Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Vorwurf der Vetternwirtschaft: Wer mit wem? Die dubiosen Geflechte in der AfD“ (aus: „ntv“ vom 21.02.2026)
Da müht sich die etablierte Medienlandschaft ab, aus einer moralisch zweifelsohne anrüchigen Häufung von familiären Überkreuz-Anstellungen in der AfD einen beispiellosen Skandal zu konstruieren. Doch das Manöver scheint nicht wirklich zu ziehen. Allein in den ostdeutschen Bundesländern zeigen sich die Umfragen wenig beeindruckt von den aufgekommenen Verstrickungen. Ist unsere Gesellschaft bereits so sehr abgestumpft, an den Nepotismus gewöhnt? Die Alternative für Deutschland wollte sich abheben von den restlichen Parteien. Sie hat sich rechtlich nichts vorzuwerfen, wird allerdings künftig mit dem Prädikat sparsamer umgehen müssen, tatsächlich eine integre Option zu sein. Dass man ihr die durchaus fadenscheinige Behauptung abzunehmen scheint, aus Sorge vor Unterwanderung durch den Verfassungsschutz und aufgrund fehlenden Personals auf Verwandte zurückzugreifen, dürfte nicht zuletzt auch damit zusammenhängen, dass die Öffentlichkeit müde, träge und lethargisch geworden ist. Sie sehnt sich nach Veränderung, um jeden Preis, nimmt Bagatellen hin.
Wenn man den Steuermissbrauch durch die Regierung erfasst, relativiert sich so Einiges…
Denn im Verhältnis haben sich die „Blauen“ nicht sehr viel schlechter verhalten als Union, SPD, Grüne oder FDP. Denn überall ist Vetternwirtschaft ein Thema. Sie muss keine juristische Relevanz besitzen, es genügt der augenscheinliche Eindruck, seine Angehörigen angemessen, aber eben doch mit Steuergeld entlohnt zu haben. Doch weil mittlerweile Milliarden in die Transformation, in unser Sozialwesen und ins Ausland fließen, scheinen ein paar hunderttausend Euro den Kohl nicht mehr Fett zu machen. Das Gebaren ist offensichtlich misslungen, aus einer proportional wie eine Mücke wirkenden Affäre einen Elefanten zu machen. Ohnehin gehen Journalisten ein hohes Risiko ein, ausgerechnet im Wahlkampf auf solche Schiefstände zu stoßen. Denn da haftet schnell die Vermutung an, nicht zu Aufklärung und Transparenz beitragen zu wollen, sondern Sensationsberichterstattung für Aufmerksamkeit, Quote und Verkaufszahlen abzuliefern. Einem Wettbewerber kurz vor dem Urnengang bewusst schaden zu wollen, das hinterlässt einen faden Beigeschmack beim Souverän.
Ausgerechnet vor Landtagswahlen zu skandalisieren, verzeiht der Souverän nur schlecht…
Schon allein deshalb scheint er zu verzeihen, sich weiterhin auf die Seite derjenigen zu schlagen, denen man nur schwerlich Vorsatz unterstellen kann, wenn es um das bewusste Betrügen und Täuschen der Allgemeinheit geht. Gänzlich ausräumen lässt sich die Argumentation nicht, in einer gewissen Zwangslage zu sein. Immerhin dürfte sich die Zahl der Bewerber, die einen Job in der AfD-Bundestagsfraktion annehmen würden, tatsächlich in Grenzen halten. Natürlich ist das keine Entschuldigung dafür, die halbe Sippschaft bei befreundeten Mandataren unterzubringen. Doch die Schwere dieses Versäumnisses hat ein anderes Gewicht, man kann das Messen mit zweierlei Maß zumindest nachvollziehen. Natürlich wurde Wasser gepredigt und Wein getrunken. Doch wenn man sich ehrlich macht, dann dürfte es ab einer gewissen Aufenthaltsdauer im System einigermaßen schwerfallen, von gewissen Vorzügen die Finger zu lassen. Das Problem ist die Überbewertung, welche die investigativen Kollegen momentan betreiben. Damit forcieren sie die Opferrolle der Partei, wenigstens fahrlässig.
Die Aufregung der Union ist durchsichtig angesichts ihrer eigenen Kumpanei-Geschichte…
Inwieweit es die notwendige und richtige Konsequenz ist, nunmehr Gesetzeslücken schließen zu wollen, scheint eine ziemlich überflüssige Debatte, weil man längst hätte handeln können. Ob nun Graichen oder Spahn, der gigantische Komplex im Bayerischen Landtag von 2013, als bekannt wurde, dass gleich 79 Mitglieder des Parlaments – insbesondere der CSU – eine Übergangsregelung nutzten, um Ehepartner, Eltern oder Kinder als Mitarbeiter auf Staatskosten zu beschäftigen: Wer ernsthaft willig gewesen wäre, Kungelei zu stoppen, hätte bereits früh ansetzen können. Doch komischerweise sieht man sich erst zum Handeln veranlasst, wenn die Alternative für Deutschland der Protagonist ist. Wieder einmal sollen es Nebelkerzen richten, statt die wirklich drängenden Fragen zu stellen. Weshalb baut unsere Regierung ihren Beamtenapparat immer weiter aus? Mit welchem Recht werden ständig neue Beauftragte ernannt? Wieso werden Kanzleramt und Schloss Bellevue mit Unsummen renoviert? Warum erhöhen sich die Mächtigen ihre Diäten selbst? Und wann hat das Mauscheln in Ministerien ein Ende?








