Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Generation Deutschland: AfD will Kevin Dorow offenbar aus der Partei ausschließen“ (aus: ZEIT Online vom 24.02.2026)
„Zusammenkommen ist ein Anfang, zusammenbleiben ist Fortschritt, zusammenarbeiten ist Erfolg“, so sprach Henry Ford, um nicht zuletzt auch der Alternative für Deutschland einen Merksatz ins Stammbuch zu schreiben, den sie offenbar dringend nötig hat. Zum wiederholten Mal distanziert sich die Partei. Dieses Mal trifft es Kevin Dorow. Laut Medieninformationen soll der Bundesvorstand beschlossen haben, ihn aus der ersten Reihe der neu gegründeten Nachwuchsorganisation abzuziehen. Auch ein Ausschluss aus der Partei sei demnach beantragt worden. Hintergrund dessen ist vor allem die Bewerbungsrede des schleswig-holsteinischen Beisitzers und Kreistagsabgeordneten. Dort hatte er davon gesprochen, dass „die Jugend durch die Jugend geführt“ werden müsse. Dieses Zitat lehnt sich an die „Wandervogel“-Bewegung aus der Weimarer Republik an. In einer Einlassung zum Volkstrauertag soll er darüber hinaus einen an den Treueschwur der SS angelehnten Gedichtsvers von Max von Schenkendorf verwendet haben. Die Staatsanwaltschaft in Gießen prüft seither einen Verstoß gegen das Verbot der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Der Bundesvorstand macht ernst mit seiner Ankündigung der autoritären Unterwerfung…
Zwar hatte man das Ziel ausgegeben, nach der Auflösung der ursprünglichen JA die Sprösslinge stärker unter die Fittiche nehmen zu wollen, keine radikalen Auswüchse zu dulden, vor den Sicherheitsbehörden abzuschirmen. Doch nach dem ersten Attest von Illoyalität setzt man nun zum zweiten Dolchstoß an. Welch ein Verrat am eigenen Vorfeld, welche irrwitzige Form der Scheinheiligkeit, die sich mittlerweile kontinuierlich wie strukturell durch die Agenda der AfD zu ziehen scheint. Entweder verweist man auf Unvereinbarkeitsbeschlüsse mit der „Identitären Bewegung“, um faktische Kontaktverbote mit Martin Sellner durchsetzen zu wollen. Oder man springt über das Stöckchen der Medien, lässt man Freiwilligen vor Ort die Wahl zwischen Austritt oder Rauswurf. Was hat man sich bereits abgearbeitet an Charakteren wie Matthias Helferich. Man entzieht sich wechselseitig das Vertrauen, verkommt zu einer Gruppierung größten Zweifels. Es wirkt, als ob sich Alice Weidel und Tino Chrupalla vom Verfassungsschutz treiben lassen. Denn wiederkehrend scheinen sie sich kein eigenes Bild zu machen, sondern auf Grundlage von Sensationsberichterstattung zu agieren.
Das Distanzieren hat in der AfD mittlerweile ein epidemisches Ausmaß erreicht…
Doch mit diesem Manöver treibt man sich ins Abseits, manche Unterstützer in die Arme der Konkurrenz. Wer sich von seinem Fundament löst, indem er dem Geheimdienst mehr Gehör schenkt als den Mitstreitern, sich der Moralkeule des etablierten Kartells unterwirft, hat eigentlich schon verloren. Es geht längst um einen Richtungskampf. Will man zurück zur Mäßigung à la Petry und Meuthen, sich anschmiegen an die Union, weil man möglicherweise auf einen Koalitionspartner angewiesen ist? Oder zeigt man auch dann Rückgrat, wenn die Winde stürmisch wehen, der Widerspruch laut wird, ein offensichtliches Manöver zur Schwächung von außen eine eigentlich doch standfeste Kraft zum Bittsteller macht? Die Reaktionen auf den Beschluss fielen entsprechend heftig aus. Auf den sozialen Plattformen wurde Solidarität mit Dorow bekundet. Sollte er Bestand haben, dann droht eine massive Erosion. Schließlich kann man kaum ungeschickter handeln, einen solch gravierenden Schritt der Beschneidung von Autonomie und Souveränität zunächst über die Presse kommunizieren zu lassen. Dieser Vorwurf taucht immer wieder auf, es fehlt offenbar an Professionalität und Beratung in der PR.
Mediale Dolchstöße sind ein Ausdruck größter Illoyalität und Unprofessionalität…
Schließlich scheint die Spitze immun, ihre Entscheidungen zunächst intern bekannt zu machen, statt die Mitglieder per „WELT“ zu informieren. Sie beschwört Krisen nahezu herauf, hängt immer wieder der Welle hinterher. So ist es auch bei der aktuellen Affäre um vermeintliche Vetternwirtschaft. Man gibt die Zügel aus der Hand, hätte proaktiv handeln können. Doch man geht Schritt B vor A, denkt nicht darüber nach, wie sehr Image und Autorität geschwächt werden, bindet man die Betroffenen völlig unzureichend ein. Es entsteht der Eindruck, man handele über die Köpfe der Basis hinweg. Kollegialität ist Makulatur geworden. Der externe Beobachter könnte tatsächlich auf den Gedanken kommen, hier seien manche Akteure fremdgesteuert. Wie tollpatschig eine Führungsriege von einem Fettnäpfchen ins nächste tappt, das lässt schon arge Skepsis aufkommen, ob man 13 Jahre nach Gründung die Kinderschuhe wirklich hinter sich gelassen hat. Derart grobe Fehler wirken nahezu selbstzerstörerisch, zumindest aber existenzbedrohend dort, wo Perfidie und Charakterlosigkeit im Gedächtnis bleiben. Da könnte ein größeres Rumpeln bevorstehen, auch ganz vorne.








