Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Grüne Jugend stellt Forderungen an Özdemir – Palmer offenbar auf Wahlparty zum Gehen gedrängt“ (aus: WELT vom 09.03.2026)
Für Cem Özdemir wurde im Wahlkampf mit dem Slogan geworben, dass wir ihn kennen würden. Und tatsächlich ist der frühere Bundeslandwirtschaftsminister kein unbeschriebenes Blatt. Der wohl künftige Ministerpräsident von Baden-Württemberg hat frühzeitig durchblicken lassen, wie er sich als Regierungschef inhaltlich positionieren dürfte. Ein hartes Durchgreifen in der Asylfrage ist nicht zu erwarten, bei der Transformation setzt man auf das Elektroauto, für die Wirtschaft hat er nur bedingte Konzepte der Deregulierung und der Energiediversität vorgelegt. Zwar sorgt sich der 60-Jährige um die Sicherheit seiner Tochter, weil er eine zunehmende Migrantengewalt ausgemacht hat. Ob er hiergegen tatsächlich konsequent vorgehen wird, scheint hingegen unwahrscheinlich. Was dagegen klar ist: Seine Gangart mit Blick auf die AfD. Schon am Wahlabend ließ er nicht nur seine Grünen wissen, dass er einen fairen Umgang mit allen „demokratischen Parteien“ anstrebt.
Ein Verbot will er umschiffen, doch rhetorisch macht Özdemir keinen Hehl aus seinem Hass…
Diese Formulierung ist unmissverständlich. Die Alternative für Deutschland gehört ausdrücklich nicht zu denen, die im Parlament auf eine gerechte Behandlung vertrauen können. Welch ein Offenbarungseid eines designierten Landesvaters, der offen ankündigt, gegen einen Teil der Opposition mit unlauteren Mitteln vorgehen zu wollen. Mit nahezu paranoiden Feststellungen, dass Alice Weidel und Tino Chrupalla die Republik unter „Fremdherrschaft“ stellen wollten, das bisherige System zerschlagen möchten, macht der Uracher auf sich aufmerksam. Und es lässt tief blicken, was dem Familienvater an Zitaten entgleist. Er wolle „Sprache und Rhetorik“ anwenden, die deutlich machten, wer der „Hauptgegner“ ist. Respekt und Angemessenheit vor dem Konkurrenten sind fortan also dahin. Hybris und Eitelkeit hinsichtlich selbsternannter Feinde, denen in autoritärer Manier Benachteiligung, Isolation und Unterdrückung alsbald ins Haus stehen dürften.
Die schlichte Anmaßung eines Grünen, der den Abwrackkurs Kretschmanns fortsetzen will…
Da könnte man durchaus auf die Idee kommen, dass der Verfassungsschutz stärker als bisher instrumentalisiert wird. Özdemir hängt der AfD das Etikett von angeblichem Hass gegenüber Schwarz-Rot-Gold an. Wie paradox, wenn man sich vor Augen führt, wer in den vergangenen 15 Jahren den Südwesten abgewrackt hat. Zwar ist der Sohn türkischer Gastarbeiter bisher zurückhaltend, was die Forderung nach einem Verbot von „Blau“ angeht, artikulierte er 2024, dass sich Gedankengut nicht durch einen Gang nach Karlsruhe ändern lasse. Stattdessen müssen man alles dafür tun, dass die Menschen nicht weiter „in die Arme der Alternative für Deutschland getrieben“ würden. Doch kaum waren die ersten Hochrechnungen verklungen, forderte der „grüne“ Nachwuchs den Sozialpädagogen dazu auf, die Anstrengung eines Verfahrens in den Koalitionsvertrag zu schreiben. Da soll eine Prüfung durch die roten Roben erzwungen werden, weil offenbar wieder einmal die Argumente fehlen, um jemanden inhaltlich zu stellen.
Ein Sozialpädagoge, der seine Tochter wohl nie mit „AfD-Kindern“ hätte spielen lassen…
„Unsere Demokratie“ sei wehrhaft, so verlautbarte es von jenem Erzieher, der sich diplomatisch und staatstragend gibt, aber in der Sache wohl nicht darauf verzichten wird, Ressentiments zu schüren, statt die Gesellschaft zu einen. Zwar wolle er sich in Gebiete begeben, die mehrheitlich von Wählern der AfD dominiert sind. Wie ernst es darum steht, sie in einer Sachdebatte zu überzeugen, darüber lässt sich nur spekulieren. Wer den Widersacher pauschal als „Propagandisten“ verunglimpft, die ein „Klima der Angst schüren“ würden, missversteht die Sorgen des kleinen Mannes offensichtlich eklatant. Özdemir mag das Stimmungsbarometer zwischen Hochrhein und Hohenlohe zwar in Händen halten, aber er gibt sich uneinsichtig, es ehrlich zu lesen und zu deuten. Da positioniert sich nicht etwa ein Brückenbauer, sondern ein vehementer Brandmaurer. Mit Argwohn gewinnt man kein Vertrauen zurück, sondern brüskiert weiter. Der Selbstgefälligkeit sei Dank.








