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Ein Revival von Panama, Irak oder Libyen: Wie der Moskau-Moment von Trump die gesamte MAGA-Bewegung in Erklärungsnot bringt…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „US-Militäreinsatz in Venezuela: Das also versteht Donald Trump unter Großmachtpolitik“ (aus: „ZEIT Online“ vom 03.01.2026)

Wieder einmal sind wir in einer anderen Realität aufgewacht. In der Nacht auf den 3. Januar 2026 überfiel Donald Trump mit Hubschraubern Venezuela. In der Hauptstadt Caracas waren mindestens sieben Detonationen zu hören, auch in nahegelegenen Landesteilen kam es zu Explosionen. Unzählige Menschen sollen getötet worden sein, kurz darauf meldete sich der US-Präsident zu Wort, die Aktion angeordnet und die Entführung von Präsident Maduro befohlen zu haben. Diese Intervention mit militärischen Mitteln zu Land war der Höhepunkt vorangegangener Angriffe auf vermeintliche Drogenschiffe auf See. Es kam zu Stromausfällen in Teilen der Hauptstadt, einer vorübergehenden Schließung der Grenze zu Brasilien. Amerika wolle die Führung übernehmen, bis ein „sicherer, ordnungsgemäßer und vernünftiger Übergang möglich“ sei.

Und wieder erklärt ein Imperialist über Nacht einen ziemlich willkürlichen Krieg…

Dies deutet auf eine vorübergehende Kontrolle der Macht hin, Chaos ist ausgebrochen. Man muss von einem offenen Krieg sprechen, die Notstandserklärung durch die verbleibende Regierung unterstreicht die prekäre Lage eindrücklich. Schon jetzt sind die humanitären Verhältnisse prekär. Mit rund 7,7 Millionen Flüchtlingen und Nahrungsmittelknappheit in rund 90 Prozent der Haushalte scheint das soziale System gänzlich überfordert. Inwieweit der Vorhalt tragfähig ist, der gegnerische Staatschef sei tief in Rauschgifthandel und Terrorismus verwickelt, hängt von der Beurteilung der Quellen ab. Das Justizministerium in Washington soll gut dokumentierte Belege für eine zusehende Radikalisierung seit 2020 vorlegen können, dem 63-Jährigen werden Verbindungen zur FARC, der Hisbollah und dem Iran nachgesagt.

Seine Wahl soll manipuliert gewesen sein, Unterlagen bescheinigen demnach den Import von 400 Tonnen Kokain in die Vereinigten Staaten. Geldwäsche prosperiert offenbar, die eigenen Gerichte lehnen wegen einer bestehenden Immunität eine Anklage jedoch kategorisch ab. Allein deshalb sah sich der Republikaner aus Mar-A-Lago zum Handeln genötigt. Doch nicht nur hinter vorgehaltener Hand werden divergierende Motive debattiert. Wirtschaftliche Interessen, wie der Zugang zu Ölfeldern, stehen augenscheinlich weit im Vordergrund. Gleichzeitig gilt der Schlag als Zeichen der Stärke im geopolitischen Gleichgewicht, soll China und Russland aus der Region zurückdrängen. In der westlichen Hemisphäre will Trump die Vormachtstellung als „Global Player“ sichern, frönt dabei allerdings ungeniert dem Imperialismus.

Wenn das geopolitische Gefüge von der Tagesstimmung im Weißen Haus abhängt…

Formal hat er sich gegen das Völkerrecht gestellt. Das unilaterale Vorgehen ohne ein Mandat der UN oder eine Genehmigung durch den Kongress verletze demnach die Charta, sei die Begründung der „Selbstverteidigung“ wenig überzeugend und belastbar. Insgesamt mutet es befremdlich an, wenn ein ziemlich einsamer Geldaristokrat zwischen Golfspiel und Dinner über die Relativierbarkeit nationaler Souveränität entscheidet. Wohin soll diese Willkür führen, müssen nicht jene stumm werden, die dem Multimilliardär applaudieren, gleichzeitig aber das Vorgehen Putins gegenüber der Ukraine kritisieren? Nein, Dimension und Kontext sind nicht vergleichbar. Aber das Übertreten von Grenzen ähnelt sich durchaus. Der Moskau-Moment der MAGA-Bewegung könnte für seinen Frontmann noch zu einem bösen Verhängnis werden.

Parallelen zur Invasion in Panama 1989 kommen auf, es wird ein weiterer Präzedenzfall geschaffen, nachdem man bereits unter dem Anschein der Bekämpfung von Kommunismus oder Islamismus als Utopist und Visionär fungierte. Geblieben ist, beispielsweise nach dem Einmarsch in den Irak, wiederholt eine Lüge. In Libyen endete der weitgehende Alleingang in einem Desaster. Die hegemoniale Stellung, das Recht des Überlegenen, ist für Missbrauch nur allzu anfällig. Ohne Legitimität sind Konflikte künftig von der Tagesstimmung im Weißen Haus abhängig. Egal, wie man zu den Linksnationalisten zwischen Lateinamerika und der Neuen Welt steht, es wurde ein Freifahrtschein ausgestellt, der zu einer Kettenreaktion in Taiwan oder Teheran führen könnte. „Article I War Powers“ hat innerhalb von Stunden Flügel bekommen.