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Friedrich, die Raufasertapete des deutschen Geschichtszimmers, Merz: Ihr müsst arbeiten, arbeiten, arbeiten – bis ich Stopp sage!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Reformdebatte: Oppositionsparteien kritisieren Merz für Arbeitszeitgesetz-Aussage“ (aus: DER SPIEGEL vom 15.01.2026)

Die Deutschen, ohne jede Einschränkung, ganz allgemein, sollen mehr arbeiten. Mit dieser neuen Forderung hat sich Friedrich Merz jüngst wieder einen äußerst verderblichen Namen gemacht. Wenn er denn einmal in der Bundesrepublik weilt, dann fällt er mit Hohn und Spott gegenüber der eigenen Bevölkerung auf. Als wenn die breite Gesellschaft nicht schon schuften würde, es sich aber eine ziemlich klar zu umgrenzende Gruppe gemütlich macht in einer Hängematte jenes Sozialsystems, das eigentlich nur dafür gemacht ist, bei echten Schicksalsschlägen, vorübergehenden Krisen, einer eingeschränkten Gesundheit, nach Jobverlust oder in einer Phase der Umorientierung einzuspringen. Der Pauschalanwurf, wir seien zu faul, reiht sich ein in die grenzenlose Hybris eines CDU-Politikers, der längst die Bodenhaftung verloren hat, von der Realität so weit entfernt ist wie die Sonne vom Mond. Er maßregelt die Leistungsträger, verschont die Bequemlichen.

Völlig den Bezug zur Realität verloren, abseits jeden Respekts vor den Leistungsträgern…

Wie so oft zeigt er sich als Reibeisen, völlig ohne Empathie, fernab jeglicher Differenziertheit. Kein Wunder, denn er feiert in Indien, tingelt zwischen Paris, London und Washington, verteilt Generatoren an die Ukraine, während die Berliner nach dem Linksterrorismus frieren und zittern. Er verlangt Kriegstüchtigkeit von den jungen Menschen, die überhaupt nicht mehr wissen, wofür sie eigentlich kämpfen sollen. Denn von Souveränität und Sicherheit ist wenig übrig geblieben, das Land hat seine Identität verloren. Kurzzeitig schwenkt der Regierungschef in die Wirklichkeit um, erkennt im Stadtbild das Resultat seines Versagens, welches spätestens mit Vorgängerin Angela Merkel begann. Doch er führt es fort, intensiviert es gar noch, weil er wie ein Getriebener der Genossen wirkt, der sich mit einer Schuldenorgie die Macht erkauft hat. Selbst im Privatjet unterwegs, Ferien genießend, will gerade dieser Snob uns Work statt Life verordnen. Ein signifikanter Anfall von Ignoranz.

Der einfache Bürger soll ausbaden, was die grüne Transformation angerichtet hat. Es ist nicht das geringe Malochen von Angestellten oder Handwerkern, von Pflegekräften oder Entsorgungsmitarbeitern, das die Ökonomie in den Ruin getrieben hat. Stattdessen sind die Probleme hausgemacht, eine Kostendruckinflation setzt den Unternehmen massiv zu. Sie sind durch Ideologie in Fesseln gelegt, ihnen mangelt es an Technologieoffenheit, sie können nicht mehr atmen, weil der Standort durch Regulierung unattraktiv und teuer geworden ist. Gleichzeitig alimentieren wir Langzeiterwerbslose, oftmals mit Migrationshintergrund, weil sie eben keine Fachkräfte sind, sondern jegliche Qualifikation entbehren. Wie kann man sein Volk nur so verachten, sich als Kanzler derart unbeliebt machen, wenn man ungerecht, unangemessen und unbegründet auf die Falschen eindrischt. Diese Instinktlosigkeit wird den Christdemokraten besonders harsch in die Geschichtsbücher bringen.

Merz verhöhnt die buckelnde Pflegekraft nach 45 Jahren 40-Stunden-Woche im Altenheim…

Der elitäre Elfenbeinturm, in dem sich schon Habeck vor der Wahrheit versteckte, stumpft die Verantwortlichen ab. Wenn sie sich einmal aus ihm herauswagen, holen sie zum Schlag ins Gesicht der Allgemeinheit aus. Auch wenn er Dachdecker und Fliesenleger ausnahm, als er über eine Streichung des Arbeitszeitgesetzes sprach, um mehr Flexibilität für die Tarifparteien zu schaffen, so ging Merz nur ganz am Rande auf jene Faktoren ein, die die eigentlichen Dämpfer für Konjunktur und Wettbewerb ausmachen. Nicht nur die Bürokratie ist es, die uns international abhängt. Sondern eine auferlegte Planwirtschaft zugunsten des Klimaschutzes, ein ausufernder Solidaritätsgedanke gegenüber jenen, die oftmals nur deshalb in Richtung Europa aufgebrochen sind, weil sie von der Vorzüglichkeit unseres Wohlfahrtsstaates erfahren haben. Der moralische Imperativ einer protestantischen Arbeitsethik ist dort fehl am Platz, wo er zur Travestie über die Masse wird.

Charakterlich erweist sich der Sauerländer mit seinem Frontalangriff als die Abrissbirne jeglichen Vertrauens, das unter anderem auch die Mittelschicht in ihn gesetzt hatte. Nicht umsonst sind es diese Betriebe, die aktuell in Erhebungen verlautbaren lassen, wie enttäuscht sie sich vom 70-Jährigen zeigen. Er lässt seine Frustration über das eigene Unvermögen am Souverän aus, sucht sich Sündenböcke für die massiven Defizite, welche der Hüne unter anderem durch seine glänzende Abwesenheit verursacht. Die Tonalität erinnert an seine frühere Funktion bei „Blackrock“, an eine meritokratische Weltsicht, die Erfolg allein durch Disziplin zu generieren gedenkt. Doch die Appelle erreichen diejenigen, welche den Laden ohnehin schon am Laufen halten. Wer als Empfänger seine Nachrichten nicht korrekt adressiert, muss sich dem Vorwurf eines kognitiven Bias ausgesetzt sehen, einer besonderen Variante des Arroganten und des Niederträchtigen, der die Umfragen Folge leisten.