Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Siegmund fordert Duell mit Ministerpräsident Schulze“ (aus: „Mitteldeutsche Zeitung“ vom 26.03.2026)
Wenn am kommenden Sonntag in Sachsen-Anhalt gewählt würde, käme die AfD auch weiterhin unangefochten auf Platz 1. Sie ist der absoluten Mandatsmehrheit noch immer nahe, obwohl doch eigentlich ein vermeintlicher Skandal auf dem Tisch liegt. Zumindest hatten zahlreiche Medien eine Vetternwirtschaft-Affäre heraufbeschworen. Verschiedene Politiker sollen Familienangehörige über Kreuz bei Abgeordneten der eigenen Partei angestellt haben. Kurzzeitig gab es einen Aufschrei der Empörung, doch dann kam nicht nur das internationale Geschehen dazwischen. Auch die Reformvorschläge aus Berlin und die gesellschaftliche Debatte über Collien Fernandes haben den Fokus weggelenkt von möglichen Missständen in der Alternative für Deutschland. Doch ist es allein die nachlassende Aufmerksamkeit, welche ihr im Osten zugutekommt? Oder scheint sie schlichtweg immun gegen schlechte Nachrichten, wird sich auch dann behaupten, wenn der Gegenwind besonders harsch weht? Vielleicht kann man es auf einen Nenner bringen: Man hat sich letztlich nicht schlechter verhalten als die ideologischen Konkurrenten, ist ihnen diesbezüglich ebenbürtig, steht noch unter Bewährung.
Da gab es moralisch anrüchige Vorgänge, die aber nicht schlimmer waren als bei Anderen…
Der vernunftorientierte Beobachter wendet – im Gegensatz zur aufgescheuchten Journaille – keine zweierlei Maßstäbe bei der Bewertung an. Der Souverän nimmt es kaum übel, was da möglicherweise schiefgelaufen ist in moralischer Hinsicht. Denn auch CDU, Grüne oder SPD stehen immer wieder im Verdacht, dem Nepotismus zu frönen. Vielleicht war die Argumentation überzeugend, dass es die AfD besonders schwer hat, geeignete Mitarbeiter von extern zu finden, die nicht dem Verfassungsschutz zuschustern, sondern vertrauensvoll und loyal sind. Wahrscheinlich scheint hingegen, dass nur sie es ist, die in den Augen vieler Sympathisanten inhaltlich in der Lage wäre, tiefgreifende Reformen und strikte Veränderungen in der Republik herbeizuführen. In dieser Hinsicht bleiben auch bundesweit Weidel und Chrupalla zumindest so lange uneingeschränkt glaubwürdig, bis sie in Regierungsverantwortung das Gegenteil beweisen. Und mit diesen Vorschusslorbeeren geht man auch in Magdeburg ins Rennen. Hinzu kommt die charismatische Ausstrahlung des Spitzenkandidaten. Im Vergleich zum Christdemokraten Sven Schulze wirkt Ulrich Siegmund authentisch, lebendig, bürgernah und erfrischend.
Unter dem Strich überwiegen die Richtungsentscheidung und die Systemfrage das Bild…
Er kleckert nicht nur, er klotzt. Er gilt als ein Hoffnungsträger, als Galionsfigur in einer Epoche voller Depression. Doch nicht nur seine Erscheinung lässt jeglichen Zweifel wie an Teflon abperlen. Seine Ankündigungen muten durchgreifend an, nicht nur mit Blick auf den ÖRR. Der Wirtschaftspsychologe kann den Puls der Zeit fühlen, er geht auf die drängenden Probleme ein, legt den Finger in die Wunde, ist als kalibriertes Fieberthermometer in der Lage, genau jene Themenfelder auszumachen, die auf den Nägeln brennen. Und im Gegensatz zu seinem Widersacher kommt er nicht erst kurz vor Schluss mit Versprechungen um die Ecke, war von Anfang an couragiert. Die Konservativen erweisen sich dagegen als Nachklapp, auf einer Aufholjagd, in der man alles in die Waagschale schmeißt, obwohl man doch eigentlich wissen müsste, wie sehr das Prädikat des Umfallers anhängt. Entsprechend unbeeindruckt zeigt sich nicht nur das Stammklientel der AfD von offensichtlichen Manövern, ihren gesamten Leumund diskreditieren zu wollen. Einzelne Vertreter mögen sich nicht gänzlich korrekt gegeben haben. Strafrechtlich relevant war jedoch nichts an der Praxis etwaigen Klüngels.
Das ungleiche Duell: Ein blässlicher Schulze gegen einen vollmundigen Siegmund…
Schon allein deshalb verfängt der Anwurf kaum, sie hätten sich herausragend schäbig benommen. Außerdem scheint es um eine übergeordnete Abwägung zu gehen, eine Richtungsentscheidung, eine Systemfrage. In einer Blockbildung ist die Solidarität stets höher, sind die Bindungskräfte stärker. Dies gilt vor allem dann, wenn man einen gemeinsamen Gegner im Establishment hat. Mit einer Vision startet man durch, verbindet Radikalität in den Forderungen zu Remigration, Rundfunkstaatsverträgen, Sicherheit, Bildung und Infrastruktur mit einer Empathie für das Volk, mit Zugänglichkeit gegenüber dem kleinen Mann. Er gewinnt die Perspektive, wieder einmal ernst genommen zu werden. Siegmund reißt all jene mit, die genug haben vom „Weiter so“, die brechen wollen mit der Kontinuität. Dynamik statt Stillstand, Ausfall- statt Trippelschritte. Was möchte da ein Ziehsohn von Reiner Haseloff schon ausrichten? Farblos und weitgehend unbekannt ist Schulze, mimt eher die Beruhigungspille denn einen Motivationsschub. Man möchte keine Kopie, sondern das Original. Nicht Schwarz-Blau, sondern am besten die Alleinregierung. Mit Haut und Haar, unteilbar.








