Von Konstanz bis zur Küste, vom Kreuzberg bis nach Köln: Das BSW erobert die Regionen, pünktlich zum Start ins Superwahljahr…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Wagenknecht will mit dem Raunen aufhören – unter einer Bedingung“ (aus: DER SPIEGEL vom 10.02.2026)

Wer suchet, der findet. So sagt es zumindest ein altes Sprichwort. Und es hat bis heute wahrhaftigen Charakter. Macht sich ein Mensch auf, seine angestammte Routine zu verlassen, einen neuen Blick zu wagen, eine weitere Perspektive einzunehmen, sich nicht mit dem Eingefahrenen zufrieden zu geben, beweist er einerseits die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Aber andererseits auch den Mut, über ideologische Grenzen, über gesellschaftliche Berührungsängste, über hochgezogene Brandmauern hinwegzuschauen. Als Journalist obliegt mir die Verantwortung, meinen Horizont besonders weit zu öffnen, will ich den Grundsatz von Fairness, Chancengerechtigkeit und Ausgewogenheit einhalten. Neugier mitzubringen, auch gegenüber jenen, die von Kollegen ganz bewusst stiefmütterlich behandelt werden, weil sie nicht in die Kategorie des Etablierten passen, sondern sich gezielt außerhalb verkrusteter und eingefahrener Strukturen präsentieren. In einer Demokratie hat insbesondere die Opposition einen medialen Anwalt verdient, denn Regierung und Mächtige verfügen ohnehin über lautstarke Sprachrohre. Und es hat letztlich auch etwas mit persönlichen Präferenzen, mit individuellen Interessen und mit dem Gefühl, jenen eine Stimme geben zu wollen, die ansonsten mit Argwohn betrachtet zu werden, zu tun, wenn man den Fokus beispielsweise auf das BSW lenkt. Ich breche mir keinen Zacken aus der Krone, dort zu porträtieren, wo ich Potenzial sehe. Ohne Erwartung, meiner Meinung zu folgen.

Alle vom System ausgegrenzten Parteien haben im Wahlkampf ein Recht auf Beachtung…

Über die AfD habe ich bereits hunderte Artikel geschrieben, Abwechslung scheint willkommen. Und im Gegensatz zu vielen anderen Pressevertretern habe ich das Bündnis von Sahra Wagenknecht noch längst nicht abgeschrieben. Zweifelsohne hat es sich beispielsweise in Thüringen nicht sonderlich geschickt verhalten, als es dem unter Plagiatsverdacht stehenden Mario Voigt folgsam und treu die Stange hielt, obwohl dessen Image in Sachen Glaubwürdigkeit schwer angekratzt ist. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Protagonisten in Erfurt ganz prinzipiell querschießen, sogar intern als Dissidenten wahrgenommen werden. Da waren die Mandatare in Potsdam couragierter, ließen sich von ihren Forderungen bezüglich der Rundfunkstaatsverträge nicht vom Kurs abbringen, riskierten den Bruch der Koalition, nachdem die SPD Ultimaten gesetzt hatte. Hier offenbarte sich ein eigenständiges Profil, ein beeindruckendes Rückgrat, im Zweifel die Einhaltung von Versprechen einer möglichen Karriere, Pöstchen und Diäten vorzuziehen. In diesem Geist soll laut Fabio De Masi noch einmal ein Kurswechsel, vielleicht gar Neuanfang gelingen. Man verabschiedet sich von einem prinzipiellen Argwohn gegenüber den „Blauen“, will nicht mehr zum Steigbügelhalter in Allianzen werden, die die Kontaktschuld hochhalten. Man verfolgt Pragmatismus, bedarfsweise auch ein Kompetenzkabinett. Es geht um ein Weiterkommen, statt ein „Weiter so“. Aufbruch liegt in der Luft, will man ihn einfangen.

Ob in Niedersachsen oder Berlin: Ein Plädoyer für Frieden, Gerechtigkeit und Vernunft…

Doch um überhaupt an Einfluss zu kommen, braucht es vor allem eine solide Basis. Vertreter vor Ort, die das Programm in die Welt tragen. Die Ansprechpartner sind für die Bürger, die Fragen haben. Insbesondere in den aktuellen Wahlkämpfen spielen Direktkandidaten und Funktionsträger eine wichtige Rolle. Und das BSW ist kontinuierlich dabei, diese peripheren Netzwerke auszubauen. Von Nord nach Süd, von West bis Ost. In Niedersachsen engagiert sich Kreisratssprecher Jannik Schleemann, ist gleichzeitig bei der Nachwuchsorganisation JSW aktiv. Der Kundenberater im Außendienst scheint ein leidenschaftlicher Verfechter von Frieden und Diplomatie, setzt sich vehement gegen Kriegsbeteiligungen Deutschlands ein. Er richtet sich gegen jede Form von Extremismus, fordert eine stärkere Auseinandersetzung mit der wirtschaftlichen Ungleichheit in der Republik. Europa brauche mehr Souveränität, eine Sicherheitsagenda, die sich loslöst von Abhängigkeiten. Ähnlich deutlich wird in Berlin Robert Meier, der sich als linkskonservativ beschreibt, eine Begrenzung der Migration anstrebt, konsequent an Abrüstung festhält, die Meinungsfreiheit in Gefahr sieht. Kredite zugunsten der Militarisierung sind ihm ein Dorn im Auge, Ausgleich könne nur durch Dialog gelingen. An der Küste wie an der Spree, der Geist von Pazifismus, Vernunft und Solidarität weht durch das Land, als ein Angebot an den Souverän, einem lagerübergreifenden Projekt das entsprechende Vertrauen zu schenken.

Zwischen Bodensee und Hochrhein ringen „ganz normale Bürger“ um die Wählergunst…

Im Südwesten bringt sich Daniel Niedzwetzki ein. Im Wahlkreis Konstanz tritt er für die Abstimmungen zum Parlament in Stuttgart am 8. März 2026 an. Seine Agenda umfasst insbesondere einen strikten Abbau von Bürokratie, eine Entlastung des Mittelstandes, Deregulierung der Unternehmen und bezahlbare Energiepreise für Betriebe und Bürger. Die Entlohnung der unteren Einkommen müsse besser austariert werden, der Zugang zu Bildung erleichtert, das Qualifikationsniveau gleichzeitig erhöht werden. Mit sehr viel Klarheit diagnostiziert er die zunehmende Kriminalität und Gewalt auf den Straßen als eine wesentliche Ursache dafür, dass die AfD in den Umfragen so stark geworden ist. Man müsse daher auf das Fieberthermometer der Republik blicken, die tatsächlichen Probleme wahrnehmen, nicht nur Scheinlösungen anbieten. Sein Augenmerk legt er vor allem auf die ökonomische Prosperität seiner Heimat. Ihm gleich tut es René Frey, der in der Region Hochrhein-Bodensee um eine Fahrkarte in die Landeshauptstadt kämpft. Er setzt auf Bodenständigkeit, Dialog und Begegnung. Arbeitnehmerrechte sind ihm ein Anliegen, eine intakte Infrastruktur. Man könnte sich nicht länger auf marode Ressourcen verlassen, wenn man in den Modus des Aufschwungs kommen möchte. Verhandlung, international wie kommunal, sei der Schlüssel zum Fortschritt. Und nicht zuletzt sichere Jobs, bezahlbare Mieten und eine auskömmliche Rente. Ein Gesamtpaket für den ächzenden, kleinen Mann, von nebenan.