Die künstlich generierte Scheinwelt auf dem Mainzer Lerchenberg: Wenn die Wahrheit nicht passt, werden Bilder passend gemacht…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „ZDF verwendete KI-Bilder in ‚Heute Journal‘-Sendung – Sender entschuldigt sich live bei Zuschauern“ (aus: WELT vom 17.02.2026)

Wer hätte noch vor ein paar Jahrzehnten gedacht, dass es einmal das ehrenwerte „heute journal“ sein würde, welches unter Journalisten zum Paradebeispiel dafür wird, wie man seinen Beruf nicht ausübt. Ehemalige Moderatoren und Sprecher dürften sich wohl im Grab umdrehen, müssten sie miterleben, wie eine Redaktion um Dunja Hayali die spätabendliche Nachrichtensendung für ihre ideologischen Zwecke missbraucht. Mittlerweile reiht sich ein Skandal an den nächsten, da ist die jüngste Entgleisung nur eine Unglaublichkeit von vielen. Ungekennzeichnete KI-Sequenzen, aus dem Kontext gerissenes Dokumentationsmaterial der Vergangenheit, eine auseinanderklaffende Bild-Ton-Schere, die schlichte Unwahrheit aus dem Off. Um die Meinung der Zuschauer zu manipulieren, scheint im Augenblick jedes Mittel recht. Weil man die Wirklichkeit mit echten Grafiken und Videos offenbar kaum mehr abbilden kann, greift man auf künstlich hergestellte Inhalte zurück. Da wird eine Gegenöffentlichkeit geschaffen, weil die Realität jene Sensation und Schlagzeile nicht länger hergibt, welche man für die Verbreitung von Demagogie, Polarisierung, Hass und Propaganda so sehr bräuchte.

Dunja Hayali sucht nach Kompensation für ihre Unzufriedenheit mit der Realität…

Da war es also die Verächtlichmachung der Sondereinheit ICE in den Vereinigten Staaten, ein Frontalangriff auf Donald Trump, den die 51-Jährige regelmäßig auf dem Kieker hat, welche Empörung hervorrief. Ohnehin ist das Zweite Deutsche Fernsehen mit größtmöglichem Argwohn gegenüber dem US-Präsidenten gesegnet. Elmar Theveßen verbreitete Lügen über den getöteten Unterstützer Charlie Kirk. Hayali selbst hatte ihn als rassistisch, frauenfeindlich und rechtsextrem gebrandmarkt. Die in Datteln geborene Ex-Studentin der Sporthochschule in Köln thematisiert lediglich die Angst vor Migranten, nicht aber die Sorge der Deutschen vor einer wachsenden Kriminalität überrepräsentierter Ausländer. Aus einer Parallelisierung zwischen AfD und Neonazismus macht sie keinen Hehl. Sie unterstützt Flüchtlinge einigermaßen blindlings, will ihnen ein Gesicht geben, mutiert zur glühenden Verfechterin der Genfer Konvention. Weltoffenheit ist ihr Credo, es sei denn, sie kritisiert Willkür und Beliebigkeit in Regimen, die demokratisch deutlich besser aufgestellt sind als die Bundesrepublik. Maß und Mitte sind verloren gegangen, da gibt es keinen Anspruch auf Ausgewogenheit mehr.

Die Mentalität in der „heute“-Redaktion tangiert die Grundfeste des Journalismus…

Wer einen Blick in die Programmgrundsätze des Senders wirft, der findet dort die Regularien des publizistischen Schaffens wiedergegeben. Doch sie sind wie Schall und Rauch, auf Papier geschrieben, als Theorie. Die Verantwortlichen halten sie nur noch partiell ein. Man hofft stattdessen, sich im Zweifel mit einer Entschuldigung und Richtigstellung aus der Affäre ziehen zu können. Auf dem Mainzer Lerchenberg weiß Intendant Himmler genau, welche Macht die Medien haben. Schon in den früheren Diktaturen galten sie als Waffe der Autokraten, sollten Sichtweisen transportieren, die der Opposition und Andersdenkenden schaden. Eine ganz eigene Definition von Glaubwürdigkeit und Authentizität war erwirkt worden. Und auch jetzt haben sich Ideale und Tugenden umgekehrt. Objektive und unabhängige Informationen will man bereitstellen, geliefert bekommt der Konsument allerdings einen selektiven Ausschnitt des Geschehens rund um den Globus. Was nicht passt, wird passend gemacht. Ob nun mit Hilfe moderner Technik, durch eine einseitige Themenauswahl, erlesene Gesprächspartner, Wertung wie Kommentierung inmitten von Meldung und Bericht.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist mittlerweile so verdorben, dass nur der Abriss hilft…

Normalerweise soll Transparenz herrschen, mittlerweile kann man sich nicht mehr sicher sein, was nun original ist, was gefälscht. Die interne Erwartungshaltung ist unter die Nulllinie gesunken, in Sachen Integrität hat man sich ausverkauft. Wer Qualität auf Ramschniveau anbietet, darf sich nicht wundern, wenn die Rufe nach einer Abschaffung der Zwangsgebühren immer lauter werden. Und normalerweise müssten die Forderungen sehr viel weiter gehen. Der ÖRR ist zu einem unreformierbaren Konstrukt geworden, abgenutzt, eingefahren, verkrustet. Abgeschottet vom Alltag, im elitären Elfenbeinturm zurückgezogen, arrogant bis schmallippig, je nach Situation. Man ist sich seiner Sache so sicher, weil die bisherige Politik die Stange hält. Denn die Winde werden erst drehen, wenn sich Koalitionen finden, die einen Staatsfunk für obsolet erachten. Das System aus Suggestion, Lobbyismus, Verhetzung und Winkelzügen ist völlig aus den Fugen geraten. In einer von Anstand getragenen Gesellschaft hätte man jene zum Teufel gejagt, die der Irreführung frönen. Doch weil sich manch bequemer Bürger lieber berieseln als konfrontieren lässt, bleibt alles beim Alten.