Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Reaktionen auf Landtagswahl: Schock bei den einen, Jubel bei den anderen“ (aus: „Tagesschau“ vom 08.03.2026)
Das muss man erst einmal schaffen: Die SPD in Baden-Württemberg hat mit ihrem Resultat beim Urnengang des 08. März 2026 gleich dreifach einen Rekord gebrochen. Nicht nur, dass sie das dramatisch schlechteste Ergebnis vom letzten Mal deutlich unterboten hat. Sie fuhr den niedrigsten Wert ein, den es im Südwesten je gab. Und nicht nur das. 5,5 Prozent ist darüber hinaus das niedrigste Abschneiden bei einer Landtagswahl in Deutschland überhaupt. Damit sind die Genossen in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, schafften den Wiedereinzug ins Parlament nur knapp. Man hat sich erneut halbiert, musste auch deshalb Federn lassen, weil Spitzenkandidat Andreas Stoch in den Entenpasteten-Skandal verwickelt war. Im Rahmen einer Fernsehaufzeichnung hatte er eine „Tafel“ besucht, kurze Zeit später schickte er seinen Chauffeur zu einem Feinkostladen in Frankreich, um dort für ihn einzukaufen.
Die Südwest-SPD hat ihr Stammklientel im Feinkostladen zum Tausch angeboten…
Dieser Ausdruck der Dekadenz, der Verschwendung und des Hochnäsigen lastete gerade den Sozialdemokraten schwer an, sie hatten ihre letzte Glaubwürdigkeit und Authentizität verraten, propagierten sie Solidarität mit den Schwächsten, um selbst dem Luxus zu frönen. Man wird nicht allein auf das Duell zwischen Manuel Hagel und Cem Özdemir verweisen können, auch wenn dieser Zweikampf viele Stimmen gebunden hat. Die Ursachen für die krachende Niederlage der roten Socken liegen deutlich tiefer. Man war noch nie wirklich etabliert zwischen Bodensee und Kurpfalz, hatte stets einen schweren Stand, obwohl es vielerorts Arbeiter und Angestellte gibt, die nach einer Interessenvertretung suchen. Doch genau sie hat man aus dem Blick verloren. In Umfragen kritisierten die eigenen Anhänger, dass man den Fokus zu sehr auf Transferleistungsempfänger gerichtet habe, nicht mehr die hart buckelnde Mitte unterstütze.
Wenn nicht mehr die arbeitende Mitte im Fokus steht, fehlt es Genossen am Fundament…
Nur vier Prozent aus den traditionellen Milieus gaben den Sozialdemokraten erneut ihre Stimme. Ein massiver Wegbruch von Rückhalt und Image. Dass Generalsekretär Klüssendorf und Parteichef Klingbeil jegliche Selbstkritik aussparten, indem sie die Verantwortung auf den Schlagabtausch der Ministerpräsidentenkandidaten schoben, sagt viel über die mangelnde Reflexionsfähigkeit derjenigen aus, die nunmehr auch im schwarz-roten Bündnis in Berlin einen deutlich schlechteren Ausgangspunkt haben dürften. Man geht geschwächter aus dem Abstimmungssonntag hervor als der Partner CDU. Zwar konnte auch diese ihr Ziel vermutlich nicht erreichen, den künftigen Landesvater zu stellen. Doch immerhin legte sie im Vergleich zu 2021 wieder deutlich zu. Mehr denn je wird sich die Frage stellen: Braucht es die SPD überhaupt noch, ist sie nicht längst zerrieben, wurden ihre Wähler aufgesogen von Grünen und Konservativen?
Man wird als Blockierer und Bremser wahrgenommen, der Veränderung verhindert…
Die Alleinstellungsmerkmale lassen sich mittlerweile an einer Hand abzählen. Wofür steht man im Jahr 2026, wird man doch als Blockierer großer Reformen wahrgenommen, als derjenige, welcher Friedrich Merz noch vor Unterschrift des Koalitionsvertrages unter Druck setzte. Mit der Erpressung, das Aufweichen der Schuldenbremse als Bedingung für eine Zusammenarbeit zu machen, entlarvte man das wahre Gesicht. Bei zahlreichen Vorhaben steht man auf der Bremse, hat jüngst die Neuerung der Grundsicherung und des Heizungsgesetzes entkernt. Als kleiner Partner treibt man nicht nur Carsten Linnemann vor sich her. Sondern plustert sich auf wie ein Gockel, der dafür eigentlich keinen Grund hat. Ähnlich, wie auch Stoch in der Provinz, glänzt man mit maßloser Überschätzung. Diese Arroganz wirkt unattraktiv, vor allem gänzlich entfremdet von Basis und Belang. Eine Konsolidierung wird schwer, sie dauert Legislaturen.








