Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Pfeifen, Parolen, Protest: Lauter Gegenwind für rechte ‚Compact‘-Gala in Magdeburg“ (aus: „Volksstimme“ vom 01.02.2026)
Immer dann, wenn klassische Weltbilder durchbrochen werden und sich Bündnisse auftun, mit denen der außenstehende Beobachter nicht gerechnet hat, ist die Empörung und Aufregung groß. Bahnt sich da etwa eine neue „Querfront“ an, nähern sich die vermeintlich radikalen von links bis rechts einander an? Auf der Gala des Magazins COMPACT, die Ende Januar 2026 stattfand, posierten zwei Charaktere, die sinnbildlich für ein ideologisch übergreifendes Denken stehen. Da werden Brandmauern durchstoßen, glücklicherweise. Konstantin Schink, der sich in den neuen Plattformen selbst als „Agitator der sozialen Marktwirtschaft“ bezeichnet, traf auf Dominik Maximilian Reichert, seines Zeichens Reporter beim genannten Medium. Beide stellten unter Beweis, dass man nationalkonservative Ansichten vertreten kann, um gleichzeitig für weniger Kapitalismus und mehr Gerechtigkeit einzutreten. Wie schnell wird man zum Propagandisten erklärt, zu einem Apologeten, vereint man sich in der gemeinsamen Ablehnung des etablierten Systems. Da haben beide Strömungen Angst, um ihre Originalität gebracht zu werden, im anderen Lager zu fischen. Doch Kontaktschuld zählt nicht mehr.
Warum genau sollten sich Forderungen nach Heimatliebe und Gerechtigkeit widersprechen?
Wir sind über den Augenblick hinweggekommen, in Schubladen und Schwarz-Weiß zu klassifizieren. Es wäre völlig unangemessen und aus der Zeit gefallen, Scham oder Grämen zu zeigen, weil man sich mit jenem zusammentut, der verpönt wird. Reichert gilt oftmals als „Putintroll“, regelmäßig reist er nach Russland, hat gute Verbindungen nach Moskau. Nicht aber, um dem Krieg zu huldigen, sondern sich für Diplomatie und Frieden, für Verständigung und Aussöhnung der Völker diesseits wie jenseits des Urals zu engagieren. Kritik bringt ihm unter anderem seine ehrliche und provokative Berichterstattung über die Situation im Gazastreifen ein. Dass er sich mit Greta Thunberg solidarisiert, geht nicht in die Köpfe jener moralischen Richter, die Vorurteile fällen, ehe sie sich überhaupt einen Eindruck vom Gegenüber verschafft haben. Der Journalistenkollegen wettert gegen die EU in ihrer jetzigen Form, gibt sich als stringenter Widersacher von Rot und Grün. Mit Herzblut und Leidenschaft kämpft er gegen die Islamisierung, Masseneinwanderung und eine Gender-Ideologie. Publizistisch arbeitet er nicht zuletzt das Unrecht während der Corona-Pandemie auf.
Die Wege können verschieden sein, wenn das gemeinsame Ziel vor Augen stimmt…
Er unterstreicht die nationale Souveränität der Bundesrepublik, hebt die abendländische Tradierung Europas hervor. Ökonomisch wirkt seine Agenda anti-globalistisch, er bemängelt die Versuche, unsere Gesundheitsversorgung einzuschränken, vertritt die Interessen der hart arbeitenden Bevölkerung. Mit dieser Verbindung aus Patriotismus und Solidarität schlägt er die Brücke zu Schink. Dieser wiederum hat öffentlich verkündet, warum er nicht mit der AfD sympathisiert. Er betont seine Unabhängigkeit und Parteilosigkeit. Der Neoliberalismus ist ihm ein Dorn im Auge. Als bekannter Influencer lässt er die Öffentlichkeit an seinen Positionen teilhaben, die unter anderem konsequenten Widerstand gegen eine „woke“ Identitätspolitik, strikte Grenzkontrollen, umfassende Rückführung von Flüchtlingen und Zweifel am Welthandel umfassen. Er lehnt Kommunismus wie Antifaschismus gleichermaßen ab, gibt sich im Ton pragmatisch bis polemisch, dem Elitarismus abgeneigt, dialogbereit und nahbar. Er scheut nicht die Debatte mit Menschen unterschiedlicher Meinung, ist Musterschüler in Sachen fairem, argumentativem und respektvollem Umgang, lässt Demokratie lebendig werden.
Politische Berührungsängste sind in einer lebendigen Demokratie ein Fremdkörper…
Haben sich da nun also zwei gefunden, ziehen sich die Pole an? Die beste Beziehung besteht oftmals zwischen jenen, die auf den ersten Blick so verschieden wirken, aber in der Sache an einem Strang ziehen. Veränderung der bestehenden Verhältnisse, klare Kante gegenüber verkrusteten und eingefahrenen Strukturen, das ist eine tragfähige Basis. Man will dem Volk eine Stimme geben, die Gesellschaft vom Regenbogen endlich wieder auf die Füße stellen. Absicherung müsse primär den Einheimischen zustehen, da ist man sich einig. Skepsis wird laut mit Blick auf den „Westen“, auf manch eine transatlantische Naivität, die viele Deutsche noch immer glauben lässt, die USA würden sich als Freund und Schutzmacht erweisen. Die Treiber von Eskalation und Zuspitzung sieht das Duo in Berlin, Brüssel oder Washington, berücksichtigt hierbei vor allem die gegen jegliche Vereinbarung sprechende Osterweiterung der NATO. Verschwörungstheoretiker unter sich? Mitnichten. Stattdessen bringt man Pragmatismus divergierender Motivation unter einen Hut. Man könnte es auf den Nenner bringen: Alle Wege führen nach Rom. Man muss nicht auf gleichen Pfaden wandeln, wenn das Ziel stimmt.







