Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „‚Wenn’s euch nicht passt, geht zurück‘ – Bürgermeister wegen Rassismusvorwürfen unter Druck“ (aus: WELT vom 17.07.2025)
Es ist das beschauliche Örtchen Vöhringen im baden-württembergischen Landkreis Rottweil, das aktuell durch seinen Bürgermeister in die Schlagzeilen gerät. Dieser soll sich Anfang Juli in der Auseinandersetzung über Parkplätze mit angeblich rassistisch beleidigenden Worten in Richtung einer türkischstämmigen Unternehmerfamilie geäußert haben. Während der hochgeschaukelten Empörung stellte er fest: „Wir sind hier in Deutschland – hier gibt’s Gesetze, an die auch ihr euch zu halten habt!“. Und er ergänzte offenbar: „Wenn’s euch nicht passt, geht zurück!“. Schnell machte sich über fast alle politischen Parteien Entsetzen breit, welches nunmehr das Gemeindeoberhaupt dazu veranlasste, sich nicht weiter zu dem Geschehen zu äußern. Zunächst hatte sich Stefan Hammer entschuldigt, wollte allerdings auf Rücktrittsforderungen nicht eingehen. Die Frage bleibt angesichts der Schilderungen nämlich auch, welchen Grund es gäbe, aus dem Vorfall Konsequenzen zu ziehen. Wo ist die diskriminierende Herabwürdigung alleine aufgrund der ethnischen Herkunft des Gegenübers, äußert man den Hinweis auf bei uns geltende Regeln – und den Anspruch der Mehrheitsgesellschaft, dass wir uns alle an selbige zu halten und sie nicht einseitig aufzukündigen haben? Schon heute driften wir einer Gemengelage entgegen, die Paradigmen leugnet und Chaos wie Anarchie frönt.
Wer auf unsere Leitkultur verweist, ist weder fremdenfeindlich noch würdelos!
Wer sich mit der Integration und Eingliederung in ein normatives Gefüge schwer tut, weil er möglicherweise andere Umgangsformen, Gesetze und Routinen aus seiner ursprünglichen Heimat gewohnt ist, dem darf man auch die provokante Abwägung vor Augen führen, ob es im Zweifel nicht besser scheint, sich in einen Kulturkreis zurückzubegeben, der den eigenen Erwartungen eher gerecht wird als das aus Traditionen und Prägungen gewachsene Wertefundament in Mitteleuropa, welches bei uns noch immer zur Anwendung kommt, sind Sitten oder Prinzipien zumindest dann unverrückbare wie tugendhafte Merkmale, welche wir als Minimalkonsens für ein auskömmliches Miteinander als Standard zu formulieren bereit sein dürfen, verfallen wir nicht ständig in einen Habitus der Unterwerfung und des Duckmäusertums. Blickt man auf höchstrichterliche Entscheidungen, gilt nicht einmal eine Parole wie „Ausländer raus!“ als prinzipiell verhetzend oder strafbar. Stattdessen ist es mit der Meinungsfreiheit kompatibel, sich in der ideologischen Positionierung auch ausdrücklich auf den Standpunkt zu stellen, dass wir keinesfalls dazu verdammt sind, aus einer falsch verstanden Sündenbocktheorie und dunkler Kapitel der Historie in fortwährender Bringschuld ein niederes Dasein zu fristen. Ohne die Egalität alle Mitglieder unseres Kollektivs in Frage zu stellen, ist Stolz kein Grund zur Scham.
Ohne Einigung auf den Minimalkonsens ist eine vielfältige Gesellschaft unmöglich!
Das oftmals verpönte Vokabular um die Assimilation entpuppt sich in Wahrheit als eine legitime Passivität, lässt sich selbst in einer Agenda des Binnen-Ethnopluralismus nicht vermeiden, dass diametral widerstreitende Interessen, Bedürfnisse und Vorstellungen aus anthropogenen Gründen spätestens dann konfrontativ aufeinandertreffen, vermeidet es die Überzahl, ohne einen verbindlichen Katalog an Vorbildern, Bedingungen und Dogmatik zu leben, die als Verhaltenskodex nur dann ihre Wirkung entfalten können, erklärt man sie zur indiskutablen Garantenstellung. Ohne die konkreten Geschehnisse vor Ort zu kennen, nehmen wir doch immer häufiger kollidierende und divergierende Sichtweisen über das große Ganze wahr, um in diesem Affront auf eine Zukunft zuzusteuern, in der immer mehr Potenzial für Feindseligkeit und Missgunst steckt. In einer solchen Konstellation braucht es Leuchttürme und Wegweiser, auf die wir uns im Konflikt und bei Uneinigkeit berufen können. Was lange Zeit auch von CDU und CSU als Leitkultur bezeichnet wurde, gilt unter „unseren Demokraten“ als rechtsradikal, begreift man es gerade in migrationsbejahenden Kreisen als schlichte Unverschämtheit, Gästen eine Hausordnung vorzusetzen. Diese Gesinnung von Gehorsam und Fügsamkeit passt allerdings nicht in ein Morgen, von dem das Gros formidabel abverlangt, schwarz-rot-gold beschaffen zu sein.