Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Karneval 2026 – Rosenmontagswagen in Düsseldorf mit großer Spannung erwartet“ (aus: „Rheinische Post“ vom 15.02.2026)
Fasnacht, Fasching, Karneval: Egal, wie man sie nennt, die fünfte Jahreszeit, sie soll Frohsinn stiften. So war es zumindest bisher. Doch seitdem dieses Land durchzogen wird von der Brandmauer, ist nichts mehr, wie es einmal war. Man will lustig sein, indem man diffamiert. Man möchte Rampenlicht und Zuspruch ernten, wenn man die Gesellschaft vergiftet. In der Fernsehsendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ vom 13. Februar 2026 trat Thomas Becker auf. Der Tenor seines Gebarens lässt sich auf ein Zitat herunterbrechen: „Zeitgeist ist es, Menschen für den Frieden auszuzeichnen, so wie es die Fifa… äh nee…“ […] Wo war ich? AfD, korrupter Haufen – ah, FIFA!“. In Anspielung auf die aktuellen Vorwürfe gegen den sachsen-anhaltinischen Landesverband, der mit familiären Überkreuz-Anstellungen auf sich aufmerksam machte, legte jemand den Finger in eine rein moralische Wunde, während sich andere Parteien strafrechtlich relevante Vetternwirtschaft leisten. Wieder einmal Skandalisierung auf Grundlage der Einseitigkeit, auf Kosten der Ausgewogenheit, in der subtilen Absicht, von der Bütt aus Wahlkampf zu machen.
Die Fastnacht wird von politischen Demagogen für ihre billige Propaganda missbraucht…
Wer darüber schmunzeln möchte, sei herzlich eingeladen. Doch amüsant ist die Polarisierung längst nicht mehr. Der Sitzungspräsident holte zum Rundumschlag aus, war tatsächlich zum „Obermessdiener“ der „Opas gegen Rechts geworden“. Mit Fuchtel und Keule gegen Trump und Russland, vor allem aber gegen den Populismus der Patrioten wetterte er. Seine ideologische Verortung blieb kein Geheimnis, Manege frei für „das Gute“. Standing Ovations brachte die Kanzelpredigt, wie handverlesen wirkte das Publikum. Nordkorea hätte es kaum besser machen können, den Gleichklang des Applauses. Einst nahm man die Regierenden aufs Korn, jetzt arbeitet man sich an der Opposition ab. Aufwiegeln und Hetzen scheint das Motto, ein dreifach kräftiges „Helau!“ auf die Subtilität einer damals so angesehenen Veranstaltung, die vor Vielfalt glänzte. Heute gibt es nur noch einen Gegner, auf den man sich einschießt. Auch im Bayerischen Rundfunk lief es kaum anders. Bei „Fastnacht in Franken“ wurde Alice Weidel zur „bösen Zauberin“ degradiert, die den Spiegel fragte, wer „die Rechteste im Land“ sei. Witz, lass nach, du bist längst umzingelt.
Karneval als Helfershelfers für Hetze gegen Opposition und Anderdenkende…
Schließlich fällt es mit klarem Denken schwer, diese Form der Demagogie nicht zwangsläufig als einen Teil des Manövers von Verächtlichmachung, Repression und Zensur wahrzunehmen. Komisch verpackt, mit der Larve der Gemeinnützigkeit überdeckt. Man tut einem Miteinander nichts Gutes, wenn man in die Kerbe der Spaltung einschlägt. Auch am Rosenmontag ist zu erwarten, dass die Umzüge den gleichen Tenor tragen. Putinhörigkeit könnte AfD wie BSW gleichermaßen angelastet werden, so verlautbarten es die Wagenbauer in Köln. Eine blaue Schlange wurde angekündigt, die den naiven „Dummbürger“ hypnotisiert, ganze Teile des Souveräns verunglimpft. Ähnlich will man sich wohl auch in Düsseldorf und andernorts auf den Weg machen. Ein Schwerpunkt soll offensichtlich das Thema „Social Media“ sein. Die Verantwortlichen möchten aufzeigen, wie dreist sich gerade junge Menschen über die Virtualität von der Alternative für Deutschland blenden lassen. Man kommt also nicht ohne Hass aus, zwischen Kapelle und Kamelle. Eigentlich erbärmlich, wie niveaulos eine Tradition geworden ist. Man merkt, dass sich unsere Kultur in Verdrängung befindet.
Der gemütliche und versöhnende Charakter ist längst der Brandmauer zum Opfer gefallen…
Comedians und Satiriker versuchen sich auf der Bühne im neudeutschen „Bashing“. Allzu oft im Mittelpunkt sind Björn Höcke oder Tino Chrupalla. Ob sich erneut jemand hinreißen lässt zur plumpen Wortgewalt des „Haufens ungehobelter Arschlöcher“, wie es Lars Reichow in früheren Jahren bereits tat, bleibt abzuwarten. Die Gratwanderung zwischen Volksverhetzung und Kunstfreiheit dürfte allerdings weitergehen. Schließlich kommen sich diejenigen besonders sicher und selbstbewusst vor, die auf eine linksgrün gefärbte Justiz vertrauen, wenn sie einmal über die Stränge schlagen. Da kann man sich wohl alles erlauben, wenn der Feind der politisch „richtige“ ist. Nepper, Schlepper, Bauernfänger, die den Zuschauer um den Verstand bringen. Was waren das noch für Zeiten, als man sich einig darüber war, dass die Eliten Objekt der närrischen Begierde sind. Heute werden Friedrich Merz und Lars Klingbeil geschont, ihr Versagen bleibt unausgesprochen. Zumindest zwischen Konfetti und Klamauk, dort hat nun die Schlichtheit Platz genommen. Bunt geschminkt, ein „Humba Humba Tätärä“ der schnöden Propaganda.







