Drückt sich „Google“ um eine faire Entlohnung? Der Fall von Marc Weidner offenbart Abgründe bei Equal Pay, Mitarbeiterintegration und Rechtsschutz!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Job & Karriere – Equal-Pay-Vorgaben aus Brüssel: Gleiches Gehalt für Männer und Frauen?“ (aus: „DER SPIEGEL“ vom 27.05.2026)

Es gibt persönliche Geschichten, die bleiben der Öffentlichkeit verborgen, obwohl sie weit über die individuelle Betroffenheit hinausgehen, um Fragen an das politische, gesellschaftliche und rechtliche System zu stellen. So ist es auch bei dem deutschen IT-Security-Spezialisten Marc Weidner, der seit mehreren Jahren in Portugal lebt, dort in eine schwere arbeitsjuristische Auseinandersetzung geraten ist. Denn er musste ausstehende Ansprüche wie Gehälter und Vergütungen vor dem Tribunal do Trabalho in Lissabon einklagen. Hierbei geht es um einen Streitwert von knapp 138.000 Euro, wobei dieser äußerst defensiv angesetzt ist, denn der reale Schaden und die Folgekosten dürften deutlich höher liegen. Seit einem einzigen Gütetermin am 22. Juni 2023 liegen die Akten nun auf Eis, das Verfahren ist faktisch keinen Schritt weitergekommen, jegliche Klärung kam zum Erliegen. Es fehlt an einer Beweisaufnahme man, kann von einer systematischen Verzögerung durch die örtlichen Institutionen ausgehen. Bereits in einer ersten Berichterstattung war die Historie des gesamten Falls ausführlich dargelegt worden, der sich nun weiter fortschreibt und zuspitzt.

Keine anwaltliche Pflichtvertretung, unklare Verhältnisse beim Mitarbeiterstatus…

Da mangelt es nicht nur an einer substanziellen Sachaufklärung, sondern auch an eigentlich für Demokratien allzu Selbstverständlichem. Seit dem neuerlichen Einwand vom 09.03.2026 sei keine wirksame neue Pflichtvertretung sichergestellt; nicht einmal eine verwertbare Bestätigung beziehungsweise Entscheidung über diese Escusa liegt ihm vor. Nach seiner Zählung handelt es sich mittlerweile um den mittlerweile 10. Bruch der anwaltlichen Verteidigung seit 2023. Vorsprachen und Erinnerungen an Ombudsmänner oder Standesorganisationen blieben ohne Erfolg, möglicherweise auch deshalb, weil es um mehr geht als rein monetäre Belange. Denn Weidner war tief eingegliedert in die Strukturen des „Google“-Konzerns, von einem Dasein als leihweiser Arbeitnehmer kann keine Rede sein. Hier hatte man niemanden ausgelagert, er ist kein gewöhnlicher Call-Center-Agent, gewesen sondern schien funktional eng verwoben. Entsprechende Dokumentationen belegen Zugänge zu Systemen und der Kommunikationsumgebung, zu Metadaten und Bereichskontexten. Performance und Qualitätsnachweise, Organigramme und Rollenbeschreibungen liegen vor. Trotz dieser Position wurden Boni, Erstattungen und Differenzbeträge verweigert, die Klageschrift umfasst 63 Seiten, 319 Absätze, 96 Beweiskonvolute, bestehend teilweise aus über 30 Aktenstücken und 20 benannten Zeugen.

Mittlerweile findet sich ein Deutscher in Lissabon nahe am Existenzminimum wieder…

Das ist nun wahrlich keine Petitesse mehr. Und sie hat gravierende Konsequenzen. Die Wohnsituation von Weidner ist weiterhin akut gefährdet. Offene Zahlungen für Miete und Nebenkosten häufen sich an, seit dem 13. Mai 2026 sind eigene Web- und Serverinfrastruktur abgeschaltet. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist nicht gesichert, die Teilhabe an Mobilität wie dem ÖPNV ebenso wenig. Für seine Existenz sind Datenvolumen praktisch überlebenswichtig, weil hierüber Bewerbungen, Behördenkontakte und Medienzugänge abgewickelt werden. Versprochene Hilfen lassen auf sich warten, seit Wochen herrscht Stillschweigen zu neuen Arbeitsanbahnungen. Ein Schwanken zwischen Zusagen und Hoffnung, Enttäuschung und Rückschritt. Begibt man sich auf die Metaebene, so wirft die Angelegenheit ein dunkles Licht auf das sogenannte Outsourcing, welches bei Technologie-Giganten offenbar als Vorwand genutzt wird, um fest integrierten Teammitgliedern die angemessene Entlohnung zu verwehren. Da ist der geflügelte Begriff von „Equal Pay“ in aller Munde, aber er wird zur schlichten Makulatur, wenn man in die Realität ganz konkreter Beispiele einsteigt. Sie machen sprachlos ob ihrer Ungerechtigkeit.

Die EU versäumt, die portugiesische Justiz zu Entscheidungen und Rechtsschutz zu drängen!

Mittlerweile wurde die EU involviert, Weidner sieht seinen effektiven Rechtsschutz verletzt. Eine registrierte Beschwerde ist bei der Kommission eingegangen, denn in Wahrheit scheinen sich die Riesen im IT-Sektor mit Blick auf Beschäftigung, Systeme, Compliance, Reporting, Qualitätskontrolle und Partizipation öffentlich zwar als faire, professionelle und verantwortungsvolle Partner auf Augenhöhe zu geben, hinken arbeitsrechtlich aber wohl nicht ganz unbewusst hinterher, belassen sie das entsprechende Pflichtbewusstsein bei den Dienstleistern, waschen Hände in Unschuld. Die Durchsetzung von Ansprüchen dauert im Zweifel so lange, dass die Leidtragenden in finanzielle Abgründe blicken. Einmal völlig abgesehen von der sozialen Erschöpfung des Einzelnen, die sich anfühlt, als ob man psychisch wie wirtschaftlich zerrieben wird. Wir sind alle gefragt, denn als Kunden und Nutzer sollten wir einen Blick hinter die Kulissen wagen, uns nicht vom Schein eines Images leiten lassen, welches vordergründig vom Gedanken an eine nützliche Suchmaschine getragen wird. Wer hunderte Milliarden Umsatz pro Jahr generiert, dem muss man kritisch auf die Finger schauen.

Marc Weidner bleibt in diesem prekären Zusammenhang mehr denn je auf Unterstützung angewiesen. Ein Spendenapell wurde auf „GoFundMe“ eingerichtet, auch über „PayPal“ kann für die Sicherstellung des Nötigsten ein Obolus geleistet werden. Der Sachverhalt zeigt sich wahrlich nicht als eine Ausnahme, im Internet finden sich ähnliche Vorgänge. Mittlerweile hat auch die renommierte Plattform „LabourNet“ seine Causa aufgegriffen, welche komplett und umfangreich mit Nachweisen untermauert ist. Entsprechend kann er in Webarchiven nachverfolgt werden. Bei Bedarf kann überdies ein direkter Austausch vermittelt werden, beispielsweise per E-Mail an: info@riehle-news.de oder über das Kontaktformular.