Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Aufstand gegen die Mullahs im Iran: Jetzt jubelt sogar die Polizei den Demonstranten zu“ (aus: BILD vom 06.01.2026)
Da waren es die Brandkatastrophe von Crans-Montana, der Militärschlag der USA gegen Venezuela und das linksextremistische Attentat auf die Stromversorgung in Berlin, die einen außenpolitischen Brandherd kurzerhand aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit drängten. Im Iran spitzt sich die Situation weiter zu. In mindestens 17 der 31 Provinzen sind Proteste gegen die Regierung aufgeflammt, sie stellen die größte Herausforderung für das klerikale Establishment seit Jahren dar. Die Unruhen begannen Ende Dezember, wurden nicht zuletzt ausgelöst vom massiven Wertverlust der Währung Rial, einer Inflationsrate von über 52 Prozent und einem wirtschaftlichen Verfall auf ganzer Linie.
Das Regime hat ökonomisch versagt, gesellschaftlich gespalten, autoritär gehandelt…
In Städten wie Teheran, Ilam und Qazvin haben Händler die Basare geschlossen, die Lebensmittelversorgung steht vor dem Zusammenbruch. Streiks denen sich aus, Tausende sind auf die Straße gegangen. Die Sicherheitskräfte haben Sperrzonen eingerichtet und Hubschrauber eingesetzt, das Internet wurde teilweise abgeschaltet, in manchen Gebieten kam es zu offenen Konfrontationen. Das Vorgehen der Bürger ist dezentral organisiert, Unternehmer, Studenten und Arbeiter beteiligen sich, um auf die ökonomischen Missstände aufmerksam zu machen. Auf Plakaten liest man nicht nur Forderungen nach Reformen, sondern explizit nach einem Wechsel an der Spitze des Landes, einer Revolution.
Entsprechend sieht sich das Regime in die Enge getrieben, soll mit brachialer Gewalt vorgehen, um die Sehnsucht nach einer Rückkehr des Schahs im Keim zu ersticken. Die Unruhen sind mittlerweile in die ländlichen Gebiete übergegangen, Oppositionelle berichten von einer breiten Mobilisierung, die staatlichen Medien dagegen nur von einzelnen Aufrührern. Anfangs wurden die legitimen Forderungen noch geduldet, mittlerweile ist man zu einer harten Gangart der Unterdrückung gewechselt. Tränengas, Schusswaffen und Maschinengewehre sollen eingesetzt worden sein, Krankenhäuser wurden gestürmt, auch Minderjährige verhaftet. Die Mullahs holen sich Unterstützung aus dem Ausland.
Die Wurzeln der aktuellen Aufstände liegen bereits mehr als 45 Jahre zurück…
Bislang soll es 36 Tote geben, die Lage ist unübersichtlich. Die Vereinten Nationen haben vor einem Blutvergießen gewarnt. Gleichzeitig brachte US-Präsident Trump eine Intervention ins Spiel. Diese Rhetorik passt in seine aggressive Außenpolitik, dessen Wahrheitsgehalt er jüngst mit der Festnahme von Caracas‘ Staatschef Maduro unterstrich. Er schickte ähnliche Warnungen an Grönland und Kuba, trotzdem fehlt es an konkreten Truppenbewegungen am Persischen Golf. Gleichzeitig gibt sich der Gegner abwehrbereit, hat präventive Maßnahmen angekündigt. Seither eskalieren Repression und Zensur, die Bewertungen schwanken zwischen diplomatischem Bluff und ernsthafter Bedrohung.
Und tatsächlich wäre eine Wende nötiger denn je, will ein Volk aus den Fesseln befreit werden, die ihm seit Beginn der Islamischen Republik angelegt wurden. 1979 scheiterte die Monarchie, es kam immer wieder zu einer Welle von Wahlfälschungen und sozialen Ungerechtigkeiten. Der aufkeimende Widerstand ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Spaltung zwischen Ultrareligiösen und Progressiven, letztgenannte lehnen das autoritäre und theokratische System ab, wollen säkulare Strukturen zurück, sind frustriert über die Ausgaben für Proxy-Kriege. Solange es nicht etwa zu Umverteilungen in Richtung der Armen kommt, sondern die korrupten Eliten Sanktionen provozieren, wird auch kein Frieden einkehren.







