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ICE, Trumps mörderische „Schergen“? Wie sich der „Focus“ in den Wirren um Minneapolis einen gravierenden Pressekodex-Verstoß leistet…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Proteste und Mahnwache in Minneapolis – Obama: Werte der Nation werden zunehmend angegriffen“ (aus: „Deutschlandfunk“ vom 25.01.2026)

Man kennt die Begrifflichkeit eigentlich nur in Bezug auf totalitäre Regime. Doch in Zeiten, die von Wortgewalt geprägt sind, gehen Superlative auch gestandenen Journalisten offenbar leicht über die Lippen. Der „Focus“ spricht von „Schergen“ mit Bezug auf die Einwanderungsbehörde ICE, von Handlangern Donald Trumps, die aktuell zum wiederholten Mal unter Verdacht stehen, einen wehrlosen Menschen getötet zu haben. Doch wie schon beim ersten Vorfall ist auch dieses Mal nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Als freundlich, hilfsbereit und engagiert wird der 37-jährige Alex Pretti beschrieben, der am 24. Januar 2026 in Minneapolis durch Schüsse eines Beamten ums Leben kam. Kann man das „U.S. Immigration and Customs Enforcement“, wie die Einsatztruppe mit ausgeschriebenem Namen heißt, tatsächlich auf eine Stufe stellen mit Terroristen in einem Willkürsystem? Oder hat ein hiesiges Medium wieder einmal gänzlich über die Stränge geschlagen, sich schon dem Vokabular nach seiner Voreingenommenheit entlarvt? Jedenfalls liegen die Dinge nicht so klar auf der Hand, wie sich das wohl manch ein Redakteur im fernen Deutschland gerne zurechtspinnen würde, um einem potenziellen Skandal zu frönen.

In der Redaktion scheint man dem Hass auf den US-Präsidenten freien Lauf zu lassen…

In der Verachtung mit Blick auf den amerikanischen Präsidenten, sein konsequentes Vorgehen gegen illegale Migration, vereinigen sich Philanthropen dieser Welt zu den Rächern eines Mannes, der zwar eine Waffenerlaubnis besaß und gemäß Videoaufnahmen zum Zeitpunkt des angeblichen „Mordes“ bereits seiner Pistole entledigt worden war. Doch ein entscheidendes Detail bleibt unerwähnt. Einer der Agenten, der ihm die Flinte aus dem Holster entriss, rief gleichzeitig: „He’s got a gun“. Dann eröffnete einer seiner Kollegen das Feuer. Es ist also nicht auszuschließen, dass es hier zu einem Kommunikationsfehler kam. Die Situation war derart dynamisch, unübersichtlich und von einer komplexen Gemengelage gezeichnet, dass es für den außenstehenden Beobachter nur schwer einzuschätzen scheint, inwieweit es in diesem Moment zu reflexartigen, voreiligen und auf Abstimmungsproblemen beruhenden Rückschlüssen kam. War sich der vermeintliche Täter bewusst darüber, dass eigentlich keine Gefahr mehr ausging? Kann man ihm Vorsatz vorwerfen? Handelte es sich um eine Überreaktion, Notwehr oder schlicht eine Verkettung von Umständen, an denen gleich mehrere Beteiligte ihren Anteil haben?

Vorsätzlichkeit zu unterstellen, statt die Unschuldsvermutung, ist mehr als ein „Schnitzer“…

Pretti war als sogenannter Beobachter vor Ort, hatte sich aber eifrig in die Maßnahme eingebracht. Er gilt als stringenter Gegner sämtlicher Versuche des Weißen Hauses, wieder Ordnung in die Fußgängerzonen zu bringen, illegale Einwanderer abzuschieben, Sicherheit durch die Ausweisung von Kriminellen herzustellen. Was ist dran an dem Bericht, dass der nunmehr in linken und liberalen Kreisen zum Märtyrer verklärte US-Bürger mehrere Dutzend Munition bei sich hatte? War schon allein deshalb Selbstverteidigung gerechtfertigt? Lokale Behörden werfen dem ICE Gewalt vor, Washington wiederum bezichtigt die Verwaltung, Chaos gestiftet zu haben und Einsätze zu behindern. Der Intensivpfleger ist kein üblicher Passant gewesen, sondern hat sich bewusst in der Nähe der Geschehnisse aufgehalten. Nahm er nur eine hilfsbereite und bürgerliche Rolle wahr? Oder hat er sich bewusst als Störer und Provokateur erwiesen? All diese Fragen müssen weitere Untersuchungen klären. Man wird einer Würdigung der Gesamtumstände allerdings nicht gerecht, bemüht man sich diesseits des Teichs um eine abschließende Bewertung. Wir sollten aufhören, Richter zu spielen, insbesondere als externe Dritte ohne Einblick in alle Zusammenhänge.

Warum war der Intensivpfleger vor Ort, weshalb schien er, schwer bewaffnet zu sein?

Er mag ein Veteran ohne Strafregister gewesen sein, kündigte wohl aber mehrfach an, den Razzien des ICE entgegentreten zu wollen. Es war wohl eine Konfrontation mit Vorlauf, die Eskalation möglicherweise sogar erwartbar. Wer in die Funktion eines ach so hehr klingenden „Legal Observers“ tritt, also sich eigenmächtig zum Überwacher eines staatlichen Eingreifens erklärt, der ist nicht unbedingt friedselig gesinnt. Die Familie verteidigt ihn als humanitären Helfershelfer der Gerechtigkeit, schon jetzt setzt eine Ikonisierung ein. Zweifelsohne muss man attestieren, dass es möglicherweise an der Ausbildung jener hapert, die Trump in die Vorstädte schickt. Ihnen allerdings vorsätzliches Verhalten unterstellen zu wollen, dafür braucht es schon sehr viel Missgunst. Erst dann, wenn Beweise richterlich aufgearbeitet wurden, wird man zu einer sachorientierten Abwägung darüber kommen, was nun angemessen und unverhältnismäßig war. Bis dorthin gilt die Unschuldsvermutung, dessen sollten sich auch Pressevertreter hierzulande immer wieder bewusst sein. Es lässt sich allzu leicht einschlagen auf jene, die man selbst missbilligt. Doch gerade die publizistische Branche ist stets zu Distanz angehalten.