Bibeltransfer in die Arme des Aktivismus: Kebekus, der schwule Jesus und ein Kulturkampf um die Deutungshoheit der Evangelien!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Jesus als homosexueller Frauenkämpfer? Kebekus’ absurde Christensendung“ (aus: „Apollo News“ vom 13.01.2026)

Nein, ich habe mir nicht ausgesucht, schwul zu sein. Nach meinem Outing vor über 25 Jahren fand ich mich mit dieser Orientierung ziemlich rasch ab. Ohne Begeisterung, aber auch ohne Grämen. Ich bin mir bewusst, mit dem sogenannten Uranismus einer Minderheit anzugehören, aber deshalb menschlich nicht weniger wertvoll daherzukommen. Eigentlich sind wir so weit fortgeschritten, dass es über eine Normvariante der Evolution keine größere Debatte mehr bedarf. Doch dann stand plötzlich Carolin Kebekus auf der Matte, ihres Zeichens selbsternannte deutsche Komikerin, bekannt als politisch linkslastig und progressiv, die abgestufte Speerspitze des öffentlich-rechtlichen Kitsch-Sketchs. In einer ihrer jüngsten Sendungen thematisierte sie die Frage, ob Jesus homosexuell gewesen sein könnte. Mit ihrer satirischen Zuspitzung wollte sie insbesondere der Kirche in die Parade fahren, mit der sie stets hart ins Gericht geht. Sie wirft der katholischen Seite nicht erst seit gestern eine Aversion gegen jene Schäfchen vor, die dasselbe Geschlecht lieben.

Solidarisch mit den Armen, Schwachen und Bedürftigen, nicht mit den Geschlechterlosen…

Doch welche Bedeutung hat das Thema dogmatisch wie spirituell? Die Evangelien geben nichts her über mögliche Präferenzen von Christus. Die Darstellungen beruhen auf einer zölibatären und unverheirateten Lebensweise. Keinerlei Andeutung, dass Männer im Spiel gewesen sein könnten. Zwar sieht die jüdische Praxis nicht unbedingt Enthaltsamkeit vor, doch daraus können keine voreiligen Rückschlüsse gezogen werden. Dass er eine enge Beziehung zu einem seiner Jünger pflegte, vermutlich war es Johannes, reicht sicherlich kaum aus als Beleg für die These, hier könnte sich jemand zu Seinesgleichen hingezogen gefühlt haben. Fragmente aus dem Buch Markus sollen nach Auffassung einiger Wissenschaftler auf vermeintliche Initiationsrituale deuten. Doch hier ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens, aus einer Ablehnung ehelicher Pflichten eine „queere“ Gesinnung abzuleiten. Wieder einmal dürfte eine Bewegung Galionsfiguren und Normalos instrumentalisieren, wie es der Regenbogenaktivismus ohnehin allzu selbstverständlich tut. Doch weder ein Messias noch ich taugen als Werbeperson, eine Überzeugung der gefühlten, der empfundenen und der herbeigesehnten Identität zu hofieren.

Nur wer schwul ist, ist etwas Besonderes? Die skurrile Minderheiteneuphorie trägt Früchte…

Für die Theologie ist es von untergeordnetem Rang, welchen Leidenschaften der Sohn frönte. Bei ihm ging es um Ebenbürtigkeit, Erlösung und Ethik, er ist kein Rächer für LGBTIQ-Rechte. Wie hilflos muss eine Kampagne sein, die nicht einmal davor zurückschreckt, einen religiösen Retter für ihre Zwecke zu missbrauchen? Da wird ihm posthum der Auftrag der Inklusion angeheftet, dabei stand er stets für die Gleichrangigkeit aller Geschöpfe ein. Und genau darin liegt der Knackpunkt. Die bunte Vorstellung der Welt geht mittlerweile davon aus, man sei etwas Besonderes, sobald man ans andere Ufer schwimmt. Doch ich will keine Sonderbehandlung, weil ich mit meinen Präferenzen und Neigungen aus der Reihe falle. Jeder von uns ist einzigartig. Wer sich mit dieser Tatsache nicht begnügen kann, weil er offenbar Probleme damit hat, zu seinen Wurzeln zu finden, der sollte nicht den Gemarterten am Kreuz vor seinen Karren spannen. Man könnte fast von einem Kulturkrieg sprechen, der auf offene Bühne getragen wurde. Ein Vorbild für Respekt und Akzeptanz war der im Stall zu Bethlehem Geborene allemal. Doch seine Interessen galten den Armen, den Schwachen, den Ausgegrenzten.

Jeder darf so sein, wie er will – doch möge Individualität bitte nicht zur Norm erklären!

Zu all diesen Gruppen gehören jene längst nicht mehr, die eine Möchtegern-Provokateurin zur besten Sendezeit dem Zweck opfert, Hypokrisie aufzudecken und Revisionismus zu verteidigen. Weglenken vom Wesentlichen, Fokussieren auf Nischen. Das Ziel ist die Diversifizierung und Heterogenisierung unseres Miteinanders, ausgerechnet in einer Zeit, in der wir ohnehin gespalten wirken. Der Allmächtige war ein Brückenbauer, er hat versöhnt und Verständigung geschaffen. Da gab es keine Extrawürste für Nonkonformisten, die am lautesten um Aufmerksamkeit bettelten. Denn nicht sie haben Wertschätzung verdient, sondern die Schweigsamen, die Unterdrückten, die Benachteiligten. Früher hat man auf dem CSD genau dafür gekämpft, nicht länger im abseits zu stehen. Heute ist man vollends angekommen in der Mitte der Gesellschaft. Skepsis und Zweifel rühren nur noch selten daher, dass man mit seinem Partner Händchen hält. Sondern mit Schweinsmaske und Windel durch die Fußgängerzonen demonstriert. Segen liegt auf allen, die nicht viel Bohei aus sich und ihrer Privatsphäre machen. Ihnen wird das Himmelreich gehören, denn sie erweisen sich als Dankbare, mit Gottes Gnade im Reinen zu sein.