Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Krieg in Nahost: Donald Trump kündigt Ausweitung der US-Angriffe gegen den Iran an“ (aus: „ZEIT Online“ vom 07.03.2026)
Da kommen Erinnerungen hoch: In diesen Tagen bangt Europa um die weiteren Entwicklungen in Iran. Nicht nur die militärische Eskalation ist von Bedeutung, sondern auch die Frage, wie sich die Menschen vor Ort in der Folge des Angriffs durch Israel und die USA verhalten werden. Prognosen schließen nicht gänzlich aus, dass sich neue Massenbewegungen in Richtung unseres Kontinents ausbilden. Abhängig von der Dauer und dem Ausgang der Intervention könnte ein Bürgerkrieg drohen, der stets enorme Risiken dafür bietet, dass sich ganze Gesellschaftsteile ins Ausland absetzen. Momentan berichten Beobachter von lediglich inländischen Fluchtbewegungen. Etwa 100.000 Einwohner sollen Teheran verlassen haben und in andere Regionen übergesiedelt sein. Ein großflächiger Andrang finde laut Auskunft der EU aber bislang nicht statt, auch habe es noch keinen signifikanten Anstieg von Asylanträgen gegeben. Das größere Potenzial, ungeahnte Ausmaße an Mobilisierung zu verursachen, liegt insbesondere im Umstand begriffen, dass das Land schon jetzt den zweitgrößten Gastgeber für Afghanen darstellt.
Die Frage ist nicht, ob der Exodus aus Iran kommt, sondern wie groß er am Ende sein wird…
Sollte für sie die Lage prekär werden, weil sich das Gefüge destabilisiert, sie im Chaos unterzugehen drohen, wird nicht ausgeschlossen, dass die Mehrheit in Richtung der Bundesrepublik aufbricht. Ein solches Drehbuch könnte ähnliche Bilder auslösen wie 2015. Historische Parallelen zum Einmarsch Amerikas in den Irak oder den blutigen Auseinandersetzungen in Syrien ab 2011 sind durchaus erkennbar. Damals strömten Migranten über die Türkei und den Balkan zu uns, veranlassten Merkel zur Grenzöffnung, erzwangen einen beispiellosen Tabubruch der Aufgabe von Souveränität und Integrität unseres Territoriums. Letztlich werden zahlreiche Faktoren den Ausschlag geben, ob sich die Geschichte wiederholt. Wie weit wird der wirtschaftliche Kollaps gehen, wie viele junge Menschen sehen keine Zukunft in ihrer Heimat? Kommt es zu grassierender Inflation, zu neuen Unterdrückungen durch ein noch autoritäreres Regime? Erfahrungsgemäß ist ab einer Dauer von drei Monaten unklarer Verhältnisse damit zu rechnen, dass Nervosität und Unmut in der Bevölkerung steigen. Dann wäre ein Exodus nicht mehr ausgeschlossen.
Deutschland muss beweisen, ob es aus den Erfahrungen von 2015 wirklich gelernt hat…
275.400 interne Vertriebene wurden bislang verzeichnet, laut UNHCR gilt vorläufig noch das Credo: „There was no major movement of Iranians fleeing Iran into any neighbouring countries“. Allerdings haben sich an den Grenzübergängen im Nordwesten erste Staus gebildet, beiderseitig wurde versucht, den Übertritt auf Ankaras Boden zu unterbinden. Erste Notfallpläne existieren, um Flüchtlingslager zu errichten. Der Mechanismus ist nicht aktiviert, aber in Warteposition. Ist man in Berlin und Brüssel auf alle Eventualitäten vorbereitet? Oder steht man genauso hilflos da wie vor gut zehn Jahren? Es bräuchte eine Mischung aus rechtlichen, operativen und diplomatischen Maßnahmen, um einer ausufernden Situation Herr zu werden. Zwar greift ab Mitte 2026 das neue europäische Asyl- und Verteilsystem, doch seine Strukturen sind längst nicht etabliert. Es bedarf eines konsequenten Monitorings, im Falle spürbarer Veränderungen rasche Registrierungen, umfassende Zurückweisungen durch „Frontex“ und Patrouillen. Das mag inhumanitäre und gewaltsame Szenerien hervorrufen, doch sie wären unvermeidbar.
Es dürfte zu unschönen Szenen an unseren Grenzen kommen, aber sie sind notwendig!
Griechenland hat bereits angekündigt, konsequent prüfen zu wollen, weil iranische Anträge in der Vergangenheit schon häufiger aufgrund von Sicherheitsbedenken abgelehnt wurden. Wahrscheinlich würden Finanzhilfen über den Bosporus nötig, damit Erdogan hilft, das Schlimmste zu vermeiden. Durch Verhandlungen könnten unmittelbare Nachbarn der derzeit noch vorherrschenden Mullahs animiert werden, ganze Völkerwanderungen zu kompensieren. Bevor NGOs wiederum über Menschenrechtsverletzungen klagen, müssen sich die Verantwortlichen darüber einig werden, ob wir uns erneut überrennen lassen wollen. Oder inwieweit wir auch dazu bereit wären, manche Rigorosität hinzunehmen. Besorgnis allein reicht nicht, es braucht Entschlossenheit zur Härte. Denn wieder einmal droht ein Krieg zum Vorwand dafür zu werden, sich in eine heile Welt aufzumachen. Nur dann, wenn politische, ethnische oder persönliche Verfolgung gegeben ist, die nachgewiesen werden kann, nicht abstrakt daherkommt, sondern unmittelbar und direkt spürbar war, greift das Recht auf Obdach, Versorgung und Unterbringung. Hieran darf es keine Abstriche geben, auch nicht aus Mitleid oder Sympathie für die Revolution.









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