Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Eltern müssen mit ihren Kindern über Sex sprechen – auch wenn es peinlich ist“ (aus: SÜDKURIER vom 28.02.2026)
Wer sich heutzutage durch die Zeitungen dieser Republik liest, spürt nicht selten Argwohn und Misstrauen, Frustration und Enttäuschung in sich. Doch nicht nur die Politik macht wütend, immer öfter ist es auch die Berichterstattung verschiedenster Quellen von „ÖRR“ über „taz“ bis „Süddeutsche“, welche auf Empörung stößt. Schließlich blieb in den vergangenen Dekaden kaum mehr etwas übrig von den Grundsätzen einer integren Publizistik, die sich auf Unabhängigkeit und Ausgewogenheit beruft. Stattdessen sind Tendenziösität und Einseitigkeit bei zahlreichen Periodika zur Normalität geworden. Oftmals herrscht der Anschein vor, es würde Partei ergriffen, man mache sich zu Handlangern von Lobbyisten. Es fehlt die nötige Distanz, manche Skandalisierung hat nur ein Ziel. Die Beschönigung des Zeitgeistes, das Ächten von vermeintlich rechter Gesinnung, das Niederschreiben von Bewährtem, das Brüskieren des Konservativen und „Rückwärtsgewandten“. Und bei all diesem Progressivismus werden bisweilen die Grenzen des edlen Geschmacks überschritten. Dann geht es um weit mehr als mangelnde Objektivität, da wird sogar Ekel erregt, wenn sich die Rächer des „Guten“ aufschwingen.
Unter dem Deckmantel der Aufklärung wird Schmerz und Leid an Kinderseelen angerichtet…
So geschehen auch aktuell bei einem Artikel der Lokalpresse SÜDKURIER. Redakteur Benjamin Brumm hat seinen Beitrag unter den Titel gestellt „Sexualität: Kinder frühzeitig offen aufklären und Tabus vermeiden“, um in einer beispiellos anstößigen Weise zu provozieren. Der für seine äußerst liberale Schreibweise bekannte Journalist bemängelt, dass Eltern allzu vorsichtig seien bei einer Konfrontation ihrer Kleinsten mit Nacktheit und Geschlechtlichkeit. Statt umschreibende Begriffe wie „Schniedel“, „Pipi-Mann“, „Mumu“ oder „Untenrum“ sollten sie Termini wie „Penis“, „Vagina“ oder „Vulva“ verwenden. Die volle Dröhnung mit Genitalien, man fühlt sich was zurückversetzt in eine Zeit, in der die Grünen einen allzu laxen Umgang zwischen dem Nachwuchs und den Erwachsenen propagierten. Man will nicht sofort zu antiphilistischen oder bohemistischen Vorwürfen tendieren, doch der gesamte Text ist zutiefst verstörend, wirkt assoziativ. Falsche Scham müsse abgelegt werden, damit nicht erst Ressentiments entstehen. Einst galt die Pubertät als eine Grenze, mittlerweile scheint die Altersschiene für den Biologieunterricht bei Babys, Säuglingen und Neugeborenen anzusetzen, wenn man es einmal überspitzt auf den Punkt bringt. Besonders verwerflich: Auch der SWR sprang auf die Schiene auf.
Ein astreines Plädoyer für alles, was in den 1970ern aus gutem Grund geächtet wurde…
Eine ganze Abhandlung, selbstverständlich in verklärender Sprache gehalten, verteidigt die vermeintliche Sichtweise von „Pädagogen“ und Experten wie bei „Pro Familia“, ihres Zeichens „Frühsexualisierung“ als „rechten Kampfbegriff“ verleumdend für , dass eine „Beschönigung“ zu Scham, Verlegenheit und Unsicherheit führe, die „Kommunikation“ zwischen Mutter, Vater, Tochter und Sohn erschwere. Wie hätte man es also gern? Dass zwischen Abendbrot und Gutenachtgeschichte der Vorteil, Nutzen oder Gewinn der Selbstbefriedigung dekliniert werden? Angeblich, um später einmal vor Übergriffen zu schützen, sei es angebracht und notwendig, nicht zu verklausulieren. Wie weit soll die Perversion in der Moderne noch getrieben werden, in der Pietät und Skrupel ohnehin zu Fremdwörtern tendieren? Irgendwann einmal nannte man es Erregung öffentlichen Ärgernisses, heute sind es Regenbogenparaden, die durch unsere Fußgängerzonen streifen. „Aktivisten“, oftmals gänzlich ohne jede Bekleidung, manchmal nur in Windeln, Schweinsmaske und Leder, wollen „Berührungsängste abbauen“. Da soll die Vielfalt der Identitäten abgebildet werden, man möchte den Zwang nehmen, sich zu männlich oder weiblich zu bekennen. Was unter dem Feigenblatt einer angeblich so toleranten Transideologie geschieht, ist die Traumatisierung von Seelen noch vor der Reifezeit.
Die Wissenschaft hat Beweise geliefert, wie verstörend vorzeitige Sexualisierung wirkt…
Ein derart naives, dreistes und subjektives Plädoyer für die Verletzung einer so schützenswerten Psyche, das ist selbst in der Medienlandschaft selten. Hier geht es nicht etwa um die Interessen, noch vor dem Eintritt in die Kita ausführlich und detailliert Bescheid zu wissen, wie das nun einmal funktioniert, zwischen Mami, Papi und dem Storch. Stattdessen ist es ein Bedürfnis einer sich um die eigene Exposition kümmernden Laissez-Faire-Elite im Geister der Achtundsechziger, der jegliche Hemmschwelle und Kompass abhandengekommen sind. Sie stiften Verwirrung, Sorge und den vorzeitigen Verlust von Unschuld. Sie unterbrechen die evolutionäre wie schöpferische Entwicklung. Sie projizieren Defizite, Mangel und Gelüste auf die Heranwachsenden, rechtfertigen diese Normalisierung, vollkommen unangemessene Verhaltensweisen, welche aus dem Wertekanon der Gesellschaft vor einigen Jahrzehnten aus guten Gründen ausgeschlossen, geächtet und verurteilt wurden. Das Kentler-Experiment hat gezeigt, wie vulgäre Netzwerke den Deckmantel der „Sexualkunde“ für kriminelle Zwecke missbrauchen. Wer sich dem Risiko aussetzt, durch ein allzu freizügiges Agitieren deren Steigbügelhalter zu werden, sollte zumindest Verlegenheit empfinden.








