Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Unter ‚Sonstige‘ gelistet: ‚Team Freiheit‘ mit gefälschter Grafik in Verbindung gebracht“ (aus: „Augsburger Allgemeine“ vom 09.01.2026)
Ohne Zweifel hat der Niedergang der FDP in Deutschland eine Lücke hinterlassen. Eine altehrwürdige Partei begibt sich mit Christian Dürr und Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf eine personelle Irrfahrt, verstrickt sich Erstgenannter in albernen Social-Media-Videos, macht sich Zweitgenannte zum monothematischen Sprachrohr für die Ukraine. Wer vertritt also antiautoritäre Interessen in der Bundesrepublik, wenn die Nachfolger von Guido Westerwelle, Walter Scheel oder Hans-Dietrich Genscher auf ganzer Linie versagen? International macht sich eine neue Bewegung bereit, die ausgeht von Argentinien. Der dortige Präsident Javier Milei steht für eine libertäre Denkweise, die den Staat bis auf das nötigste Übel zurückgedrängt, vor allem auf Entbürokratisierung und Verschlankung behördlicher Strukturen setzt. Daneben auf eine minimale Steuerlast, auf einen Kapitalismus ohne Zügel, auf die Begrenzung von Solidarität mit den tatsächlich Ärmsten und Schwachen.
Es braucht eine libertäre Kraft, aber mit weniger Arroganz, Hochmut und Eitelkeit…
Für einen Augenblick schien es so, als ob das „Team Freiheit“ die Aufgabe wahrnehmen könnte, eine Stimme für die Enttäuschten zu sein. Ganz im Geiste des Vordenkers Ayn Rand, welcher mit dem bemerkenswerten Zitat „Der Mensch ist ein zweckgerichtetes Wesen. Seine grundlegende Tugend ist die Vernunft – die Fähigkeit, sein Leben durch rationale Urteile zu lenken“ auf sich aufmerksam gemacht hat. Da schöpfte manch ein Wähler Hoffnung, beim anstehenden Urnengang in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz seine Stimme dem Bündnis um Frauke Petry und Thomas Kemmerich geben zu können. Doch plötzlich kam die Meldung, dass man – entgegen früherer Verlautbarungen – in beiden Bundesländern nicht antreten wird. Euphorisch war zuvor bekanntgegeben worden, man habe die formalen Voraussetzungen erfüllen können, teilweise mehr als nötig an Unterstützungsunterschriften gesammelt. Doch scheinbar sprechen die offiziellen Zahlen eine andere Sprache.
Das wäre eine der kürzesten Eintagsfliegen in der jüngeren Parteiengeschichte gewesen…
Ist der Zenit schon wieder überschritten, war es nur ein kurzes Intermezzo, ein PR-Gag voller heißer Luft, aber mit wenig dahinter? Der Vorwurf steht im Raum, sich allzu elitär abzuschotten, einen geschlossenen Kreis zu bilden, in den nur besonders Qualifizierte vordringen können. Bewusst hatte man profilierte Köpfe abgeworben, setzte bei seinen Kandidaten nicht nur auf Berufserfahrung, sondern vor allem öffentliches Prestige. Bisweilen abgehoben und hochmütig in der Sprache, teilt beispielsweise Repräsentant Marcus Pretzell auf der Plattform X kräftig aus. Der Rechtsanwalt nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er Kritik und Widerspruch mit Wortgewalt statt Argumenten deklassiert, Journalisten pauschal zu Unfähigen erklärt, Multiplikatoren vergrault, den Eindruck von Arroganz und Ignoranz unterstreicht. Da hat sich eine Distanz aufgebaut zum Durchschnittsbürger, die Zielsetzung scheint eher Oligarchie denn Demokratie, die Macht der Wenigen.
Eigentlich ein solides Programm, wäre doch das Verhalten des Personals genauso integer…
Inhaltlich hat man zwar ordentliche Gedanken entwickelt, womit man punkten möchte. Doch was nutzen das Bekenntnis zu unbehelligter Rede, zu begrenzter Migration, marktwirtschaftlicher Ordnung, Abschaffung von Finanzierung linker NGOs, die Förderung von Eigenverantwortung, Zweifel an der ökologischen Transformation, Technologieoffenheit in der Energiewende, ein Stopp für die CO2-Bepreisung, Deregulierung, Homeschooling, ein Fokus auf die nationale Souveränität, weniger militärische Einflussnahme in aller Welt oder Skepsis gegenüber dem EU-Zentralismus, wenn man vorwiegend in einer Filterblase agiert, wohl auch deshalb nicht in der Breite Unterstützer abfischen kann? Es entspricht einem gewissen Rohrkrepierer, als wildes Tier gestartet zu sein, um als Bettvorleger zu enden. Vielleicht gehen die Verantwortlichen noch einmal in sich, ob sie mit etwas weniger Eitelkeit vielleicht mehr Chancen hätten, auch von den Massen gesehen und wahrgenommen zu werden.







