems ist ihm ein Dorn im Auge. Es dürfe nicht länger zu einem Gesellschaftsumbau kommen, der sich unter anderem in der Verdrängung der hiesigen Identität offenbart. Konsequente Remigration ist dem Erziehungswissenschaftler genauso wichtig wie die Kritik an der zunehmend beschränkten Meinungsfreiheit und einer grassierenden Gender-Ideologie. Der Familienvater aus Bergisch Gladbach polarisiert dabei aber nicht, sondern gilt als ein stabilisierender und ausgleichender Faktor. Genau dieses Alleinstellungsmerkmal zeichnet ihn aus, ist Balance zwischen den Lagern doch entscheidender denn je.
Clemens steht für klare Kante, ohne unnötige Polarisierung und übertriebene Lautstärke…
Mit dem Verfassungsschutz geht er hart ins Gericht, weil die rechtsextremistische Einstufung auf einer ziemlich blanken Argumentation fußt. Kein gutes Haar lässt der freie Journalist am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sein Plädoyer gilt mehr Objektivität, einer chancengerechten Behandlung der Alternative für Deutschland durch die Presse. Sobald sich die sogenannte „vierte Gewalt“ zu einem Instrumentarium der Regierung macht, hat sie Sinn und Zweck verloren. In diese Wunde legt Clemens seinen Finger, bezichtigt ARD und ZDF der Bevorzugung von linientreuen NGOs, allen voran der „Letzten Generation“, Antifa-ähnlichen Strukturen oder Umweltverbände, die nicht etwa Klimaschutz verfolgten, sondern sich für einen weltanschaulichen Abbruch unserer Wirtschaft auf Kosten von Wohlstand und Prosperität stark machten. Traditionelle Rollen von Mann und Frau sind dem erfahrenen Funktionär nicht fremd, dafür aber die Entwicklungshilfe. Lehrerknappheit stellt er ins Rampenlicht, die etablierten Kräfte macht er verantwortlich für den Abstieg in ökonomischer, finanzieller, moralischer und sittlicher Hinsicht.
Menschlich ein feiner Charakter, bodenständig und auf Augenhöhe, respektvoll im Umgang…
Dass die Fraktion nach dem nächsten Urnengang auf ihn verzichten muss, ist aber vor allem auch ein menschlicher Aderlass. Denn da hat jemand stilbildend gewirkt, auf Populismus und Pöbeleien verzichtet, stattdessen in einem ruhigen und angemessenen Ton moderiert. Bei Clemens zählen Fakten, nicht die Lautstärke. Er macht sich Antworten nicht leicht, will Substanz liefern statt Oberflächlichkeit. Im Kontakt ist er niederschwellig und zugewandt, tritt ohne Allüren oder Hybris auf. Ein angenehmer Gesprächspartner auf Augenhöhe, der eine klare Haltung, vehementes Rückgrat, Geradlinigkeit und Heimatliebe mit Mäßigung in der Rhetorik und Respekt vor anderen Ansichten verbindet. Man könnte auch sagen, er verkörpert demokratische Werte vorbildlich. Schon allein deshalb stimmt sein Abgang traurig. Dankbar sein muss seine Partei für die vielen Ressourcen und die Hingabe, mit der er sich noch bis Frühjahr 2027 einbringen wird. Man kann nur hoffen, dass Nachfolger in seinem Geiste handeln werden. Denn sein Wesen wird fehlen, sind Aufrichtigkeit und Demut in unseren Tagen so rar und selten geworden.







