Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „AfD in Sachsen-Anhalt: Dieser Partei ist die Pflege ihrer Ressentiments wichtiger als die Pflege ihrer Wähler“ (aus: SZ vom 13.04.2026)
45 Prozent ist das Wahlziel von Ulrich Siegmund. Der AfD-Kandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat sich eine hohe Hürde gesetzt, die allerdings nicht unerreichbar scheint. In den Umfragen werden aktuell 38 bis 40 Prozent prognostiziert, eine absolute Mandatsmehrheit im Parlament von Magdeburg ist nicht ausgeschlossen. Und genau darauf zielt das Bestreben ab, denn der studierte Wirtschaftspsychologe möchte eine Agenda durchsetzen, für die er wohl keinen Koalitionspartner finden würde. Er stellt den Medienstaatsvertrag und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Frage, möchte die Leistungen an die Kirchen auch deshalb einstellen, weil diese sich zusehends zu einem Hort von weltanschaulichem Linksradikalismus entwickelt haben. Die Regenbogenideologie lehnt der geborene Havelberger ab, die Landeszentrale für politische Bildung soll abgeschafft werden, hat sie sich zu einem einseitigen Sprachrohr der bisherigen Regierung gemausert. Traditionelle Werte will er fördern, das Denken in schwarz-rot-goldener Prägung wiederbeleben, Sitte und Moral zur Tugend erklären.
Streitpunkt Bildung: Inklusion abschaffen, Ideologie verbannen, Schulpflicht reformieren…
Im Unterricht soll die Geschichte ehrlich aufgearbeitet werden, ohne einen Schuldkult, sondern mit Blick auf die gesamte Historie der Heimat. An Schulen will man die Selbstverteidigung lehren. Kein schlechter Gedanke bei wachsender Gewalt auf den Pausenhöfen. Statt dezidierter Programme über Antirassismus vermag man die grundlegenden Kompetenzen in Schreiben und Rechnen in den Vordergrund zu rücken. Oftmals wird die Programmatik auf den Standpunkt verkürzt, man wolle behinderte Jugendliche aus den Klassenzimmern verbannen, weil sie den Unterricht „lähmen“. Dabei besagt der genaue Wortlaut: „Gerade behinderte Kinder benötigen eine speziell auf ihre Situation abgestimmte Pädagogik, wie sie nur an Förderschulen möglich ist. Wir werden die Inklusion unverzüglich beenden und die Förderschulen ausbauen!“. Diese Überzeugung kann man schon allein deshalb schwer leugnen, weil ein so lautender Anspruch an Eingliederung in aller Regel von den Eltern ausgeht. Sie hegen utopische Erwartungen, überfordern mit dem Wunsch nach Gleichmacherei nicht nur ihre eigenen Söhne und Töchter, sondern auch Lehrpersonal und Klassenkameraden.
Task Force zur Remigration, Begrüßungsgeld für Babys, Familie aus Kind, Mann und Frau…
Die Individualität des Einzelnen soll im Vordergrund stehen, nicht mehr eine Denkart des „Auf Teufel komm raus“. Besonders punkten kann man mit Brot-und-Butter-Themen. Eine Remigrationsoffensive soll gestartet werden, Straftäter und abgelehnte Asylbewerber möchte man strikt und umgehend abschieben. Kapazitäten hierfür will man zeitnah schaffen, eine Task Force gründen. Das Prinzip von „Schutz auf Zeit“ gilt demnach in aller Konsequenz und Deutlichkeit, Obdach Versorgung gibt es nur noch für tatsächlich Verfolgte. Für sie bestehe zudem eine teilweise Arbeitspflicht, Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegewesen werden laut Siegmund verstärkt aus der eigenen Bevölkerung akquiriert. Dem demografischen Wandel will man mit einem „Baby-Begrüßungsgeld“ von 2.000 Euro begegnen, wenn mindestens ein Elternteil deutscher Herkunft ist. Der Fokus der Förderung richtet sich auf das klassische Modell aus Vater, Mutter und Kind. Kritik übt man an „nicht-reproduktiven Lebensweisen“ und „sexuellen Abweichungen“. Damit soll auf die Notwendigkeit zum Erhalt der hiesigen Gesellschaft und der Bedeutung ihres Nachwuchses hingewiesen werden.
Schluss mit Klimawandelpanik, Einsatz für den kulturellen Erhalt der Bundesrepublik!
Die bisherige Schulpflicht möchte man durch eine Bildungspflicht ersetzten, womit freie Trägermodelle deutlich mehr Entfaltungsmöglichkeiten bekommen. NGOs sollen die Fördergelder gestrichen werden, wenn sie „extremistische“ oder „pervers-linke“ Absichten verfolgen. Für die innere Sicherheit sollen mehr Einsatzkräfte zur Verfügung stehen, in der Energie- und Wirtschaftspolitik legt man Wert auf heimische Ressourcen und weist die ökologische Transformation unter Verweis auf Zweifel am ausschließlich anthropogen verursachten Klimawandel zurück. Bürokratie soll gemindert, die Verwaltung verschlankt, Ministerien gestrichen werden. Man will vom Kopf wieder auf die Füße. An vielen Stellen sind die formulierten Ziele in der Wortwahl gewöhnungsbedürftig. Inhaltlich kann man ihnen nur dann etwas entgegenstellen, will man sich einer Rückkehr zur Vernunft widersetzen. Da wurde ein Kulturkampf ausgerufen, der nicht zuletzt deshalb notwendig und unumgänglich ist, weil jede Richtungsentscheidung zwangsläufig Polarisierung mit sich bringt. Und so geht es um weit mehr als Schönheitskorrektur, um einen Neuanfang.








