Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „AfD-Spitze interveniert gegen Treffen mit Rechtsextremist Martin Sellner“ (aus: WELT vom 18.01.2026)
Wieder einmal verfällt die AfD in Distanzeritis. Diese Angewohnheit rührt aus der Vergangenheit, besonders aus den Zeiten von Meuthen und Petry, als man krampfhaft darum bemüht gewesen ist, sich vom vermeintlich rechtsextremistischen Spektrum abzugrenzen. In diese Zeit fallen auch die sogenannten Unvereinbarkeitsbeschlüsse. Ganze Listen mit Organisationen, Strukturen und Verbänden wurden angelegt, mit denen eine Zusammenarbeit ausgeschlossen sei. Bis heute findet sich darauf auch die Identitäre Bewegung. Sie verkörpert vor allem das junge Vorfeld, einen patriotischen Nachwuchs, der sich nicht zuletzt auf Ideen und Gedanken des österreichischen Aktivisten Martin Sellner bezieht. Heimatliebe steht im Vordergrund, nicht etwa der Hass auf Fremde. Wer Anderes behauptet, bedient sich schlicht der klassischen Ressentiments, hat vergessen, sich ein eigenes Bild zu machen. Und so war es nicht verwunderlich, dass die Führung der Alternative für Deutschland jüngst wieder in ein Fettnäpfchen getreten ist.
Die Medienschickeria fährt links vorbei, schon springt Weidel auf den Zug auf…
Da legten eingeebnete Medien eine Falle aus, in die Alice Weidel und Tino Chrupalla ziemlich naiv hineintappten. Das Ehepaar Kotré hatte in Luckenwalde zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Wiener eingeladen, die Linksschickeria tobte. Kurzerhand schaltete sich Berlin ein, der Termin wurde abgesagt. Man ließ sich also neuerdings vor sich hertreiben, verriet die eigenen Leute, statt sich schützend vor sie zu stellen. Dabei hat die Realität die Theorie längst überholt. Bundestagsabgeordnete und Funktionäre, Mandatsträger aus der zweiten oder dritten Reihe bis hin zu Kommunalpolitikern suchen den losen Zusammenschluss, den persönlichen Kontakt, die Verbindung zu einem gescholtenen Fundament. Denn würde man konsequent all jene ausschließen, die der IB nahestehen, so sähe es an der Basis düster aus. Das pauschale No-Go ist nicht mehr zeitgemäß, stattdessen sollte man von Fall zu Fall entscheiden. Doch offenbar wirkt der Appell zur Differenzierung nicht, hält man an strikter Abschottung und subtiler Leugnung fest.
Remigration fordern, sich aber von Sellner distanzieren – mehr Widerspruch geht kaum…
Und man lässt sich leiten von einer Märchenerzählung. Denn das Remigrationskonzept des 37-Jährigen ist gerade nicht verfassungsfeindlich. Das Bundesverwaltungsgericht hatte sich in seiner Entscheidung über ein Verbot des Magazins „Compact“ mit ihm befasst, kam hierbei zu dem Schluss: „Diese Vorstellungen missachten – jedenfalls soweit sie zwischen deutschen Staatsangehörigen mit oder ohne Migrationshintergrund unterscheiden – das sowohl durch die Menschenwürde als auch das Demokratieprinzip geschützte egalitäre Verständnis der Staatsangehörigkeit“. Doch genau jene Gruppe ist der falsche Adressat entsprechender Forderungen. Schon die Lüge über geplante Deportationen von Deutschen mit ausländischen Wurzeln, wie sie angeblich beim Geheimtreffen vom Lethnitzsee besprochen wurde, hat sich juristisch entlarvt. Das Oberlandesgericht Hamburg stellte hierzu fest: „Prozessual ist von der Unwahrheit der Behauptung der Antragsgegnerin, es sei bei dem Treffen in Potsdam die Ausweisung deutscher Staatsangehöriger diskutiert worden, auszugehen“.
Dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts liegt ein krasser Fehlschluss zugrunde…
Wenn es also nicht um deutsche Staatsangehörige geht, dann liegt auch kein Verstoß gegen die grundgesetzliche Ordnung vor. Diese Konklusion der beiden Urteile aus Leipzig und der Hansestadt ist zentrale Argumentation dafür, warum die Alternative für Deutschland auf dem Holzweg scheint, wenn sie selbst eine Brandmauer hochzieht, die sie eigentlich so sehr schmäht. Man hat ganz offiziell beschlossen, die Forderung nach Remigration zu vertreten. Doch gleichzeitig ekelt man sich vor jenem, der diese Vision überhaupt erst hoffähig machte. Schon allein diese Widersprüchlichkeit wirft kein glanzvolles Licht auf den Umgang mit angedichteten Skandalen und Affären. Eigentlich sollte man nach über einem Jahrzehnt seit Entstehung der Partei aus den Kinderschuhen gewachsen sein, routiniert sämtliche Versuche ausschlagen, die erkennbar darauf abzielen, in eine kommunikative Bredouille zu bringen. Wie unprofessionell wirkt es, über ein Stöckchen zu springen, das Geheimdienst und ÖRR so genussvoll hinhalten.







