Quelle: Clipdealer.de, 776352, erworbene Standardlizenz.

Wo die Lager spalten, ist der Vorwurf von Klüngel und Filz nicht weit: Wie sehr schaden die innerparteilichen Zirkel der AfD wirklich?

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt – Die große Schlammschlacht: Verspielt die AfD ihren Vorsprung?“ (aus: „ntv“ vom 15.01.2026)

Man kann eine Partei unterstützen, um sie gleichzeitig zu kritisieren. Ich habe keinen Zweifel daran, dass im Augenblick nur die AfD in der Lage ist, wirkliche Veränderung für Deutschland zu erzeugen. Denn sie ist unverbraucht, kann sich noch unter Beweis stellen. Gleichzeitig bin ich kein höriger Jünger, der auf Kommando applaudiert, wenn Alice Weidel oder Tino Chrupalla die Bühne betreten. Huldigung und Glorifizierung gehören für mich in die Kirche, naive Anbetung sollte in Glaubensgemeinschaften ihren Platz haben. Doch tatsächlich fällt es manchmal schwer, zu unterscheiden, ob man nun auf einem Bürgerfest der „Blauen“ oder dem Jahreskongress von Pietisten ist. Da werden Personen in gottgleichen Rang erhoben, manche Anwesende fällt in Ekstase, als ob der Messias erschienen sei. Während es bei den einen heißt, nur Jesus Christus wird die Erlösung bringen, sind die anderen davon überzeugt, dass lediglich Ulrich Siegmund uns erretten kann. Etwas mehr Weltlichkeit, Profanität und Nüchternheit könnte angesichts von all dessen nicht schaden.

Nicht strafbar, aber anrüchig, falls bei Postengeschacher interveniert worden sein sollte…

Denn befremdlich wirkt ein Kult, der nicht etwa auf Verschwörung oder Kampagne basiert, sondern auf zahlreichen Veranstaltungen erlebbar und spürbar wird. Diese Echokammern der Selbstbeweihräucherung, die neudeutschen „Bubbles“, in denen man sich gegenseitig seiner Richtigkeit bestätigt, die abschotten von der Realität, sind eitel. Konformität und Anpassung werden erwartet, wer sich der Linientreue verweigert, wird vom Freund schnell zum Feind. Dabei gibt es genügend Grund, den Finger in gewisse Wunden zu legen. Denn der Schein hält viel zusammen, was eigentlich öffentlich beleuchtet gehört. Immer wieder werden Vorwürfe der familiären Verstrickungen laut, wenn eine Büroleiterin die eigene Ehefrau ist, sich ein elitärer Kreis um die Vorsitzende schart. Die Clanbildung scheint dort besonders groß, wo man der Macht sehr nahe ist. Da hat der Außenstehende nahezu keinen Einblick, werden diejenigen von ihrem Zirkel abgeschottet, die es sich an den Schaltzentralen des Einflusses häuslich eingerichtet haben. Kann man von Filz sprechen? Durchaus. Trotzdem gilt in jedem Augenblick, bis zu etwaigen Gerichtsurteilen, die Unschuldsvermutung.

Auch, wenn beispielsweise in Baden-Württemberg immer wieder davon berichtet wird, dass sich die Co-Vorsitzende aus Berlin in die Postenvergabe einmischt. Der dortige Spitzenkandidat Markus Frohnmaier steht ihr ideologisch nahe, besonders viele willfährige Charaktere bekleiden namhafte Funktionen. Frühere Figuren wie Dirk Spaniel oder Thomas Seitz sind in ihren Befunden klar: „Gutshof-Mentalität“ und „Abgründe“. So ist auch Emil Sänze ein enger Vertrauter der 46-Jährigen, seines Zeichens einer der beiden Landesvorsitzenden. Ebenfalls Anton Baron, Chef der Fraktion im Stuttgarter Landtag, der in gewisser Weise protegiert worden sein soll, sagen mehrere Parteimitglieder a.D. übereinstimmend, wenngleich bis heute der Vorwurf von bewusster, konkreter und anrüchiger Günstlingswirtschaft ausschließlich hypothetisch ist, abstrahiert von einem Gesamteindruck, der sich wiederum auf Fakten gründet: Für Mary Khan-Hohloch, Partnerin des Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch, intervenierte Weidel auf dem Parteitag in Magdeburg persönlich, als ihr ein Abwahlantrag die Karriere zu vermasseln drohte.

Ob die „Klüngelrunde“ von Magdeburg tatsächlich eines Fehlverhaltens überführt wird?

Die ehemalige Büromitarbeiterin war in den Verdacht geraten, falsche beziehungsweise geschönte Angaben in Bewerbung oder Lebenslauf gemacht zu haben. Auf der gleichen Veranstaltung setzte sich auch Maximilian Krah durch. Trotz seiner bekannten prorussischen und prochinesischen Haltung warf Weidel ihr politisches Gewicht in die Waagschale, um den von ihr favorisierten Kandidaten durchzusetzen. Dass sie mit ihm später Schiffbruch erlitt, weil er weitere Skandale produzierte, um als Frontmann für die Europawahl abzudanken, ist bezeichnend. Momentan schwelt gleichzeitig in Sachsen-Anhalt ein Konflikt. Die sogenannte „Pokerrunde“ wurde durch den Bundestagsmandatar Jan Wenzel Schmidt entlarvt. Landesvorstandsmitglieder sollen Privatfahrten falsch abgerechnet haben, Betrug steht im Raum. Noch fehlt es an tragfähigen Belegen, doch immer wieder bekunden „Aussteiger“, dass sich ein System des Nepotismus etabliert habe, also der Trend zur Bevorzugung, Mauschelei und Schludrigkeit. Auch demokratische Prozesse sollen innerparteilich massiv leiden.

In Niedersachsen wurde der Vorstand in der Vergangenheit ohne Basisbeteiligung aufgelöst und abgesetzt. In anonym durchgestochenen Chats und E-Mails, deren Korrektheit nicht abschließend überprüft werden kann, ist die Rede davon, dass im Westen der Republik interne AfD-Positionen auf kommunaler Ebene nicht durch Wahlen besetzt wurden, sondern durch Ernennung am Stammtisch. Das Rottweil-Chaos von 2024, geprägt von Tumulten, Buhrufen, Überfüllung und stundenlangen Streitigkeiten, weil der Landesparteitag ohne hinreichende Partizipation der örtlichen Strukturen vorbereitet worden war, bleibt in Erinnerung. Besonders bizarr ist die Lage in Nordrhein-Westfalen, wo das Netzwerk um Führungsfigur Dr. Martin Vincentz Druck auf das Schiedsgericht ausübt, um den missliebigen Matthias Helferich loszuwerden. Und als es bundesweit um das Thema Wehrpflicht ging, zeigten Umfragen Mehrheiten unter den Anhängern. Sie blieben aber unberücksichtigt. „Scheiß auf innerparteiliche Demokratie“, so lautete am Ende das vernichtende Urteil der eigenen Leute.