Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Sitzt im AfD-Kreisvorstand Konstanz ein Mitglied der rechtsextremen Identitären Bewegung?“ (aus: SWR vom 13.01.2026)
In Wahlkampfzeiten ist jede Partei darauf bedacht, mögliche Skandale und Affären von sich fernzuhalten. Doch was ist mit jenen Schlagzeilen, die von der Presse bewusst provoziert werden, um beispielsweise der AfD in Baden-Württemberg auf den letzten Metern zum 8. März 2026 zu schaden? Der SWR hat aktuell einen Beitrag über den Beisitzer im Kreisvorstand Konstanz, Dominik Böhler, veröffentlicht. Darin wird ihm bescheinigt, aktuell oder in der Vergangenheit führende Funktionen in der sogenannten Identitären Bewegung übernommen zu haben. Selbige steht auf der Unvereinbarkeitsliste, welche sich die Alternative für Deutschland auferlegt hat. Allerdings stammt der Beschluss aus dem Jahr 2016, ist seither nicht auf seine Sinnhaftigkeit überprüft worden. Seit langem gibt es zahlreiche Berichte über personelle Überschneidungen, verschiedene Funktionäre weisen Verbindungen zu einer Gruppierung auf, deren Mitglieder man, nüchtern betrachtet, als Aktivisten für den Patriotismus auffassen könnte. Sie agieren nicht aus Hass, wie beispielsweise die Antifa. Sondern in der Liebe für ihre Heimat.
Remigration fordern, aber die Identitäre Bewegung ausschließen: Das ist schizophren!
Dass dies in der öffentlichen Wahrnehmung, insbesondere von links gefärbten Medien, allein deshalb anders gesehen wird, weil die IB nicht nur konsequente Abschiebung fordert, sondern sich auch der Vorstellung des Ethnopluralismus verschrieben hat, ist wenig verwunderlich. Diese Ideologie verträgt sich nicht mit einer arglosen Vielfalt durch offene Grenzen, viel eher setzt sie auf ein friedliches Zusammenleben der Völker nebeneinander, ohne massenhafte Einwanderung von dem einen in das andere. Rassismus lässt sich daraus nur dann ableiten, würde man das Fremde allein aufgrund dessen Herkunft bekämpfen. Doch nicht einmal die Erzählung von vermeintlichen Deportationen hiesiger Staatsbürger, wie sie ausdrücklich auf dem Geheimtreffen von Potsdam nicht besprochen wurde, konnte das Postulat entwickeln, irgendjemand beabsichtige die gewaltsame Unterdrückung, Benachteiligung oder Entwürdigung von Ausländern. Und so ist an sich nichts verwerflich daran, wenn sich gerade junge Menschen einem Konzept anschließen, das die AfD eigentlich schon längst unterstützt, aber doch ablehnt.
Denn mit der offiziellen Anerkennung der Remigration als ein politisches Ziel ist die Distanzierung von der Identitären Bewegung obsolet geworden. Man hätte ein Überbleibsel aus der Vergangenheit, aus der Zeit von Meuthen und Petry, normalerweise längst einkassieren sollen. Stattdessen scheint sich nun der Landesverband in Stuttgart, durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk motiviert, zu der Prüfung eines Parteiausschlusses von Dominik Böhler genötigt zu sehen. Ursprünglich wurde die vermeintliche Sensation durch das örtliche „Bündnis für Demokratie – Klare Kante gegen Rechts“ aufgedeckt. Nicht belegt, aber dennoch sehr plausibel, scheint eine enge Vernetzung dieser fragwürdigen NGO mit dem Südwestrundfunk. Immerhin mutet es doch äußerst fadenscheinig an, wie rasch die Berichterstattung von Autor Kai Laufen auf die Veröffentlichung der selbsternannten Antifaschisten folgte. Nun scheint das Team von Spitzenkandidat Markus Frohnmaier über ein Stöckchen gesprungen, wollte möglicherweise eine Nachricht schnell abräumen, die das Ringen um die Villa Reitzenstein stören könnte.
Besonders enttäuschend, wie sehr man sich vor den eigenen Feinden hertreiben lässt…
Doch welch Ausdruck von Illoyalität wird offenbar, sich reflexartig eines Mitstreiters zu entledigen, sich zumindest von ihm zu distanzieren, weil es die aufgeschreckte Presse erwartet? Hat man sich vom Betroffenen tatsächlich ein Bild gemacht? Die Frage steht im Raum, ob er während des Aufnahmeprozesses in die AfD manches Detail zu seiner Position in der IB verschwiegen hat. Doch wäre es nicht die Aufgabe, sich ein Urteil ohne Voreingenommenheit zu machen? Um welchen Menschen geht es hier, ist seine heutige Perspektive mit den Werten der Partei vereinbar? Es sind viele Konjunktive im Raum, man bezieht sich auf das Hörensagen von recherchierenden Investigativen, biedert sich dem weltanschaulichen Feind an. Mehr Anpassung geht kaum, Rückgrat sieht anders aus. Bauernopfer, um sich die Macht im Neuen Schloss der Landeshauptstadt zu sichern, sind ein Armutszeugnis und eine Bankrotterklärung für jene Alternative, die sich doch gerade nicht darauf einlassen wollte, in jede ausgelegte Falle ihrer Konkurrenz zu tappen. Doch um einen Sieg beim Urnengang willen, scheinen Prinzipien ade.
Da fällt im Zweifel Substanz und Fundament weg, sortiert man die eigene Mannschaft danach aus, ob und wie sie vom ÖRR gesehen wird. Gerade an der Basis engagieren sich Heranwachsende, die mit einer Nähe zur Identitären Bewegung nicht etwa ihre Verfassungsfeindlichkeit zum Ausdruck bringen, sondern einen gelebten Stolz auf Schwarz-Rot-Gold. Auf ihre Verlässlichkeit, Integrität und Geradlinigkeit sollte man sie abklopfen, doch nicht auf Statuten, die sich längst überdauert haben. Es macht nahezu den Anschein, als hätten an der Spitze im Südwesten die Konformisten das Ruder übernommen. Die sich für die Fleischtöpfe verbiegen lassen, auf jeden erstbesten Zug aufspringen, den die Progressiven vorbeischicken. Das Signal steht auf Erosion, die Weichen zeigen in Richtung Verrat, ist man sich nicht der Verantwortung von Einheit und Zusammenhalt bewusst. Die fehlende Geschlossenheit gibt kein gutes Bild ab. Schließlich wird man weitere Wähler nicht im Kreise der täglichen „Tagesschau“-Konsumenten finden. Und schon gar nicht unter den Krakeelern, den Freunden „unserer Demokratie“.







