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125 Euro pro Tonne CO2, 100.000 Euro für ein neues Seenotrettungsschiff: Ob die Gläubigen wissen, wofür die Kirche ihre Steuern verwendet?

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Kirchenaustritte und Sterbefälle: Warum die Kirchen jetzt sparen müssen“ (aus: „ZDFheute“ vom 26.12.2025)

Eigentlich kann ich schon längst nicht mehr mitreden, denn ich habe bereits vor vielen Jahren auf dem Standesamt vorgesprochen. Eine wachsende Zahl an Menschen wendet sich von der Kirche ab, aus unterschiedlichen Gründen. Zunächst war es der Missbrauchsskandal, der die Austrittswelle beschleunigte. Insgesamt säkularisiert sich die Gesellschaft, in Teilen wird der Gottesbezug brüchiger. Doch gerade in den vergangenen Dekaden kam ein weiterer Aspekt hinzu, weshalb sich auch altgediente Schäfchen dazu entschieden, einem irdischen Konstrukt Lebewohl zu sagen, das den Bezug zur Bibel verloren hat. Entstanden ist an vielen Orten eine knallharte und überzeugte Szene des Linksaktivismus. Gebetsräume wurden umfunktioniert zu einer großen Bühne zeitgeistiger Moralpredigten, von der Kanzel herab hörte man nicht mehr das Evangelium von Jesus, sondern Worte der heiligen Luisa, die Botschaft des Regenbogens, Verse von „Pro Asyl“. Beschallung um Sonntagmorgen, Viertel vor zehn.

Zwischen Sonntagspredigt und Klimademonstration sind die Unterschiede gering geworden…

Die Institution hat sich politisiert, ganze Mehrheiten innerhalb des Bodenpersonals sind auf den Zug der Anbiederung aufgesprungen, huldigen „dem Guten“, machen sich zum Märtyrer für „unsere Demokratie“. Eigentlich sollte die Erzählung über schwarze Schafe eine Läuterung sein, sich nicht zum Richter aufzuspielen, Mitchristen ohne Vorurteil zu begegnen, statt sie nur deshalb auszugrenzen, weil sie auf dem Stimmzettel eine andere Partei wählen. Nächstenliebe gilt für den Fremden aus unbekannten Sphären, aber nicht für den unmittelbaren Nachbarn, der die AfD unterstützt. Ein Vaterunser für das Klima, ein Ave Maria um des fünften Geschlechts willen. Spenden für die Seenotrettung, Kollekten an afghanische Ortskräfte. Bundesweit rief man 2022 zu „OutInChurch“ auf, einer Aktion von 125 sich „queer identifizierenden Mitarbeitenden“, unter dem Segen der Bischöfe, im Geiste einer schöpfungskritischen LGBTI-Pastoral. Was der Mensch zusammengefügt hat, soll Gott nicht scheiden?

In katholischen Schulen wird das Dokument „Geschaffen, erlöst und geliebt“ besprochen. Es soll die Sichtbarkeit von Homosexualität und Transgendertum fördern, im Zeichen des „Synodalen Weges“ stehen. Offiziell erhält man das Amen in Berlin, egal, für welche Art der Beziehung. In der Erzdiözese München und Freising führt man Workshops durch, um Intergeschlechtlichkeit nicht länger inakzeptabel zu machen. Ähnlich verhält es sich in den Bistümern Köln, Osnabrück, Hildesheim, Freiburg, Limburg und Dresden-Meißen. Überall gilt Sensibilität mit Blick auf das, was die Heilige Schrift nicht kennt. Eine sexuelle Identität nach Tagesform, allein dem situativen Gefühl entsprechend. Biologisch, evolutionär und mit der Geburt zugeschriebene Merkmale gehören der Vergangenheit an, von einer Ordnung, wie sie der Herr geschaffen hat, nimmt man Abstand. Wegen einer falsch verstandenen Gnade, einem Hang zur Beliebigkeit, rücken wir der Offenbarung des Johannes rigoros näher.

Die Liebe zu den Fernen, die Kälte zu den Nächsten: Biblische Absurdität im Gottesraum…

Die EKD veröffentlichte 2025 ihre „10 Überzeugungen zu Flucht und Integration“. Die Broschüre plädiert gegen Abschottung und Entrechtung von „Schutzsuchenden“, fordert Hilfe wie „Brotgeben“ und Obdach. Dass wir mit unseren begrenzten Ressourcen nicht den Globus retten können, das Gleichnis des barmherzigen Samariters zunächst einmal Solidarität mit dem unmittelbaren Nachbarn einfordert, bevor man sich mit Geschöpfen aus der Ferne befasst, die nicht immer mit jenen hehren Absichten zu uns kommen, die uns eine grünäugige Naivität vermitteln will, wird ignoriert. Doch wie sagte schon ein einstiger Bundespräsident, dass die Herzen weit sind, die Möglichkeiten aber begrenzt. Vielfalt und Toleranz leiten jene aus den Testamenten ab, die noch nie etwas gehört haben vom Vorrangigkeitsgebot des eigenen Volkes, zu finden in Deuteronomium, Levitikus und der Apostelgeschichte. Dass man sich vor Ausreisepflichtige stellt, 100.000 Euro für ein Seenotrettungsschiff gibt, spricht Bände.

Und dann ist da noch das Verständnis für die „Letzte Generation“, für zivilen Ungehorsam, für ein Festkleben auf Straßen und Wegen. Man ist selbst zu einer NGO geworden, überlässt Kreuz, Brot und Wein den Neubauers und Thunbergs dieser Welt. In der Nordkirche verabschiedete man 2015 das erste Klimaschutzgesetz, setzt sich für CO2-Reduktion in Mobilität, Beschaffung und Heizen ein, etablierte eine eigene „Infostelle für Bildung und Kampagnen“ vor Ort, ist Teil von „Churches for Future“. In Bremen will man bis 2035 die Emissionen eigener Gebäude um 90 Prozent senken, jede Gemeinde zahlt in Berlin-Brandenburg 125 Euro pro Tonne ausgestoßenem Kohlenstoffdioxid. 20 von 27 Bistümern haben Umweltbeauftragte, in der Region Würzburg wird der Energieverbrauch von Pfarreien unter der Überschrift „LIMIT25“ penibel dokumentiert. Und in Eichstätt stellt man seit 2013 alle Einrichtungen auf durch Photovoltaikanlagen gewonnenen Ökostrom um, ganz nach Plan. Na dann: Hirn und Schmalz, Gott erhalt’s.