Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Brandbrief an Alice Weidel – AfD-Politikerin: Meine AfD-Kollegen bereichern sich“ (aus: BILD-Zeitung vom 07.02.2026)
Zuerst Magdeburg, jetzt Hannover. Die AfD sieht sich im Augenblick mit zahlreichen Vorwürfen aus den eigenen Reihen konfrontiert. Da war es in Sachsen-Anhalt der ehemalige Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt, der eine mögliche Vetternwirtschaft in Teilen des Landesvorstandes öffentlich machte. Mittlerweile haben große Medien wie das ZDF das Thema aufgegriffen, auch Spitzenkandidat Ulrich Siegmund steht im Verdacht, seinen Vater bei einem befreundeten Abgeordneten untergebracht zu haben. Mit einer üppigen Entlohnung, auf Kosten der Steuerzahler. Weitere Über-Kreuz-Anstellungen von Familienmitgliedern werfen insbesondere deshalb ein fragwürdiges Licht auf die Partei, weil sie sich stets anders geben wollte als die etablierten Kräfte. Da wirken Ausreden einigermaßen subtil, man wolle auf Personal zurückgreifen, dem man vertrauen kann. was hätte die Alternative für Deutschland losgepoltert, würden ähnliche Anhaltspunkte gegenüber CDU, SPD oder Grünen im Raum stehen. Doch in ihrem Fall soll wieder einmal eine Kampagne verantwortlich sein, konkret gesagt: „die Lügenpresse“. Dabei ist es auch die rechte „Junge Freiheit„, die die Reißleine zieht.
Bricht sich die Ernüchterung Bahn, dass die AfD doch nicht besser ist als der Rest?
Denn mit Verlaub, hier gibt es nichts zu deuteln. Die Definition des Nepotismus ist einigermaßen klar, Fakten liegen auf dem Tisch. Man hätte die Welle frühzeitig überrunden können, würde man nicht ständig mit dem Finger auf Dritte zeigen. Auch in Niedersachsen treibe der Verfassungsschutz sein Unwesen, so spekulieren Sympathisanten in den sozialen Medien, nachdem die Europamandatarin Anja Arndt aus Nortmoor einen Brandbrief an Alice Weidel geschickt hat. Sie wirft Kollegen vor Ort ebenfalls vor, sich bereichert zu haben. Hierfür gibt es stichhaltige Indizien, da geht das Narrativ über eingeschleuste V-Leute Inlandsgeheimdienstes fehl. Die sogenannte „Allianz“ um den Landesvorsitzenden Ansgar Schledde soll sich, an offiziellen Strukturen vorbei, gegenseitig Jobs, Posten und finanzielle Vorteile gewährt haben. Schon 2024 gab es eine Razzia wegen unklarer Buchführung und möglichen Verstößen gegen das Parteiengesetz. Völlig aus der Luft gegriffen dürfte also nicht sein, was die 60-Jährige an schwerwiegenden Missständen in Richtung Berlin trägt. Und sie geht mit dieser Flucht nach vorne das Risiko weiterer Schmähungen ein.
Ein ganzes Sammelsurium an Zeugenaussagen, Beweisfotos und Hintergrundinformationen…
Ein öffentlich zugänglicher „Telegram“-Kanal, der unter dem Motto „Hier wird gesagt, was gesagt werden muss“ steht, listet eine ganze Reihe an Beispielen auf, was zwischen Emsland und Harz schieflaufen soll. Auch hier könnten unkritische Beobachter wiederum auf den Gedanken kommen, er würde durch die Schlapphüte betrieben. Und tatsächlich gilt zunächst die Unschuldsvermutung. Doch damit macht man es sich zu leicht, mit solch einem Totschlagargument kann im Zweifel jede skeptische Stimme, jede Aufklärung von Affären, im Keim erstickt werden. Es soll undemokratisch und ungerecht zugehen, vernimmt man dort. Ein paralleles System habe sich manifestiert, um Loyalität zu sichern und Widerspruch klein zu halten. Zeugenstimmen werden laut, Arndt selbst betonte, sie sei von jeglicher Teilhabe und Einfluss ausgeschlossen worden, weil sie sich weigerte, an der „Verschwörung“ mitzuwirken. Reflexartig wurden die Berichte von den Beschuldigten und ihrem Umfeld dementiert, doch wie absurd sind sie wirklich, was kann man aktuell noch glauben, haben doch die Realitäten zwischen Brocken und Saale gezeigt, dass man im Glashaus nicht mit Steinen werfen sollte, bricht sich Wahrheit fast immer Bahn.
Geht es allein um persönliche Feindschaften? Und wenn ja, wer rächt sich hier an wem?
Hat man die Aufnahme von neuen Mitgliedern bewusst verzögert, behindert oder eingeschränkt, weil sie nicht genehm waren? Wurde in Ostfriesland ein Bezirksverband unrechtmäßig geteilt? Hier geht es um weit mehr als interne Konflikte, sondern um eine Mentalität, sich deshalb in Sicherheit zu wiegen, weil man als gescholtene Opposition prinzipiell auf Opfer machen kann. Doch das Zurückziehen auf diese Position überzeugt längst nicht mehr. Stattdessen keimt die Befürchtung auf, da könnten jahrelange Machenschaften implodieren, der Ruf, eine echte Option zu sein, wirkt zunehmend trügerisch. Natürlich scheint eine persönliche Fehde denkbar, das Streben nach Rampenlicht. Dass man gegen Arndts Sohn ein Parteiausschlussverfahren verlor, sollte die Rachsüchtigen allerdings in der Führungsriege vermuten lassen. Für individuelle Befindlichkeiten sind die Bezichtigungen zu gravierend. Und sie besitzen ein gewisses Fundament, melden sich immer mehr Whistleblower zu Wort, die man in ihrer Gesamtheit nur schwerlich unter unbekannten Spitzeln subsumieren kann. Jetzt wäre Zeit für Selbstreflexion, erwartungsgemäß dürfte sie ausbleiben.







