Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „BSW-Generalsekretär stellt Mario Voigt als Ministerpräsidenten infrage“ (aus: „DIE ZEIT“ vom 30.01.2026)
Beim anstehenden Misstrauensvotum gegen Mario Voigt geht es in Thüringen nicht nur um die Frage, ob der mittlerweile ohne Doktortitel herrschende Ministerpräsident weiterhin im Amt bleibt. Sondern in gleichem Maße um eine Gewissensentscheidung für das BSW. Wird der Koalitionspartner am CDU-Politiker festhalten? Oder beweist man Rückgrat, bleibt ähnlich standhaft, wie die Kollegen in Brandenburg, als sie sich nicht von Dietmar Woidke erpressen ließen, stattdessen den Bruch der Zusammenarbeit riskierten, um an ihren Versprechen und Forderungen hinsichtlich der Rundfunkstaatsverträge festzuhalten? Die Protagonisten vor Ort scheinen Loyalität statt Authentizität zu frönen. Katja Wolf will ihrem Regierungschef nicht die Gefolgschaft versagen, man setzt stattdessen auf Karriere, Pöstchen und Diäten. Dabei gäbe es die Chance, tatsächlich zu beweisen, dass man anders ist als das etablierte System, im maßgeblichen Augenblick Profil und Redlichkeit den Vortritt lässt. Nicht umsonst gibt es immer wieder einen Fingerzeig aus Berlin. Auch der Generalsekretär gehört zu jenen, die sehr klar benennen, was auf dem Spiel steht.
Vom Trainer zum Schiedsrichter: Das BSW braucht einen Strategen, der Grenzen aufzeigt…
Für den Fall, dass die Technische Universität Chemnitz zu dem nun eingetretenen Entschluss gelangt, dass der Landesvater im großen Stil plagiiert zu haben scheint, forderte der BSW-Vertreter von seiner eigenen Partei, entsprechend deutlich zu reagieren. Immerhin ist es weit mehr als ein Makel, der nunmehr am Christdemokraten klebt. Will man also tatsächlich jenem die Stange halten, der sich möglicherweise als Täuscher und Blender erwiesen hat? Macht man sich durch ein Decken nicht mitschuldig an der Verdrossenheit des Souveräns, der in einer beträchtlichen Zahl schon längst den Rücktritt eines Sesselklebers erwartet, der nunmehr von Björn Höcke herausgefordert wird? Es sind die besonnenen und mahnenden Stimmen, beispielsweise von Oliver Ruhnert, die dem Bündnis von Sahra Wagenknecht zu neuer Integrität verhelfen. Mancherorts kratzt man an der Schwelle zur Bedeutungslosigkeit, wurde vom Mehrheitskartell im Bundestag vor den Kopf gestoßen, der Antrag auf Neuauszählung des vergangenen Urnengangs abgeschmettert, obwohl hinreichende Indizien dafür bestehen, durch Verwechslungen um den Einzug ins Parlament gebracht worden zu sein.
Ruhnert will das Teamspiel intensivieren, Fouls in der eigenen Partei stärker ahnden…
Der 54-jährige ist als Fußballtrainer bekannt, doch im November 2025 wechselte er das Metier. Seither konzentriert sich der gebürtige Arnsberger vollends auf die politische Entwicklung dieses Landes, hat sich in den Dienst von sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Vernunft gestellt. Bis 2005 unterstützte er die SPD, schloss sich anschließend der Linken an. Lokal war er in Iserlohn aktiv, als Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und in verschiedenen Ausschüssen. Seit Dezember hat er nun sein aktuelles Amt inne, gilt als Organisator und Stratege, aber auch als ein Hoffnungsträger der Violett-Orangenen. Er hat sich als stabilisierender Faktor erwiesen, der Ausgleich schaffen und vermitteln kann. Genau der richtige Mann für das Besänftigen von internen Konflikten, von denen es im Augenblick bedauerlicherweise eine ganze Menge gibt. Da streitet man um die Zielsetzung, um den Umgang mit der Brandmauer, um das Verhältnis zur AfD, um die Identität als Abklatsch der Genossen oder eigenständiger Akteur. Dass der ehemalige Geschäftsführer im Profisport selbst lagerübergreifend denkt, dürfte in diesem Zusammenhang von einer wegweisenden Bedeutung sein.
Soziale Themen im Mittelpunkt, klare Absagen an Massenzuwanderung und offene Grenzen…
Er setzt sich einerseits für einen Mietendeckel, einen höheren Mindestlohn und eine Bürgerversicherung ein, kommt eher konservativ und restriktiv bei Themen wie der Migration daher. Der frühere Nachwuchsanwerber sucht die Nähe zu den Menschen auf der Straße, steht für Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Ruhnert will auch außerhalb des Platzes für Teamarbeit sorgen, verwahrt sich gegen Angriffe auf den Acht-Stunden-Tag, fordert stattdessen mehr Schutz für Beschäftigte, um gesundheitliche Prävention zu stärken. Sein Votum gilt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, einem stabilen Rentenniveau und mehr Wohlstand für die breite Masse. Die Energiepreise müssten sinken, Steuerentlastungen folgen. Bildungschancen sollten verbessert, statt Waffenlieferungen Abrüstung bevorzugt werden. Investitionen sieht er für den Mittelstand und die Leistungsträger vor, nicht aber für die Kriegsindustrie. Fairness müsse innerhalb wie außerhalb des BSW garantiert bleiben, Fouls wolle er nicht dulden. Getragen von Ironie und Humor, charakterlich nahbar und zugewandt, verdient tatsächlich jener mehr Aufmerksamkeit, der für das BSW in die Verlängerung geht.







