Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Erste Umfragen vor Landtagswahl in Baden-Württemberg: AfD im Aufwind – Özdemir nur Außenseiter“ (aus: „Merkur“ vom 08.12.2025)
Seit 2011 wird Baden-Württemberg von den Grünen regiert. Doch nunmehr tritt Ministerpräsident Kretschmann in den Ruhestand, würde sich natürlich Cem Özdemir als Nachfolger wünschen. Derzeit sehen die Umfragen jedoch die CDU deutlich vorne. Ob Manuel Hagel tatsächlich in die Villa Reitzenstein einziehen wird, hängt auch vom Abschneiden der AfD ab. Und auch wenn manch einer ihrer Vertreter im Wahlkampf ziemlich abgehoben und weltfremd daherkommt, so weiß der Landesverband zahlreiche Glanzlichter in seinen Reihen. Ich denke da beispielsweise an den 28-jährigen Lukas Huber. Er tritt als Direktkandidat im Neckar-Odenwald-Kreis für die Abstimmung im März an, engagiert sich darüber hinaus an der Basis und in den sozialen Medien. Der gelernte Mathematiker erhielt bei seiner Nominierung 87 Prozent, beschreibt sich selbst als „badisch-basiert“.
Badische Verwurzelung mit einem Hang zu Remigration, Allgemeinwissen und Demokratie…
Seine politischen Überzeugungen drehen sich vor allem um die völlig entfesselte Migration. Er betrachtet die Grenzöffnung aus 2015 als Ursache für viele Probleme der Gegenwart, fordert konsequente Abschiebungen und eine umfassende Reform des Asylwesens. Darüber hinaus ist ihm das Gesundheitswesen ein großes Anliegen, weshalb er sich für die finanzielle Entlastung von Kliniken genauso einsetzt wie gegen eine Zentralisierung von Krankenhäusern und Arztpraxen. Er lehnt den weiteren Ausbau von Windkraft ab und will als möglicher Abgeordneter seine Kompetenzen nutzen, um diesen Irrweg der Transformation zu stoppen. Hinsichtlich der Schulen soll nach seiner Auffassung der künftige Schwerpunkt in der Vermittlung von praktischem Wissen und der Allgemeinbildung liegen. Der Buchener plädiert, linke Ideologien aus dem Klassenzimmer herauszuhalten.
Die Heimatliebe müsse gefördert werden, von Zuwanderern sollte man Anpassung abverlangen können. Es sei nicht länger hinzunehmen, dass in Vereinen, Organisationen oder in der Kirche gegen die Alternative für Deutschland gehetzt werde. Der studierte Master unterstützt das christliche Bekenntnis, will Familien als Anker unserer Gesellschaft beiseitestehen. Seine Partei betrachtet er als Schutz vor Demokratiefeindlichkeit, hat ein Herz für Aussiedler und Vertriebene. Das drohende Verbot der „Blauen“ beurteilt er als einen „Psychotrick“, sieht die Zahlen zu den Flüchtlingsströmen in die Republik durch das Innenministerium als geschönt an. Er entlarvt die Antifa regelmäßig ihrer Gesinnung, beklagt die Mentalität von Denunziation oppositioneller Kräfte in der Öffentlichkeit. Seine Hoffnung für morgen liegt in Siegmund, Holm und Berndt gleichermaßen.
Da macht sich jemand eigenen Gedanken, ohne ein Nacheifern hinter jedem Hype…
Der nebenberufliche Privatlehrer steht mit Konsequenz für Prinzipien ein, springt nicht über das Stöckchen jeglichen Trends. Er sieht Verantwortung vor allem bei der herrschenden Klasse, nicht zwingend bei denen, die auf Zuruf nach Mitteleuropa gekommen sind. Seine differenzierte Denkweise zeichnet ihn aus, er gehört weniger zu jenen, die komplexe Sachverhalte bagatellisieren, vereinfachen oder zu plumpem Populismus nutzen. Die Wurzel eines wesentlichen Übels macht er im veränderten Staatsbürgerschaftsrecht aus, der fehlende Anspruch an Assimilation verhindere das Integrieren in die hiesige Kultur. Er geht mit politischen Gegnern wie dem „Team Freiheit“ hart ins Gericht, begründet dabei seine Meinung fundiert. Der in der wunderschönen Provinz zwischen Adelsheim und Walldürn aufgewachsene Patriot hebt sich angenehm von jeder Pauschalität ab.
Menschlich empfinde ich sein Auftreten als überaus respektvoll, er gibt sich nicht zuletzt deshalb charakterstark, weil er Hochnäsigkeit, Ignoranz und Übermut beiseitelässt. Die Nahbarkeit prädestiniert ihn als potenziellen Volksvertreter im Parlament von Stuttgart. Er mag nicht die lauteste Stimme sein, aber genau das macht seinen Unterschied fest. Da lässt sich jemand in die Tiefe der Analyse herab, tut sich nicht leicht mit der Argumentation. Wie wohltuend ist eine solche Nuancierung in Zeiten, die allzu sehr von Oberflächlichkeit lebt, von Führungs- und Galionsfiguren, von bloßer Aura statt fachlicher Integrität. Möge Huber zum Brückenbauer zwischen den Lagern werden, er hat einen mahnenden wie versöhnenden Tenor in seiner Sprache. Diesen hohen Wert könnte auch der Souverän goutieren, die Chancen stehen nicht schlecht.







