Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „INSA: BSW taucht in Baden-Württemberg wieder in Umfragen auf“ (aus: „Stuttgarter Zeitung“ vom 04.02.2026)
Journalismus erfordert Ausgewogenheit, sie ist die oberste Prämisse, um den berufsethischen Leitlinien zu Sorgfalt, Unabhängigkeit und Objektivität gerecht zu werden. Und so gehört es nach meinem demokratischen Verständnis zwingend zu Berichterstattung und Kommentierung, insbesondere auch der Opposition eine Stimme zu geben. Denn gerade im Wahlkampf haben sich etablierte Medien auf die Seite der alteingesessenen Parteien geschlagen, missachten vor allem die AfD, lassen aber auch das BSW links liegen. Mangelnde Regierungsfähigkeit wird dem Bündnis von Sahra Wagenknecht vorgeworfen, weil die Koalition in Potsdam geplatzt ist. Dass die SPD ihren Partner unter Druck setzte, gegen deren erklärten Willen nur unzureichende Veränderungen an den Rundfunkstaatsverträgen realisieren zu wollen, woraufhin sich die Violett-Orangenen nicht verbiegen ließen, wird geflissentlich in allem Kontext ausgespart. Da haben Abgeordnete Rückgrat und Profil gezeigt, die Erpressung der Sozialdemokratie schlug fehl. Schon allein deshalb gebührt denjenigen Respekt, die ihre Versprechen an den Bürger über die Karriere stellen.
Die lagerübergreifende Idee von Wagenknecht hat mittlerweile auch Südbaden erreicht…
Ohnehin ist man bemüht, Nähe zum Souverän zu zeigen. Auch mit Blick auf den anstehenden Urnengang in Baden-Württemberg, die Neubestimmung des Landesparlaments in Stuttgart am 8. März 2026, wurden Strukturen in den Regionen ausgebaut. Präsenz zu ermöglichen vor Ort, ins Gespräch ui kommen, Sorgen und Nöte zu vernehmen, unterschiedliche Meinungen zu hören, von diesem Geist wird man offenbar getragen. Nicht nur in den neuen Medien hat die Aktivität zugenommen. Die Kandidaten begeben sich in die Fußgängerzonen und blicken von Plakaten herab. Angekommen in der Routine, trotzdem möchte man anders sein. Schon allein das Programm hat einen verbindenden Charakter, von Beginn an sollten Lager zusammengeführt werden. Jenes Manöver gelingt mittlerweile auch am Bodensee. Von Konstanz bis zum Hochrhein hat sich ein Kreisverband etabliert, mit zwei Direktkandidaten zieht man ins Rennen. Bislang bleibt die Mitgliederzahl überschaubar, dafür hat man sich inhaltlich solide aufgestellt. Die Präsentation wirkt schmissig, motiviert und anspruchsvoll. Deutlich routinierter, als man dies für ein noch so junges Projekt erwarten würde.
Ein Kandidat mit klaren Vorstellungen: Daniel Niedzwetzki geht für Konstanz ins Rennen…
Daniel Niedzwetzki geht im Wahlkreis 56 an den Start. Der Heilpraktiker setzt auf verlässliche Energiepreise für Haushalte und Unternehmen. Insbesondere Handwerk und Mittelstand sollen entlastet werden. Die hohen Lebenshaltungskosten müsse die Politik einfangen, Investitionen in die Infrastruktur seien gut angelegt, denn sie sei Garant dafür, die Abwanderung von Betrieben zu stoppen. Die Knappheit an Wohnraum könne man nur durch Neubau kompensieren. Nicht symbolträchtige Prestigeprojekte dürften profitieren, stattdessen bedürfe es konkreter Unterstützung für Schulen, Straßen und Sanierung. Die Meinungsfreiheit sei abhandengekommen, Grundrechte lasse die Regierung schleifen. Corona bedürfe einer Aufarbeitung, in der Gesundheit sollte Prävention Vorrang erhalten. Die Migrationswende müsse gelingen, allein Fachkräften mit tatsächlicher Qualifikation solle die Einwanderung erlaubt werden. Ein breiter Dialog sorge für gesellschaftlichen Ausgleich, die Debatte dürfe nicht auf ideologische Korridore verengt werden. Ökonomische Vernunft und weitsichtige Solidarität will der Kaufmann walten lassen, positioniert sich allerdings auch international. Frieden gebe es nur durch Diplomatie, Waffen allein könnten keine Versöhnung erzwingen.
Ein solidarisch-bodenständiger Vertreter des kleinen Mannes: René Frey kämpft um Singen…
Im benachbarten Wahlkreis 57 beklagt Zugbegleiter René Frey die maroden Zustände auf der Schiene. Der zweifache Familienvater steht auf Platz 9 der Landesliste, stammt aus Friedrichshafen. Einst in der SPD beheimatet, liegen ihm soziale Themen besonders am Herzen. Er gilt als klassischer Arbeitnehmervertreter, macht sich als bodenständiger Mitbürger einen glaubwürdigen und authentischen Namen. Berufsbedingt prangert er die personelle Unterbesetzung bei der Bahn an, fordert mehr Engagement für funktionierende Mobilität. „Stuttgart 21“ sei ein Milliardengrab, die Gäubahn, welche von Singen in Richtung Landeshauptstadt führt, benötige dringend eine Modernisierung. Steigende Mieten machten das Dasein nahezu unbezahlbar, der finanzielle Niedergang der öffentlichen Kassen müsse gestoppt werden. Lösungen sollten stets pragmatisch sein, der Lebenswirklichkeit entspringen, nicht einer Weltanschauung dienen. Auslandseinsätze der Bundeswehr sieht er kritisch, würde seine Kinder nie in den Krieg schicken. Da kommt jemand aus der Praxis, um auch als potenzieller Mandatar nicht vor alltagsnahen Antworten auf die großen Probleme zurückzuschrecken.







