„Leistung muss sich lohnen, das ist sozialdemokratisch“, sprach Franz Müntefering, als die SPD noch Mut zum Erfolg hatte…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Klingbeil-Rivale Hubertus Heil: Er könnte den SPD-Chef herausfordern. Traut er sich?“ (aus: DER SPIEGEL vom 27.03.2026)

Als ich vor über 20 Jahren in der SPD engagiert war, bin ich mir bewusst gewesen, welche denkwürdige Bedeutung diese Partei hat, die nun schon so viele Aufs und Abs in ihrer Vergangenheit, immerhin seit 1863, überstanden hat. Auch damals war es nicht immer einfach, sich zu ihr zu bekennen. Denn sie muss eine breite Schicht an Menschen zusammenhalten, die durchaus unterschiedlicher Auffassung sind. Und da kommt es zu Uneinigkeit, Rivalität und Neid. Was im Augenblick jedoch überwiegt, das ist ein enormes Defizit an Erneuerung. Sowohl in der Führungsebene wie auch an der Basis gewinnen Beobachter kaum den Eindruck, als finde ein echter Generationenwechsel statt, hin zu einem Nachwuchs, der auch abseits parlamentarischer und Ämtertätigkeit Erfahrung gesammelt hat. Die derzeitigen Figuren an der Spitze sind ohne jedes Charisma, Bärbel Bas reißt wahrlich die Wenigsten vom Hocker. Und der einstige Hoffnungsträger Lars Klingbeil hat an Farbe verloren, auch wenn er sich in der Koalition wie der Kanzler aufspielt, steht er doch für eine gewisse Orientierungslosigkeit an Strategie, Vision und Konzept.

Man wirft mit Milliarden um sich, nur nicht in Richtung der eigenen Stammwählerklientel…

Obwohl man sich dafür eingesetzt hat, Milliarden zu investieren, bleibt der Zuspruch aus. Zu begründen scheint diese mangelnde Mobilität unter einstigen Anhängern mit den schlichtweg falschen Schwerpunkten. Dort, wohin das Geld fließt, ist nicht etwa der kleine Mann Profiteur. Sondern insbesondere Nischensparten der Wirtschaft, die von Subventionen für den Klimaschutz zehren. Unsummen dürften in den Baustellen der Republik versinken. In der Rüstung, von der der einfache Bürger nur wenig Vorteil hat. Ein erhöhter Mindestlohn wird wiederum aufgefressen von Energiepreisen, höheren Abgaben an anderer Stelle, unter dem Strich bleibt weniger als ein Nullsummenspiel. Der Arbeiter und der Leistungsträger werden geschröpft. Und sie machen sich erstmals in der Historie Gedanken, ob tatsächlich die Sozialdemokratie noch der verbindliche, ordinäre und selbstverständliche Ansprechpartner des Mittelstandes ist. Die Inflation galoppiert, so richtig Einhalt gebieten möchte man ihr nicht. Die Konjunktur lahmt, weil man Firmen reguliert, gängelt und vereinnahmt. Der Motor stottert, denn er wurde transformiert.

Umverteilung vom Durchschnittsverdiener zu NGOs, Entwicklungshilfe und in die Ukraine…

Die Genossen sind mitschuldig an einer Entwicklung, die dem Volk Aufschwung, Prosperität und Wohlstand nimmt, Euronen über den halben Globus verteilt, NGOs unterfüttert, lobbyistische Geschenke macht. Sie geht weiterhin von der falschen Annahme aus, wir hätten ein Einnahmeproblem. Dass der Staat mit einem schier unendlichen Unterbau nicht zu Rande kommt, weil er in die Entwicklungshilfe pumpt, den Bürgergeldempfänger bis zum Exzess pampert, für immer neue Migranten die Arme offenhält, Rüstungspakete in Richtung der Ukraine genehmigt, den Beamtenapparat ausbaut, um gleichzeitig den Müllwerker bis über 70 schuften zu lassen, Mehrarbeit für den 60-Jährigen Dachdecker fordert, geht nicht zuletzt zurück auf die Verantwortlichkeit der Sozialdemokratie. Sie ist zum ideologischen Gegner derer geworden, aus dessen Antrieb sie ursprünglich gegründet wurde. Umverteilung wird vorangetrieben, dabei wesentliche Probleme der Gegenwart vernachlässigt. Die prekäre Sicherheitslage durch eine überproportionale Zahl an ausländischen Tatverdächtigen findet so gut wie nie Erwähnung, aus Sorge vor Ressentiments.

So wenig Wiedererkennungswert wie heute hatte die SPD seit 150 Jahren nicht mehr…

Vielleicht ist man bereits zu sehr unterwandert, wird getrieben durch eine Abhängigkeit von Wählerschichten, die nicht das Wohl des Volkes im Sinne haben, sondern allein den individuellen Vorteil. Da rackern wir uns ab, buckeln täglich. Doch dann kommt der Schlag mitten ins Gesicht, wieder einmal sollen es jene richten, die ohnehin schon sämtlichen Ballast dieser Gesellschaft auf ihren Schultern tragen. Programmatisch geht die SPD ins Leere. Bei den jüngsten Abstimmungen in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz war es lediglich jeder Dritte, der sich aus inhaltlichen Gründen für ein Kreuz bei den Genossen entschied. Denn welche Alleinstellungsmerkmale haben sie noch, abseits der schlichten Feststellung, Anwalt für die Bequemlichen und Auswärtigen zu sein? Einst war man Fürsprecher einer Klientel aus den Reihen der Automobil- und Chemieindustrie. Dort fischen nun CDU und AfD. Einen Hauch liberalen Denkens hätte es gebraucht, Anstrengung und Mühe müssen sich endlich wieder lohnen, so wäre die Botschaft gewesen, um Authentizität zurückzuerobern. Doch mittlerweile scheint der Zug abgefahren, nach nirgendwo.