Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Gebäudeenergiegesetz: Koalition will neues Heizungsgesetz diese Woche vorstellen“ (aus: ZEIT Online vom 23.02.2026)
Selten hat ein Vorhaben der Regierung so viel Widerstand hervorgerufen wie das sogenannte Heizungsgesetz. Noch von der Ampel-Koalition beschlossen, sicherte Schwarz-Rot zu, es möglicherweise gänzlich abzuschaffen, mindestens aber grundlegend zu reformieren. Nunmehr wird vermeldet, dass sich CDU, CSU und SPD einig sind. Wesentlicher Aspekt der Neuerung ist ein Aufweichen des 65-Prozent-Ziels. Somit müssen künftig neu eingebaute Systeme nicht mehr zwingend zu fast zwei Dritteln mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Bei Privatleuten ist damit der faktische Zwang zur Wärmepumpe hinfällig. Stattdessen soll die Technologieoffenheit stärker in den Mittelpunkt rücken. Individuelle Pflichten sollen zugunsten einer „Grüngasquote“ der Vergangenheit angehören. Die Versorger müssen schrittweise Biomethan oder Wasserstoff beifügen, ohne, dass der einzelne Hausbesitzer auf ein bestimmtes Verfahren fixiert wird. So schön, so viele Risiken und Nebenwirkungen.
Die einzig positive Nachricht: Die 65-Prozent-Pflicht bei neuen Heizungen fällt offenbar…
Um das Image und Vertrauen wiederherzustellen, rangiert das Vorhaben fortan unter dem Etikett des „Gebäudemodernisierungsgesetzes“. Man könnte nun mutmaßen, es wird wiederum nur am Namen gedoktert. Doch im Gegensatz zum Bürgergeld scheinen dieses Mal die inhaltlichen Veränderungen substanziell zu sein. Es wird von einer gesichtswahrenden Lösung für alle Seiten gesprochen. Man möchte nicht mehr übergriffig daherkommen, der Eindruck hatte massiven Schaden angerichtet, wonach der Staat bis in die Heizungskeller der Menschen vordringen wolle. Insgesamt will man die Paragrafen einfacher, flexibler und ergebnisoffener gestalten. Die Verantwortung wird auf Betreiber und Dienstleister umgewälzt, nicht mehr der Endverbraucher steht unter dem Druck, sich den Kopf über gangbare Wege zu zerbrechen. Bei der Förderung will man eine soziale Staffelung einführen, sie gezielter ausschütten, insgesamt soll der Fokus auf Planbarkeit und Bezahlbarkeit der Transformation liegen.
Das Heizungsgesetz hat sich in die Köpfe eingegraben, das Misstrauen wird bleiben…
Unklar ist noch, ob das Betriebsverbot für über 30-jährige Heizungen abgeschafft wird. In der parlamentarischen Beratung dürfte sicherlich auch eine bessere Verzahnung zwischen kommunaler Wärmeplanung und dem nun aufgelegten Gaspaket eine Rolle spielen. Anfang März wird es demnach einen Kabinettsbeschluss geben, sodass dem Bundestag ein erster Gesetzentwurf vorgelegt werden kann. Die stärkere Wahlfreiheit dürfte massiv entlasten, teure Sofort-Umrüstungen hatten Ängste und Sorgen ausgelöst. Wieder einmal hat sich grüne Planwirtschaft vom Reißbrett als untauglich für die Praxis erwiesen. Bevormundung und Regulierung haben dem Ansehen der Mächtigen stets geschadet, denn der Souverän lässt sich nur ungern bis ins letzte Detail kontrollieren. Die Herausforderung wird nun darin liegen, die Abmilderung transparent, authentisch und nachhaltig in die Köpfe der Menschen zu transportieren. Denn wo erst einmal ein Horrorszenario geschaffen wurde, bleiben Missmut, Skepsis und Zweifel.
Die Knappheit von Biogas wird die Kosten steigern – und die Preise für alle erhöhen…
Man muss letztlich attestieren, dass der ehemalige Minister Habeck seinem Kernanliegen einen Bärendienst erwiesen hat. Schließlich manövrierte er Ökonomie und Haushalte in eine Sackgasse. Der Rückwärtsgang gestaltet sich schwierig. Immerhin bestehen zahlreiche Unwägbarkeiten. Stadtwerke und andere Verteilstationen könnten hohe Strafzahlungen erwarten, kommen sie ihrer Aufgabe zur Beimengung von ohnehin begrenzt zur Verfügung stehenden Erdgasalternativen nicht fristgerecht nach. Die Branche befürchtet Mehrkosten bis 2030 von 7,7 Milliarden Euro. Diese Summe dürfte als Preissteigerung weitergereicht werden. Für eine Durchschnittsfamilie werden 40 bis 254 Euro pro Jahr an Aufschlag erwartet. Die Netze müssen „H2-Ready“ tauglich sein, Umbauten werden also an vielen Stellen zum Alltag gehören. Im Zweifel fallen hohe Investitionen an, entscheidet man sich doch für einen Umstieg auf Pellet oder Fernwärme. Und wie das Handwerk all die Aufgaben stemmen soll, ist ungewiss.








