Noch eine Schippe drauf: Die Anschuldigungen gegen den niedersächsischen AfD-Vorsitz übertreffen ein „Geschmäckle“ bei weitem…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „AfD-Abgeordnete rausgeschmissen: Schledde-Affäre weitet sich aus“ (aus: NDR vom 27.02.2026)

Die Vorwürfe wiegen schwer, doch sie sind nicht völlig neu. Auf den Landesvorstand der Alternative für Deutschland in Niedersachsen brechen derzeit gravierende Unterstellungen herein, die sich fast täglich weiter substantiieren. Im Mittelpunkt steht Führungsfigur Ansgar Schledde. Seit langem wird in internen Chatgruppen über seine mutmaßlichen Verfehlungen diskutiert, immer weitere Details dringen nach außen. Da scheint sich ein immenser Machtzirkel etabliert zu haben, der mit Vehemenz für Angst und Schrecken sorgen soll, im Zweifel auch nicht vor später wieder einkassierten Ausschlussverfahren Halt macht, um seine Vormachtstellung zu sichern. Es geht nicht zuletzt um Vetternwirtschaft und Veruntreuung von Steuergeldern. Denn Zeugenaussagen sollen belegen, dass Bundestagsmitglieder dazu gedrängt wurden, 35 Prozent des Mitarbeiterbudgets, also öffentlich zur Verfügung gestellte Mittel, für die Parteiarbeit vor Ort aufzuwenden. Sollte diese Praxis gängig gewesen sein, würde sie gegen Gesetze verstoßen. Denn eine solche Zweckentfremdung zu Lasten der Allgemeinheit wird hart bestraft.

Es fällt dem Betrachter schwer, zu glauben, dass die Vorwürfe gänzlich frei erfunden sind…

Eine Gegenleistung für die betroffenen Mandatare wurde in Aussicht gestellt, beispielsweise eine interne Karriere und die Bevorzugung bei Listenplätzen. Natürlich gilt auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung in sämtliche Richtungen, dennoch zeichnet sich ein ziemlich konstantes Bild ab, das von gleich mehreren Seiten gestützt wird. Die Europaparlamentarierin Anja Arndt hatte einen Brandbrief an Alice Weidel geschickt, den dortigen Inhalten schloss sich Kollegin Martina Uhr weitgehend an. Betroffen seien rund 13 Personen, was einem Umfang von rund 1,5 Millionen Euro im Jahr entspricht. Im Rahmen einer aufgebauten Parallelstruktur soll zudem strikt die innerparteiliche Demokratie umgangen worden sein. Es wird  gar von „mafiösen“ Zuständen gesprochen. Ein Kartell der Elite an der Spitze in Hannover, ein Netzwerk, welches Loyalität durch Abhängigkeit erzwungen habe. Schleddes Ehepartnerin selbst soll bei Danny Meiners in Berlin angestellt sein, seine Ex-Frau in der Landtagsfraktion. Hinter vorgehaltener Hand wird von einer Manier nach dem Modell „Family & Friends“ gesprochen.

Während die Beschuldigten pauschal dementieren, sind die Zeugen auffallend konsistent…

Die Bezichtigten sprechen von Rufmord und Verleumdungen. Gleichzeitig wurde auf Bundesebene eine Krisensitzung einberufen. Die Vorgänge will man durch eine Prüfkommission untersuchen lassen. Es sollen eidesstattliche Versicherungen vorliegen, wonach die Darstellungen frei erfunden sind. Hier steht also Aussage gegen Aussage. Und natürlich muss man stets einkalkulieren, welche Emotionen mitspielen. Waren noch Rechnungen offen, gibt es Rachegelüste? Hat sich tatsächlich eine kleine Gruppe „Frustrierter“ zu einer „bösartigen und verlogenen“ Kampagne aufgeschwungen? Wollte man lediglich Aufmerksamkeit erzielen? Welche Motivation steckt dahinter, derart publikumswirksam nach außen zu treten? Gerichtlich bestätigt ist bislang nichts, allerdings reihen sich die Nachrichten ein in Überkreuz-Anstellungen von Verwandten in gleich mehreren Bundesländern. Die Günstlingswirtschaft mag dort allein moralisch von Belang sein, inwieweit dies auch im Nordwesten der Fall ist, wird gegebenenfalls Juristen beschäftigen. Doch es zeichnet sich eine Indizienkette ab.

Es läuft bereits ein anhängiges Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts dubioser Kassen…

Was im Augenblick für das dargebotene Narrativ spricht, das sind vor allem deckungsgleiche Schilderungen, die im Kern weder widersprüchlich noch unglaubwürdig erscheinen. Es wurden dieselben Namen und übereinstimmende Mechanismen genannt, die weit über wage Gerüchte hinausgehen. Stattdessen liegen detaillierte Berichte vor, die im Kern durchaus von Fakten getragen werden, was beispielsweise die Beschäftigung von Familienmitgliedern angeht. Dass man reflexartig mit Konsequenzen droht, die Kritiker mundtot machen möchte, lässt die unter Druck Geratenen nicht unbedingt authentischer dastehen. Pauschale Dementis zeugen weder von argumentativer Gegenrede noch dem Bewusstsein, für Aufklärung und Transparenz sorgen zu wollen. Entsprechend wird es durchaus eng für die Verantwortlichen, für das Umfeld und Schledde persönlich. Immerhin ist er kein unbeschriebenes Blatt. 2024 kam es wegen möglicher „schwarzer Kassen“ zu einer Razzia in der Geschäftsstelle, die Ermittlungen wegen nicht korrekt abgerechneter Spenden dauern nach derzeitigem Stand an.