Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Das heikle Manöver der Ost-CDU: Wie der AfD-Siegeszug in Sachsen-Anhalt gebremst werden soll“ (aus: „Merkur“ vom 14.01.2026)
Voraussichtlich am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt ein neues Landesparlament. Wer als Sieger dieses Urnengangs hervorgeht, dürfte schon jetzt einigermaßen klar sein. Auch der Wechsel an der Spitze der CDU wird Konkurrent Ulrich Siegmund nicht abhalten können, als Erster durchs Ziel zu laufen. Der Kandidat der Alternative für Deutschland hat Überragendes geleistet, um in den Umfragen nahe an die absolute Mandatsmehrheit heranzurücken. Christdemokrat Sven Schulze, der von Ministerpräsident Haseloff reflexartig zum Nachfolger bestimmt wurde, um auf den letzten Metern das Amt zu übernehmen, bleibt sowohl charismatisch wie auch inhaltlich blass. Er ist vielen Bürgern unbekannt, ein allzu unbeschriebenes Blatt, nicht Fisch und nicht Fleisch. Hingegen scheint der als „Posterboy“ in den Medien verschriene Oppositionsführer für seine Rhetorik, Eloquenz und Ausstrahlung berüchtigt, wird sogar von den Konservativen als umgänglich beschrieben.
Eigentlich sollten die ersten Beweise gegen den Landesvorstand schon öffentlich sein…
Eigentlich dürfte nichts mehr dazwischen kommen, doch es bahnen sich möglicherweise Affären an. Noch im alten Jahr hatte der Bundestagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt verlautbart, in einer 154-seitigen Dokumentation Vorhalte zu einem skrupellosen und manipulativen Gebaren im Vorstand gesammelt zu haben. Er wurde daraufhin mit einem Ausschlussverfahren überzogen, steht wegen vermeintlicher Bedrohungen unter Polizeischutz. Was ist da also intern los, wie konsistent sind die Anwürfe des 34-Jährigen? Er selbst steht in der Kritik, weil er in seinem Büro dubiose Beschäftigungsverhältnisse geduldet haben soll. In einem Eilprozess bestätigte das Schiedsgericht am 12. Januar 2026 den Entzug seiner Mitgliedsrechte. Er selbst betrachtet sich als Opfer einer sogenannten „Pokerrunde“ der Funktionäre Martin Reichardt, Oliver Kirchner und Hans-Thomas Tillschneider, die ihn mundtot machen wollten. Da wird mit harten Bandagen gekämpft, typisch für diese Zeit.
Ulrich Siegmund ist bisher nicht belastet, prinzipiell gilt die Unschuldsvermutung für alle…
Der Frontmann ist hingehen nicht involviert in die Unterstellung, private Ausflüge seien als Dienstfahrten deklariert, Rechnungen gefälscht, Vetternwirtschaft betrieben und unkorrekte Finanzpraktiken etabliert worden. Doch er soll das Vorgehen seiner Kollegen gedeckt haben, sich nicht von den „schädlichen Akteuren“ distanzieren. Siegmund, Schmidt und der geschasste Schatzmeister Matthias Lieschke, der heimlich eine Videokonferenz mitgeschnitten und weitergeleitet haben soll, waren einst eng befreundet. Nun ziehen sich tiefe Risse dort entlang, wo die Elemente von Loyalitätszwang und gegenseitiger Absicherung nicht mehr zu tragen scheinen. Handelt es sich also lediglich um einen bloßen Racheakt – oder was ist dran an den Spekulationen über gravierende Missstände in Magdeburg? Da fallen Worte wie „psychopathischer Fanatismus“ oder „krankhaftes Verhalten“, man geht also keinesfalls zimperlich unter einstigen „Spezies“ miteinander um.
Manche Schiefstände dürften sich bestätigen, doch ob es zum großen Skandal reicht?
Auch mir wurden wiederholt Chats und Protokolle aus dem Landesverband zugespielt, mit anonymem Absender, einigermaßen wirr und unübersichtlich. Daraus lassen sich zwar gewisse Eindrücke ableiten, vielleicht ein anfänglicher Verdacht mutmaßen, welcher allerdings nicht derart konsistent ist, dass man von Belegen über strukturellen und vorsätzlichen Machtmissbrauch sprechen könnte. Insofern fehlt es auch Mitte des Monats noch immer an expliziter Substanz, die Schmidt in den Raum gestellt hat. In den sozialen Medien präsentiert er auf seinem Account vor allem den Fortgang von Repression gegenüber seiner Person. Er will gegen die ergriffenen Maßnahmen, die ihn „zum Schweigen bringen sollen“, gegebenenfalls juristisch vorgehen. Möglicherweise will er bestimmte Termine noch abwarten, um eine Zuspitzung zu vermeiden. Es könnten strategische Gründe sein, die die Nachweise verzögern. Und so bleibt eine Pattsituation, die allerdings jederzeit eskalieren könnte. Denn dass alles aus der Luft gegriffen ist, wäre eine naive Vorstellung.







