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Ja, die Brandmauer muss weg! Doch eine Stimme für Blau ist deshalb noch längst kein Automatismus, lieber Markus Frohnmaier…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Vor BW-Landtagswahl 2026: Mehrheit offen dafür, dass andere Parteien mit der AfD zusammenarbeiten“ (aus: „Merkur“ vom 25.01.2026)

Das Jubelgeschrei des Markus Frohnmaier war groß, als die ansonsten so verhasste „Süddeutsche Zeitung“ plötzlich vermeldete, dass die Wähler in Baden-Württemberg mehrheitlich gegen die Brandmauer seien. Tatsächlich sind in einer von „dpa“ in Auftrag gegebenen „YouGov“-Befragung rund 50 Prozent gegen eine prinzipielle Abgrenzung von der AfD. 26 Prozent befürworten gar Koalitionen. Mit diesem Stimmungsbild stellt sich die Bevölkerung gegen das Vorgehen von CDU, FDP, SPD, Grünen oder Linken. Und es setzt diejenigen unter Druck, die der Auffassung sind, man könnte das „Problem“ mit einem Verbot lösen. An der tatsächlichen Machtverteilung ändern die neuesten Zahlen nichts, weiterhin würde sich ein Bündnis zwischen Manuel Hagel und Cem Özdemir ausgehen. Der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland sprach von einem „Hammer-Bericht“, lobt die Presse immer nur dann, wenn sie Reichweite erzeugt und auf der Seite der Blauen steht. Es ist ziemlich wagemutig, zu behaupten, die Christdemokratie sei nunmehr gezwungen, die Zusammenarbeit zu suchen. Natürlich ist die Unzufriedenheit mit den derzeitigen Verhältnissen riesig. Doch sie ist kein Blankoscheck dafür,  dass sich an der aktuellen Rangfolge im Zieleinlauf noch etwas ändert.

Bürgernähe sollte aus dem Herzen kommen, nicht inszeniert und gestellt wirken…

Frohnmaier selbst könnte allein deshalb Zünglein an der Waage sein, weil er als Außenpolitiker häufig nicht nur mit seinen Gedanken in Washington ist. In den sozialen Medien betont er zwar Bürgernähe,  kann dabei allerdings nur auf gestellte Aktionen mit Ulrich Siegmund in Uhingen, Karlsruhe oder vor dem Daimler-Werk verweisen, wo man Kaffee, Feuerzeuge und Gespräche mit Mitarbeitern anbot. Da wird schnell von „vollen Hallen“ und einer „tollen Stimmung“ gesprochen. Auf X kommuniziert er in der Regel allerdings nur mit „lieben Freunden“. Wer in der Breite an Unterstützung gewinnen will, der bewegt sich aus der Filterblase heraus, begibt sich hinab in die Niederungen des Souveräns, statt sich im Dienstwagen ablichten zu lassen, auf Galas über dem Teich zu brillieren oder sich für Interviews auf WELT zu rühmen. Inszenierungen sind keine Wirklichkeit, Echokammern keine Realität. Sein Bekanntheitsgrad scheint außerhalb der eigenen Reihen einigermaßen übersichtlich, im direkten Vergleich mit seinen Konkurrenten schneidet der nicht nur mit Blick auf Charisma und Beliebtheit wenig aussagekräftig ab. Da muss man sich schon Mut zusprechen, verpasst man es regelmäßig, kritische und konstruktive Stimmen in den Dialog einzubeziehen, sie zu adressieren.

Auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, das kann einem Wahlkampf den Abbruch tun…

Der Südwesten braucht einen Landesvater, der seine volle Konzentration auf die Probleme in Stuttgart, Freiburg, Ulm oder Heidelberg legt. Der Spagat zwischen hier und der Ukraine, thematisch vom Hochrhein bis nach Grönland, ist wenig überzeugend. Die Doppelfunktion belastet das gesamte Team um den Frontmann, der offensichtlich die Karriere bevorzugt, dem es nur an zweiter Stelle um das Wohl des Volkes in der Heimat gehen dürfte. Wirtschaft und Bildung sollten Priorität haben, nicht die Unterstützung für Trump oder Selenskyj. Die Sicherheit geht auf den hiesigen Straßen verloren, der Souverän braucht einen Ansprechpartner, der sich in Gänze auf die Herausforderungen und Nöte vor Ort fokussiert. Natürlich wird man Sympathisanten mobilisieren können, ob man weitere Schichten erschließt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Mich hat man nicht nur deshalb verprellt, weil man meine wohlwollende Kommentierung mit einer beispiellosen Ignoranz versieht, ich augenscheinlich unter Beobachtung derjenigen stehe, die sich nicht an meiner journalistischen Arbeit interessieren, sondern mich kontrollieren möchten. Es ist eine subtile Art der Missachtung, welche man jenen zuteilwerden lässt, die sich nicht zum prinzipientreuen Sprachrohr instrumentalisieren lassen.

Wenn die AfD wirkliche Alternative sein will, muss sie sich auch Kritikern gegenüber öffnen…

Es gab aus dem Dunstkreis der AfD gleichermaßen Versuche der Einflussnahme auf meine Berichterstattung, Einschüchterung nach skeptischen und zweifelnden Worten. Solch ein Beschneiden der Pressefreiheit nehme ich genauso übel wie Zuschreibungen von Unterstützern, die mich unter dem Begriff der „Lügenpresse“ subsumieren,  mich als „nützlichen Idioten“ betrachten, von mir bedingungslose Loyalität auch dann einfordern, wenn ich von ihnen selbst mit Dreck beworfen werde. Mittlerweile ließe sich ein ganzes Psychogramm erstellen, dass eine gewisse Scheinheiligkeit und Heuchelei offenbart, will man sich einerseits als Gegenentwurf zum etablierten System verkaufen, wirkt aber gleichermaßen in bekannten Machtzirkeln, mit den Mitteln von Druck und Konformität, im altbewährten „Freund-Feind“-Schema, wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Bei allem Respekt und in der Überzeugung, dass die Alternative für Deutschland zu den wenigen Optionen gehört, die in der gegenwärtigen Lage noch etwas reißen können, habe ich keine sadomasochistische Veranlagung, mich denjenigen anzubiedern, die mich ohne Skrupel zum Nestbeschmutzer degradieren.