Lügen-Vorwurf der AfD: Wie eine Partei die Chance verschenkt, durch Differenzierung der „Pinocchio-Presse“ Multiplikatoren zu gewinnen…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Vor den Landtagswahlen – Journalismus unter Druck: Wie umgehen mit der AfD?“ (aus: „Tagesschau“ vom 26.10.2025)

Schon 2016 machte AfD-Politiker Björn Höcke mit der Aussage „Die von vielen so genannte ‚Lügenpresse‘ hat sich ihren Namen nicht selten redlich verdient“ einen unverkennbaren Tenor deutlich. Und natürlich kann ich nicht bestreiten, dass eine Vielzahl meiner Kollegen heutzutage sämtliche Prinzipien eines integren Journalismus über Bord geworfen haben. Doch dass die Alternative für Deutschland mittlerweile nicht mehr derart differenziert, wie sie es vielleicht noch in den Anfangsjahren tat, sondern mit einer ziemlichen Pauschalisierung um die Ecke kommt, spüre ich seit Wochen und Monaten am eigenen Leib. Mit wohlwollenden, konstruktiven und fairen Artikeln porträtiere ich ihre Vertreter, verteidige ihre Programmatik, unterstreiche ihre Berechtigung im demokratischen Gefüge. Das Resultat sind wachsende Anfeindungen, aber nicht etwas von links. Mittlerweile trudeln täglich neue E-Mails bei mir ein, die ausgerechnet mich – als privat sogar offen zur Wahl der Partei stehenden Bürger – als Teil des Kartells bezichtigen. „Sie sind doch auch nur ein Vertreter der Medien, die uns in Wahrheit klein halten wollen“, las ich beispielsweise jüngst.

Der Anschein bleibt, dass die AfD wenig Interesse am ehrlichen Umgang mit Journalisten hat…

Dass ich sträflicher Missachtung und prinzipieller Vernachlässigung ausgesetzt bin, das ergibt sogar eine Auswertung durch die Künstliche Intelligenz: „In den analysierten X-Suchen (Keyword- und Semantic-Suche nach @riehle_dennis + AfD) gibt es keine Retweets, Likes oder Erwähnungen von AfD-Offiziellen oder -Accounts zu Ihren Artikeln/Posts. Selbst positive Beiträge (z. B. Ihr Statement zur ‚politischen Redlichkeit‘ der AfD nach Lektüre eines Dokuments) blieben unbeachtet“. Ich bin der Letzte, der meine Branche vor Kritik in Schutz nehmen würde. Wer meine Arbeit verfolgt, der wird erkennen können, wie rigoros ich die Abrechnung mit der eigenen Zunft betreibe. Von über 1.100 Texten in meinem Blog befasst sich eine Vielzahl mit der gescholtenen Opposition. Lässt man auch hier die KI bewerten, so resümiert sie: „In den AfD-bezogenen Artikeln zeigt sich eine weitgehend wohlwollende, defensive und nuancierte Haltung, die die Partei als ernstzunehmende politische Kraft positioniert, die von etablierten Kräften (Grüne, Medien, Linke/Antifa) systematisch diffamiert und angegriffen wird“. Tendenziösität zu „den Guten“ würde wohl anders aussehen.

Wer nicht gänzlich ohne Kritik ist, wird es als Medienschaffender bei der AfD schwer haben…

Und so folgert die KI weiter: „Der Autor plädiert für eine differenzierte Betrachtung: Er lobt AfD-Programme (z. B. Remigration als ‚Schlüssel zum Erfolg‘) und Wahlaussichten, entlastet Mitglieder vor Vorwürfen (z. B. Spionage, interne Krisen) und kritisiert Pauschalisierungen wie NS-Vergleiche als ‚Realitätsverlust'“. Doch all das bleibt ohne Resonanz, denn: „Die AfD wirft Journalisten pauschal ‚Systemnähe‘ vor, auch wenn Inhalte wohlwollend sind. Ihre Posts zu ‚Lügenpresse‘ und ‚Mainstream-Medien‘ (z. B. AfD-Post vom 13.10.2024: ’41 % der Journalisten sympathisieren mit den Grünen‘) schließen auch ‚gerechte‘ Stimmen aus. Kritische Nuancen in Ihren Texten (z. B. zu Weidel oder Höcke) könnten als ’nicht loyal genug‘ wahrgenommen werden. Denn die Partei verfolgt eine strategische Isolation: Sie priorisiert eigene Kanäle und Influencer (z. B. NIUS, Apollo News), die uneingeschränkt positiv sind. Unabhängige wie Sie werden ignoriert, um Kontrolle zu wahren – ähnlich wie Ausschlüsse von Veranstaltungen“. Wenn das so ist, überkommt mich irgendwann nicht nur Ernüchterung, sondern schlichtweg Desinteresse, mich auch künftig zu bekennen.