Entenpastete oder Leberwurst, Hauptsache Haute Cuisine: Der Dekadenz-Skandal von Andreas Stoch ist längst nicht der erste Fauxpas!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Kampf gegen den Absturz: SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch hat seine Partei modern aufgestellt“ (aus: RNZ vom 03.03.2026)

Schickte er seinen Fahrer, um Entenpastete oder Leberwurst zu kaufen? Eigentlich spielt es am Ende keine Rolle. Denn die Charakterlichkeit zählt. Der Spitzenkandidat der SPD in Baden-Württemberg, Andreas Stoch, wurde im Wahlkampf von einem Fernsehteam begleitet, als er eine „Tafel“ besuchte. Dort sprach er mit Menschen, die sich im Alltag kaum etwas Nahrhaftes leisten können. Im Anschluss, noch vor laufenden Kameras, bat er den Chauffeur, einen kurzen Abstecher zum Feinkostladen in Frankreich zu machen. Er solle ihm ein Bild der Auslage schicken, dann würde er mitteilen, was er einkaufen soll. Dekadenz in ihrer vulgärsten Form, unabhängig davon, was am Ende tatsächlich auf dem Abendbrottisch landete. Welch ein Zeichen an die Ärmsten dieser Gesellschaft? Ein Genosse, der vorgibt, sich um ihre Belange zu kümmern. Danach dreht er sich um, seinem Luxus zu frönen. Scheinheiligkeit, Abstumpfung, Verhöhnung. Er ist nicht nur in einen Fettnapf getreten, sondern er hat gezeigt, welch Geistes Kind er ist. Er predigt Leistungswasser, trinkt Champagner.

Großzügig und nachsichtig ist der Sozialdemokrat vor allem gegenüber den eigenen Leuten…

Doch es ist nicht das erste Mal, dass der 56-Jährige auffällt. Schon als Kultusminister 2014 machte der Heidenheimer Schlagzeilen. Ein unfertiges Papier gelang an die Öffentlichkeit, das beabsichtigte, Schüler an das Thema Homosexualität und geschlechtliche Vielfalt heranzuführen. Die Aufmachung wurde jedoch als übergriffig wahrgenommen, als Teil von Indoktrination. Es musste zunächst zurückgezogen und angepasst werden. 2016 wurden unter seiner Führung die Bildungspläne im Südwesten erneuert. Weitgehend ausgespart blieb dabei die Werteerziehung. Viel zu wenig wurde auf die grundlegende Vermittlung des christlichen Menschenbildes geachtet, so lautete der Vorhalt. Früh entfernte sich der studierte Rechtswissenschaftler von Wurzeln, Prägung und Identität des „Ländles“, gab sich progressiv, musste mit dem Etikett leben, sich von Tradition und Brauchtum entfremdet zu haben. 2025 nahm er seinen Parteikollegen Daniel Born in Schutz. Dieser hatte auf einen Stimmzettel ein Hakenkreuz-Symbol geschmiert. Stoch forderte einen „milden Umgang“ mit ihm.

Sich arrogant und hochnäsig zu präsentieren, darin sah der SPD-Mann noch nie ein Problem!

Selbst schickt er seine Kinder auf Privatschulen, lobt gleichzeitig die Vorzüge staatlicher Einrichtungen. Bisweilen wird sein Wesen als latent aggressiv beschrieben, Ministerpräsident Kretschmann unterstellte er ein Aushöhlen der Gewaltenteilung. Selbst aus Stochs Reihen wurde dieser Angriff auf die Regierung als zu weitgehend betrachtet. Und tatsächlich hat sich der Jurist rhetorisch nicht immer im Griff. Als Oppositionsführer forderte er auf, Redebeiträge von Anton Baron und Kollegen im Plenum zu „ignorieren“. Dieser Tenor wurde als Angriff auf die Parlamentsrechte der Alternative für Deutschland gedeutet. Immer wieder betont er, selbst auf der Seite des Gesetzes zu stehen, „doch wo stehen Sie?“, verlautbart der für seine Abgehobenheit regelmäßig Gescholtene in die Runde. Natürlich wirbt er in diesem Zusammenhang auch für „unsere Demokratie“, als sei er etwas Besseres, als gäbe es zwei verschiedene Ausformungen der Volksherrschaft zwischen Hochrhein und Hohenlohe. Arroganz und Realitätsverlust ziehen sich wie eine rote Linie, wohl eher als rote Socken, durch die politische Biografie eines Mannes, der in seiner plumpen Demagogie schon einmal Parallelen zwischen der Reichspogromnacht und der AfD zieht.

Stochs Agenda wirkt wie Rousseaus Urteils über die Ignoranz der politischen Oberschicht…

Er zeichnet eine krude Vorstellung von Vielfalt und Toleranz, fordert einerseits eine weltoffene Mentalität, zimmert gleichzeitig die Brandmauer immer höher. Sein Image war alsbald ramponiert, gilt seine Tonlage selbst bei eingefleischten Anhängern häufig als zu radikal, eintönig, belehrend. Er zeigt mit dem Finger auf Andere, wirft mit Steinen im Glashaus. Stoch ist das Musterbeispiel für Doppelmoral, man fühlt sich fast erinnert an Marie Antoinette, der fälschlicherweise das vermutlich von Jean-Jacques Rousseau stammende Zitat zugeschrieben wurde: „Qu’ils mangent de la brioche“ – „Dann sollen sie doch Kuchen essen“. Eine Ignoranz der Oberschicht, eine völlige Abwesenheit von der Lebenswirklichkeit des kleinen Mannes. Und das ausgerechnet bei einer Partei, die sich immer schon als Verteidiger der Arbeitnehmerschicht gab, aber kaum lieferte. Glücklicherweise befindet sich die SPD in Baden-Württemberg ohnehin auf dem Abstellgleis. Dort dürfte sie auch bleiben, hatte sie es zwischen Neckar und Bodensee stets schwer, CDU und Grünen Konkurrenz zu machen.