Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Baerbock und AfD im Gleichklang: Deeskalationsappelle nach Militärschlag gegen Iran“ (aus: „Apollo News“ vom 01.03.2026)
Plötzlich wird es wieder aktuell, ein Zitat, das nicht völlig zurecht dem früheren „Tagesthemen“-Moderator Hanns Joachim Friedrichs zugeschrieben wird. „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“, so erklärte er, um die Aussage eines Mentors wiederzugeben, die er aber nicht völlig kritiklos übernahm. Denn tatsächlich sind publizistisch Tätige vor allem in ihrer Funktion als Kommentatoren dazu angehalten, durchaus Position zu beziehen. Doch sie sollen dabei stets objektiv bleiben, nicht zwingend neutral. Das bedeutet, Ausgewogenheit als Credo hochzuhalten, sich in der Gesamtheit des Schaffens weder Tendenziösität noch Einseitigkeit hinzugeben. In Einzelaspekten eine klare Haltung einzunehmen, das ist durchaus legitim, wenn sich daraus nicht ein konsequentes Parteiergreifen entwickelt, das blind macht für Fragen, Widerspruch und die Notwendigkeit zur Reflexion. In einem Momentum Farbe bekennen, um Minuten später in den Dialog mit sich selbst einzutreten.
Wir wollten uns doch nicht gemein machen, auch nicht mit dem angeblich „Guten“…
Tun dies auch die Kollegen der beiden als konservativ eingeordneten Medien „NiUS“ und „Apollo News“? Oftmals wurde darüber spekuliert, wem die jeweiligen Redaktionen unter Leitung von Julian Reichelt und Max Mannhart nahestehen könnten. Und niemand hatte damit gerechnet, dass ein Krieg im Iran des Rätsels Lösung bringen dürfte. Eigentlich als alternative Stimmen gestartet, als Hoffnungsträger außerhalb der etablierten Presse, verfallen sie aktuell in eine dezidiert pro-westliche Manier, loben einigermaßen distanzlos Friedrich Merz für seine Äußerungen, diskreditieren im Gegenzug die AfD für ihre Zurückhaltung im Konflikt. Im Account des Zweitgenannten auf X prangen mittlerweile die amerikanische und israelische Flagge. Da wird kein Hehl daraus gemacht, sich gänzlich auf die Seite von Washington und Jerusalem geschlagen zu haben. Ohne Lernkurve aus den früheren Interventionen im Irak, in Afghanistan, Syrien oder Libyen, feiert man den Angriff auf Teheran, ohne die Kollateralschäden, mögliche Flüchtlingswellen und die Destabilisierung der Region zu betrachten.
Wer als Chefredakteur Flaggen in sein Social-Media-Profil setzt, wirkt fremdgesteuert…
Man lässt sich offenbar vor den Karren der Christendemokraten spannen, vielleicht auch als interessengeleiteter Steigbügelhalter gegen das Völkerrecht sowie für die willkürliche Verletzung territorialer Integrität und Souveränität fremder Staaten missbrauchen. Ist da ein früherer Mogul zum „Trojanischen Pferd“ geworden, zu einem Heuchler und Blender, der das System nie überwunden hat? Hetzt man wirklich ohne Grund gegen die Alternative für Deutschland, denunziert sie als moskautreu, weil es dem Kanzler gefallen könnte? Oder agieren dort Marionetten, nicht viel besser, als der öffentlich-rechtliche Rundfunk, das Sprachrohr von Grünen und SPD? Es wird sich mit der Zeit weisen, inwieweit man in der Lage ist, nachdenklich zu sein über die eigene Linie. Ob man es schafft, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen, Respekt und Verständnis für sie zu zeigen, sich zumindest zu bemühen, Kontra-Argumente als nachvollziehbar und wertvoll zu schätzen. Im Augenblick ist man jedenfalls gänzlich auf Kurs der Union.
Da wird nahezu krampfhaft suggeriert, linke wie rechte Pole hätten irgendetwas gemeinsam…
Über die Motivation kann man nur spekulieren. Bereits in Sachen Wirtschaft und Migration war man auffallend nahe an der Agenda von Carsten Linnemann. Dass man es nunmehr wagt, der Hufeisentheorie anzuhängen, bezüglich der Außenpolitik Ähnlichkeiten zwischen linken und rechten Polen herstellt, um sie als gleichermaßen realitätsfern zu verurteilen, nehmen vor allem Anhänger von Weidel und Chrupalla übel. Da hat man sich möglicherweise einen Bärendienst erlaubt, allzu sehr ein Publikum gegen sich aufzubringen, auf das man gerade als noch junges Projekt angewiesen ist. Denn sobald die Intention verhaftet, über einen Kamm zu scheren, nicht mehr zu differenzieren, sondern wild einzuprügeln auf alle, die anderer Meinung sind, verliert jegliche Ambition an Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Authentizität. Stringent aus alten Schläuchen zu trinken, sich gleichzeitig als modern und neu zu geben, das hinterlässt ein Bild von Widersprüchlichkeit. Und man muss befürchten, dass die Akklimatisierung mit dem Bestehenden noch längst kein Ende gefunden hat.








