Das Tribunal um kurz vor zehn: Klatsch und Tratsch unter Freunden! Oder die Frage, was treibt eigentlich Caren „Claudia Procula“ Miosga?

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Bei Caren Miosga: Fernandes fordert schärfere Gesetze zu digitaler Gewalt“ (aus: „Tagesschau“ vom 29.03.2026)

Wer am Sonntagabend nichts Besseres zu tun hat, der mag seine Lebenszeit für gut eine Stunde einem Sendeformat im „Ersten“ widmen, das offiziell den Titel „Caren Miosga“ trägt. Hinter vorgehaltener Hand wird auch von Klatsch und Tratsch unter Freunden gesprochen. Denn zumeist lädt die Journalistin Gäste in ihre Runde ein, mit denen sie es besonders gut kann. Ein Augenzwinkern für Habeck ist hierbei nicht einmal das höchste der Gefühle. Doch wie sehr entzieht sich ein solcher Platzhalter im Programm jeglichen Standards, Prinzipien und Ansprüchen für eine integre Öffentlichkeitsarbeit, wenn er zum Tribunal über Dritte wird? In trauter Einhelligkeit kamen also am 29. März 2026 die momentan durch die Presse tingelnde Collien Fernandes und Justizministerin Hubig zusammen, daneben eine Klimaaktivistin namens Theresia Crone und die Randfigur Ronen Steinke, seines Zeichens linksaktiver Ressortleiter der „Süddeutschen Zeitung“. Alle Beteiligten nahmen die gleiche Perspektive ein, sie betrieben das, was man im Englischen als „Empowerment“ bezeichnet. Im abwechselnden Kopfnicken bescheinigte man sich Integrität.

Antifeminismus der 90er: Wie passend, dass ausgerechnet „Die Ärzte“ ihr Revival erleben…

Selbstbestärkung und Emanzipation wurden auf die Spitze getrieben, plötzlich war das Jahr 1998 zurück, als „Die Ärzte“ darüber sangen: „Männer sind Schweine“. Es soll also zu einer „virtuellen Vergewaltigung“ gekommen sein, so wirft es Fernandes ihrem Partner Christian Ulmen vor. Crone wiederum gilt als bisher einmaliges Opfer von digitalisierter Gewalt, dem juristisch Recht gegeben wurde. Kein Wunder, dass man sich unter ihresgleichen darauf verständigte, dass es „gesellschaftliche, strukturelle und präventive Veränderungen“ sowie „wirksame Regelungen“ brauche, die „Identitätsbetrug“ und „sexualisierte Deepfakes“ unter Strafe stellen. Doch die geifernde Masse, die empörte Menge vor Claudia Procula, der Gefährtin des Pontius Pilatus, ließ nicht etwa eine ergebnisoffene Debatte zu, sondern hatte ihr Urteil bereits gefällt, als die roten Lichter der Kameras angingen. Bezeichnend hierfür ist die Ablehnung der Redaktion, den Anwalt des Beschuldigten ebenfalls zu Wort kommen zu lassen. Man wollte unter sich bleiben, keine Widerrede zulassen. Schließlich könnte der Aufmarsch der Empörten zum Rohrkrepierer werden.

Es wirkte, wie das Forum Romanum, der öffentliche Schauplatz einer digitalen Hinrichtung…

Von erhöhter Stelle auf dem Forum Romanum schwingt sich eine dem Feminismus 4.0 verpflichtete Elite der revolutionären Weiblichkeit dazu auf, einen Pranger zu vollführen. Merkwürdig war von Anfang an, dass zwischen der vermeintlichen Tat, der Meldung an die Polizei und der Information nach außen Monate bis Jahre vergingen. Offenbar brauchte man Zeit, um eine Kampagne vorzubereiten. Dafür sprechen das frühe Involvieren von NGOs, ein Treffen mit der SPD-Politikerin, ein nahezu kollektiv losbrechendes Geschrei, ohne überhaupt daran zu denken, Ermittlungen abzuwarten, die andere Seite zu hören, auch nur den Gedanken daran zu verschwenden, dass möglicherweise nicht alles real und glaubwürdig ist, was eine Schauspielerin im Rachefeldzug gegen das Patriarchat behauptet. Unklar bleibt, ob die zunächst in Spanien tätig gewordenen Behörden der Sache weiterhin nachgehen. Wenn überhaupt, ist man in einem frühen Anfangsstadium, welche es nach gültiger Rechtsprechung nicht einmal erlauben würde, eine Verdachtsberichterstattung vom Zaun zu brechen.

Gott sei Dank, dass die Neuköllner Vertuschung nun auch ihren offiziellen Segen erhält..

Eine Sozialdemokratin hat sich zum Handlanger gemacht, wird zur Anklägerin, trotz der Gewaltenteilung. Gleichzeitig fungiert sie als Sprachrohr und Beistand einer Autorin, die sich in ich-bezogenem Eigenlob und stellvertretend für ein geschundenes Klientel der imaginären Entblößung mutig an die Front wagt, dem starken Geschlecht antianalog zwischen die Beine tritt. Sie fordern eine Effemination, ein Schamgefühl bei denjenigen, die über einen Kamm geschoren werden, weil die Väter der Nation zu viele Y-Chromosomen ausgeschüttet haben. Umfassend bestreitet Ulmen, was ihm zum Vorwurf gemacht wird, er gilt weiterhin als unschuldig. Und die Hinterbliebenen eines realen Gruppenexzesses im Neuköllner Jugendzentrum oder den Gebüschen abseits der abendlichen Fußgängerzone fragen sich, warum es Leidensgeschichten nur dann in den Fokus der Aufmerksamkeit schaffen, wenn sie von Prominenten erzählt werden. Das Verschieben von Prioritäten, das Schleudern von Nebelwurfkörpern, die Entfesselung eines neuen Trendbegriffs, all das verhöhnt jene, die nicht nur auf dem Bildschirm ausgezogen wurden, sondern nackte Wahrheiten erlebt haben.