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Die Welle zwischenmenschlicher Abgründe schwappt durchs Land: Wie Thilo Mischke bis heute unter Ächtung, Pranger und Zensur leidet!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Zu Polarisierung gehört eben auch eine Wahrnehmung von Debattenkultur“ (aus: „Wissenschaft im Dialog“ vom 06.11.2025)

Wir leben in einer Gegenwart, in der gesellschaftliche Kultiviertheit an allen Ecken und Enden rar geworden scheint. Da werden diejenigen beim Arbeitgeber angeschwärzt, die aus Sicht sogenannter „Demokratieverteidiger“ die „falsche“ Partei wählen. Wer sich nicht toleranzkonform äußert, riskiert Anzeigen bei einer der vielen Meldestellen im Land. Das Denunziantentum prosperiert, der Verfassungsschutz hat seine Augen und Ohren überall. Und in den sozialen Medien herrschen Zwietracht und Argwohn, öffentliche Pranger werden erneut zur Realität. Rhetorische Gülle schwappt durch die verschiedenen Plattformen, nicht wenige Accounts gleichen einer zwischenmenschlichen Kloake. In dieser Atmosphäre entstehen die mittlerweile in unseren Sprachgebrauch eingezogenen „Shitstorms“, also der Massenauflauf von Empörung, Wut und Hass gegen Andersdenkende. Seine individuellen Folgen für den Einzelnen sind enorm, von psychischer Belastung bis hin zu Rückzug und Isolation. Dabei scheint nicht nur befremdlich, sondern gar schizophren, wie sich jene über das Niedermachen eines Anderen freuen, die sich doch eigentlich zivilisiert und hehr als „Gutmenschen“ bezeichnen.

Hass und Hetze ausgerechnet von denen, die sich für ihr Gutmenschentum loben…

Getroffen von einer solchen Anfeindung wurde auch der Journalist Thilo Mischke. In einem jüngst erschienenen Interview machte der Autor deutlich, wie sehr er darunter gelitten hat, nach seinem Rauswurf bei der ARD Ende 2024 gravierender Schmähung und Verunglimpfung ausgesetzt gewesen zu sein. Grund für die Entscheidung des Senders, ihn doch nicht als Moderator für das Format „ttt – titel, thesen, temperamente“ einzusetzen, waren konstruierte Sexismusvorwürfe wegen eines Buches aus der Vergangenheit. Darin schrieb der Reporter, in seiner bekannt ironisch wie humorvollen Art, über die Wette, 80 Frauen auf einer Weltreise zu verführen. Angeblich wirkten seine Darstellungen rassistisch und kolonial, er habe das weibliche Geschlecht zu einem Objekt degradiert, grassierten die Behauptungen. Mehr als 100 Kulturschaffende, darunter Jutta Ditfurth und Ilko-Sascha Kowalczuk, unterzeichneten einen offenen Brief an die Verantwortlichen, in dem sie forderten, sich von dem Dokumentator zu distanzieren – und ihm den neuen Job zu verweigern. Entsprechende Hetznachrichten prasselten auf ihn ein, die Redaktion kippte sein Engagement, um eine „Rufschädigung“ zu vermeiden.

Das Beispiel von Thilo Mischke zeigt, wie unmenschlich die Shitstorm-Industrie wirklicht ist…

Umgekehrt erhob der Künstler schwere Anwürfe: Es habe kein Gespräch und keine Debatte gegeben, er selbst sei mit den Beschuldigungen nicht konfrontiert worden. Die Chefetage habe in Arroganz entschieden, es an Sorgfalt und Faktenprüfung mangeln lassen. Der Karriereknick traf ihn in der Folge hart, war er von Dreharbeiten aus Syrien erschöpft zurückgekommen, litt unter Panikattacken und Schlafstörungen. Er selbst gestand ein, am 26. Dezember versucht zu haben, sich umzubringen. „Ich wollte sterben, um dieser Situation zu entfliehen“. Er werde als „homophober, ableistischer, frauenfeindlicher und gewaltverherrlichender Mann“ wahrgenommen – völlig fern seines persönlichen Wertekompasses. Die gesamte Familie sei unter der Treibjagd zusammengebrochen. Zwar arbeite er aktuell an neuen Projekten, fordert jedoch mehr Empathie von den Medien – und sieht sich gleichzeitig noch immer Häme wie Spott ausgesetzt. Wie gehen also jene mit ihrer vermeintlichen Überlegenheit um, die „Cancel Culture“ preisen, Biografien vernichten, Seelen kaputtmachen? Es ist wenig rühmlich, in einer Zeit emotionaler Kälte angelangt zu sein, in der Hybris jeden Anstand abgelöst hat.

Hinweis: Wenn auch Sie unter suizidalen Gedanken oder Absichten leiden, kontaktieren Sie bitte umgehend den Notruf unter 110 oder 112, das nächstgelegene Krankenhaus, sozialpsychiatrische Dienste vor Ort oder die Telefonseelsorge über 116 123.